AZ-Konzertkritik Sido und Savas im Zenith: "Schlechte Vorbilder", aber große Unterhaltung

Genoss bei "Mein Block" das Bad in der Zenith-Menge: Sido. (Archivbild) Foto: Caroline Seidel/dpa

Deutscher HipHop vom Feinsten: Am Sonntagabend traten Sido und Kool Savas gemeinsam im Zenith auf. Die AZ-Konzertkritik.

München - Bürgerlich sei er geworden, satt vom Erfolg, lieber an einer passenden Kita als am nächsten Skandalsong interessiert. Und was macht dieser Sido in der Zugabe? Er zieht die silberne Totenkopfmaske über, und stimmt doch tatsächlich den verpönten "A... Song" aus der harten Aggro-Berlin-Zeit an.

Also alles nur Fassade, von wegen abgehobener Pop-"Astronaut" mit langsam grau werdendem Vollbart? Nicht ganz. Denn hinter der Maske steckt nicht Sido, sondern der Mann, vor dem er schon als kleiner Junge ganz ehrfürchtig in einer Berliner Kellerkneipe, "Royal Bunker" genannt, auftrat: Kool Savas.

Auf einmal steht eine Seniorin auf der Bühne

Gemeinsam sind die selbsternannten Raplegenden nun auf Tour – zum ersten Mal seit 20 Jahren. Das Knistern, die Spannung auf dieses HipHop-Großereignis ist im ausverkauften Zenith bereits zu spüren, als im Video-Zeitraffer die bekanntesten Clips der durchaus umstrittenen Reimekünstler auf die Leinwand geworfen werden. Kann ein Sido, mittlerweile mehr gemütlicher Radio-Rapper als Rampensau mit Kool Savas, diesem immer ein wenig verbissen wirkenden, genialen Wortakrobaten live überhaupt harmonieren?

Die Antwort steht für die enthusiastischen Fans bereits nach wenigen Minuten fest, als die beiden Altstars bei Feuerbällen das Reime-Gaspedal zu frischen Songs wie "Haste nicht gesehen" und "Normale Leute" durchdrücken und wuchtig-scheppernde Beats durch die Industriehalle rollen. Denn egal, ob die T-Shirts um die Bauchmitte etwas spannen, die Bewegungen auf der Bühne manchmal lethargisch wirken: Die Zwei haben noch Feuer und richtig "Bock" auf eine zweistündige, nostalgisch gefärbte Reise durch ihre eigenen Rapper-Biografien.

Scheinbar mühelos gelingen die Übergänge, darf Sido "Fuffies im Club" regnen lassen, während Savas sofort mit gewohnt giftiger Präzision verkündet: "Und dann kam Essah". Bis auf ein kurzes Gastspiel bei "Mein Block", als Sido das Bad in der Menge sucht, bleiben die beiden auch immer auf dem Podium vereint, zelebrieren sie fast ehrfurchtsvoll die Hits des Gegenübers. Und dann wirkt es nicht einmal peinlich, sondern fast schon charmant, wenn die Spätpubertierenden eine Seniorin auf die Bühne bitten, um mit ihr und dem Publikum anzustoßen. Gut möglich also, dass die "schlechten Vorbilder" am 4. Juli wieder ein Münchner Zuschauermagnet werden. Dann aber im Musikzelt auf dem Tollwood.

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