AZ-Kritik "Backstage" im GOP: Perfekter Zauber

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Was alles mit Bällen möglich ist, zeigt Cyril Rabbath im GOP-Varietétheater am Maxmonument. Foto: Frank Wilde

Die unterhaltsame Show „"Backstage" im GOP-Varietétheater verspricht einen Blick hinter die Kulissen.

München - Den Rausschmeißer-Song singen die moderierenden Comedians schon nach ein paar Minuten und verabschieden sich artig vom Publikum. Aber die beiden wollen nur spielen oder – um genau zu sein – eine Probe spielen. Dazu hat auch das Publikum als solches eine Rolle übernommen: Die Zuschauer "spielen" Bewerberinnen und Bewerber für Ein-Euro-Jobs im GOP-Varietétheater, und sollen, da sie gerade da sind, für die anstehende Generalprobe das enthusiasmierte Publikum markieren.

Dieses Handlungsgerüst wird im Verlauf der folgenden zwei Stunden immer brüchiger bis zum Verschwinden, aber das Versprechen der Show, den Besuchern einen Blick in die Werkstätten und Schlafzimmer der Varietékünstler werfen zu lassen, ist ohnehin nur ein lustiger Fake.

So ist "Backstage", wie stets in diesem Haus, doch ein perfekt zu Ende geprobter Akrobatenzauber, in diesem Falle selbstironisch bis kabarettistisch kommentiert von Ludger K. und Christian Hirdes.
Wehmütig erinnern sie sich an die gute alte Zeit, als sie nicht in dieser "Boazn" auftreten mussten, sondern Schubecks Teatro bespielen durften.

Einen Hauch von altmodischem Jahrmarkt-Spektakel bringt Betty Brawn aus Australien mit und unterläuft gleichzeitig sehr charmant die überlieferten Vorstellungen von einer stärksten Frau der Welt. Sie sprengt lächelnd Ketten, zerreißt mit zarten Fingern 600-seitige Liebesromane und stemmt zwei der "Praktikumsbewerber" aus dem Saal. Was dann die US-Artistin Kaleen McKeenan macht, ist auch kraftvoll, aber eher luftig. Am Vertikaltuch schwebt sie horizontal.

Bodenständiger bleibt ihre argentinische Kollegin Juana Beltran mit gleichfalls kräfteraubender, weil stark entschleunigter Handstandakrobatik. Vieles, was das finnische Duo Minja zeigt, beginnt auch mit einem Handstand, bis sich Milla Peijari und Pinja Seppälä kunstvoll und gerne auch hoch oben im doppelten Luftring zu vielarmigen und vielbeinigen Figuren verknoten.

Das zweite Duo sind die Funkoholicks aus Russland. Athletisch und doch elegant, aber in jedem Fall atemberaubend bewegen sich Victoria Bilyauer und Konstantin Gvozdetskiy am Chinesischen Mast.   

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