Matthias Maus, der Chefreporter der AZ über den Pferdefleisch-Skandal

Scherze, wonach Pferdefleisch gesünder sei, sind unangebracht. Ebenso der Hinweis, rheinischer Sauerbraten sei ursprünglich immer vom Pferd. Man darf die Affäre nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es geht um Betrug, es geht um Täuschung. Die gehören streng verfolgt, und es gibt erhebliche Zweifel, dass die zuständigen Politiker dies ausreichend tun.

Bei Lebensmittelskandalen gibt es mittlerweile einen Reflex. Selbst schuld, heißt die Klage. Wer immer nur billig kaufe, der dürfe sich nicht wundern . . . Stopp! Wer so redet, macht es sich zu einfach. Diese Logik folgt dem Konzept, wonach der Markt alles regele.

Wer Besseres haben wolle, der müsse nur mehr zahlen. So haben wir aber nicht gewettet. Für dieses neoliberale Staatsverständnis sollte in Deutschland kein Platz sein.

Die Verbraucherschutzministerin muss endlich ihren Job machen. Dafür muss sie nicht große Töne spucken mit „nationalen Aktionsplänen“.

Viel wichtiger wären wirkungsvolle Strafandrohungen gegen Großhändler und Ketten, die sich bisher hinter einem undurchsichtigen Gestrüpp von Subunternehmern und Erzeugern verstecken konnten. Wichtiger wäre auch eine schlagkräftige Lebensmittelfahndung, die europaweit agieren kann und die nicht bei jeder Mittelkürzung betroffen ist.

Frau Aigner muss dahin gehen, wo es weh tut – wo es den Händlern und den Profiteuren weh tut.