AZ-Meinung Die Griechen - ein betrogenes Volk
Susanne Stephan, 23.07.2012 16:04 UhrDie Wirtschaftsredakteurin Susanne Stephan über die drohende griechische Staatspleite
Häme ist fehl am Platz. Wer den Griechen ihre drohende Doch-noch-Pleite gönnt, möge sich vor Augen führen, was eine Staatsinsolvenz bedeutet: sinkende Löhne, noch mehr Entlassungen, ein Staat, der seine Handlungsfähigkeit einbüßt, Sparmaßnahmen an allen Ecken und Enden.
Stimmt schon, dass der griechische Schlendrian die Misere erst möglich gemacht hat. Aber es stimmt auch, dass der einzelne Bürger keinerlei ernsthafte Möglichkeiten hatte, das mafiöse Gestrüpp aus Vetternwirtschaft und Dilettantismus zu bekämpfen. In Griechenland wird zurzeit eine ganze Generation Volk um die Früchte ihrer Arbeit betrogen, während sich die Nutznießer dieses Systems über vorgezogene Renten freuen oder sich auf den Decks ihrer Yachten die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.
Das griechische Desaster führt uns aufs Unangenehmste vor Augen, wie eine Demokratie über Jahrzehnte versagen kann, wie die politische Elite eines Landes Chancen vergibt und sich im Verteilen von Pfründen vergeudet. Ein Einzelfall?
Das zweite Sorgenkind Europas, Spanien, macht ähnlich schmerzliche Erfahrungen: Über Jahre hinweg war klar, dass die Geldschwemme infolge der übereilten Euro-Einführung Unheil bringen würde, dass der Immobilien-Boom auf Sand gebaut war. Viele wussten es, alle machten mit – und die politischen Instanzen, die dem Unheil Einhalt hätten gebieten können, taten es nicht. Jetzt sind in Spanien alle klüger – doch jetzt ist es zu spät.





das kommt vor
Daß Betrüger sich gelegentlich selbst als 'Betrogene' fühlen mag sein. Griechenland leidet am Wulff-Syndrom, also raffen und nehmen was man kriegen kann. Ohne Gegenleistung. Und wenns dann auffällt, verschleiern, abstreiten und lügen. Traurig aber wahr.
Die Deutschen - ein betrogenes Volk?
Auch wenn die AZ ein Boulevardblatt ist, muss man sich trotzdem manchmal sehr wundern. Wem dienen den die Rettungs-Milliarden in erster Linie? Hoffentlich nicht 'den Nutznießern dieses Systems, die sich auf den Decks ihrer Yachten die Sonne auf den Bauch scheinen lassen' (ihre Worte). So ist es aber leider, willkommen in der Realität. Das Geld wird nie beim griechischen/spanischen Volk ankommen, sondern einfach so im Banken- und Politiksystem verpuffen ... sprichwörtlich wie der Tropfen auf den heißen Stein. Oder warum glauben Sie, gibt es die Proteste in Spanien und Griechenland? Während sich unsere Politiker mit der Stabilität der gemeinsamen Währung erpressen lassen, zocken die Banken fröhlich weiter. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie sich doch mal die Börsenkurse im Kontext von Zahlungszusagen an. Spätestens hier sollten auch dem letzten finanpolitischen Hinterbänkler das Licht aufgehen. Wie kann es den sein, dass die Vorschläge zur Rettung alsamt von Experten der Finanzbranche ausgedacht wurden? Hier wäre wohl die Redewendung 'Den Bock zum Gärtner machen' mehr als angebracht. Aber: Das Geld für die Rettungsschirme und Finanzspritzen ist im Vergleich zu den Finanzblasen der Institute real. Es ist kein virtuelles Spielgeld das sich verzocken lässt. Spätestens nach der nächsten Wahl müssen die Steuern in Deutschland wohl oder übel kräftig erhöht und wichtige Infrastrukturausgaben und Aufgaben des Staates drastisch zurück gefahren werden. Wie sonst sollte man die zugesagten Milliarden auftreiben? Die Deutschen werden also spätestens nach der Whl 2013 auch ein betrogenes Volk sein ... und das über die nächsten Generationen hin. Den auch wenn die großen Parteien fast einstimmig ESM und Fiskalpakt zustimmten, bleibt seine (demokratische) Rechtmäßigkeit immernoch zweifelhaft. Und, so glaube ich mich stark zu erinnern, gab es mit der Euro-Einführung auch das 'Versprechen' nicht für die Schulden anderer Staaten haften zu müssen. Auch das Argument, Deutschland profitierte wie kein anderes Land von der Einführung des Euro, kann so auch nicht allgemein gelten. Wer profitierte in Deutschland vom Euro? Der einzelne Bürger oder die Wirtschaft, die innerhalb der EU neue Absatzmärkte erschloss und Arbeitsplätze in subventionierte EU-Billiglohnländer verlagern konnte?
ach ja???
Haben sie nicht alle davon profitiert? Schwarzbauten ohne Steuern, toller Job beim Staat ohne viel zu tun, Beamte schmieren, für Tote Renten kassieren usw. Jeder war nur auf seinen persönlichen Vorteil bedacht. Und jetzt hat es eben gekracht. Aus die Maus, nix geht mehr. Griechenland hat in der EU nix mehr verloren, einen so korrupten und letztendlich unfähigen Staat brauchen wir nicht in der EU!