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AZ-Meinung Manche sind gleicher

Anja Timmermann, vom 29.01.2012 15:30 Uhr
Christian Wulff (l) und sein ehemaliger Sprecher Olaf Glaeseker Foto: dpa
Christian Wulff (l) und sein ehemaliger Sprecher Olaf Glaeseker Foto: dpa

Für Glaeseker und Wulff gelten offenbar nicht die gleichen Regeln. AZ-Redakteurin Anja Timmermann über die Ermittlungen gegen Olaf Glaeseker.

Dass die Ermittler nun so entschlossen gegen Olaf Glaeseker vorgehen, dass sie selbst sein früheres Büro im Bundespräsidialamt durchsuchen, ist gut. Dass sie überhaupt gar nicht, weder entschlossen noch zaghaft, gegen Christian Wulff vorgehen, ist nicht gut.

Erstens, weil kaum vorstellbar ist, dass Glaeseker ohne Wissen und Billigung seines langjährigen Dienstherren und Vertrauten handelte. Zweitens, weil es gegen Wulff ganz ähnliche Vorwürfe der Vorteilsnahme gibt. Und bei jeder neuen Maßnahme gegen den einen stellt sich um so massiver die Frage: Warum nicht gegen den anderen auch?

Mittlerweile fordern zahlreiche Strafrechtler Ermittlungen auch gegen Wulff: Bei den Vorwürfen gegen ihn persönlich handele es sich um den „Klassiker der Vorteilsnahme“, sagt nun etwa der Bochumer Professor Klaus Bernsmann. Bei jedem Dorfbürgermeister hätten die Ermittlungen bei so klaren Indizien – unter anderem auch bei der von der AZ aufgedeckten Zentis-Einladung zum Münchner Filmball – längst begonnen.

Ermittlungen, wohlgemerkt, keine Verurteilung: Aber dass wenigstens mal geprüft wird, ob an dem Anfangsverdacht etwas dran ist, und Wulff nicht von vorneherein geschont wird. Das würde dem Gerechtigkeitsempfinden gut tun. Auch weil man sich fragt, wer da eigentlich bremst. Seitdem feststeht, dass es im Saarland Neuwahlen gibt, ist die schwarz-gelbe Mehrheit in der Bundesversammlung endgültig dahin. Da will man offenbar keine Nachfolger-Kür riskieren.

 

 

Kommentare (5)
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JAN
30
12:02 Uhr, geschrieben von weynstain
Kleiner Unterschied
Einen kleinen Unterschied gibt es doch: Glaeseker war Bediensteter der Staatskanzlei in Hannover, Wulff "nur" Politiker. Daher durfte Glaeseker definitiv nichts annehmen, während bei Wulff jedes Mal die elende Diskussion losbricht, was "Vorteilsnahme" und was schlicht instinkt- oder geschmacklos ist.
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JAN
30
08:44 Uhr, geschrieben von gerhard steger
manche sind gleicher
Zuwelchen Bedingungen eine Bank ein Dahrlehen gewährt unterliegt nicht der Nachprüfung durch die Staatsanwaltschaft, das icht richtig, daher auch keine Untersuchung. Das ist aber nicht die erste Vorteilname des Herr Wulffs und daher hat das alles nach wie vor ein sogenanntes Gschmäckle. Ich gehe nach wie vor davon aus, daß ein Politiker und vor allem einer der uns nur repräsentieren soll, sich privat anders verhalten muß. Es darf gar kein Zweifel über seine Redlichkeit entstehen, sonst verliert er seine Glaubwürdigkeit und das ganze Land mit. Und das gewisse Vorteile nur entstanden sind, weil er eben ein Politiker ist, steht außer Frage. Es stimmt auf alle Fälle die Frage der Autorin " werden die Kleine GEKÖPFT und die Großen dürfen machen was sie wollen".
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JAN
29
16:53 Uhr, geschrieben von Demokrat
Frage an die Autorin:
Gab es nicht eine Untersuchung der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen Wulff, die eingestellt wurde, da der Kredit - Anfangspunkt der Affäre - scheinbar doch marktüblich gewesen ist? Gar keine Ermittlungen ist dann doch eine gewisse Untertreibung...
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