Die Wirtschaftsredakteurin Susanne Stephan über die drohende griechische Staatspleite

Häme ist fehl am Platz. Wer den Griechen ihre drohende Doch-noch-Pleite gönnt, möge sich vor Augen führen, was eine Staatsinsolvenz bedeutet: sinkende Löhne, noch mehr Entlassungen, ein Staat, der seine Handlungsfähigkeit einbüßt, Sparmaßnahmen an allen Ecken und Enden.

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Stimmt schon, dass der griechische Schlendrian die Misere erst möglich gemacht hat. Aber es stimmt auch, dass der einzelne Bürger keinerlei ernsthafte Möglichkeiten hatte, das mafiöse Gestrüpp aus Vetternwirtschaft und Dilettantismus zu bekämpfen. In Griechenland wird zurzeit eine ganze Generation Volk um die Früchte ihrer Arbeit betrogen, während sich die Nutznießer dieses Systems über vorgezogene Renten freuen oder sich auf den Decks ihrer Yachten die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.

Das griechische Desaster führt uns aufs Unangenehmste vor Augen, wie eine Demokratie über Jahrzehnte versagen kann, wie die politische Elite eines Landes Chancen vergibt und sich im Verteilen von Pfründen vergeudet. Ein Einzelfall?

Das zweite Sorgenkind Europas, Spanien, macht ähnlich schmerzliche Erfahrungen: Über Jahre hinweg war klar, dass die Geldschwemme infolge der übereilten Euro-Einführung Unheil bringen würde, dass der Immobilien-Boom auf Sand gebaut war. Viele wussten es, alle machten mit – und die politischen Instanzen, die dem Unheil Einhalt hätten gebieten können, taten es nicht. Jetzt sind in Spanien alle klüger – doch jetzt ist es zu spät.

 

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