Viele Klischees halten sich hartnäckig. So auch jene vom allzu höflichen Engländer, der sich stets brav in die Schlange stellt, morgens Haferschleim und zum Fünfuhrtee ein Gurkensandwich verspeist, abends im Pub lauwarmes Bier in sich reinschüttet und als Fußballfan zum prügelbereiten Hooligan mutiert.

All dies ist natürlich größtenteils Unfug. Spätestens diese Olympischen Spiele dürften auch dem Letzten vor Augen geführt haben, dass es ein fröhliches, weltoffenes und selbstironisches Vereinigtes Königreich gibt. London 2012 war für England das, was die Fußball-WM 2006 für Deutschland war: die bestens genutzte Chance, der Weltöffentlichkeit ein neues Gesicht zu zeigen.

Schon der Start, als sich die 86-jährige Queen Elizabeth II. als Bond-Girl inszenieren ließ, machte klar: diese XXX. Olympischen Spiele der Neuzeit werden ein königlicher Spaß. Und so kam es. Keine bestellten Claqueure wie in Peking 2008, kein Chaos wie in Athen 2004, sondern großer Sport mit ausgelassenen Fans. Hinten angestellt haben sich die Briten übrigens auch nicht – zumindest sportlich. Die Goldflut sei ihnen gegönnt.