AZ-Kommentar Christian Prokop beim DHB: Experiment gescheitert!

, aktualisiert am 27.01.2018 - 15:14 Uhr
Die DHB-Verantwortlichen müssen einen Trainer finden, der die Mannschaft auch erreicht. Ein Kommentar von AZ-Online-Redakteur Michael Schleicher. Foto: Monika Skolimowska/dpa/AZ

AZ-Online-Redakteur Michael Schleicher kommentiert die Leistung des DHB-Teams bei der Handball-EM 2018, den Anteil von Bundestrainer Christian Prokop am Debakel – und er erklärt, warum das kaputte Vertrauensverhältnis nicht mehr zu kitten ist.

Die blamable Vorstellung in der zweiten Halbzeit gegen Spanien war der traurige Tiefpunkt des deutschen Abenteuers bei der Handball-EM 2018 in Kroatien. Die über weite Strecken nicht überzeugenden Leistungen des DHB-Teams sind natürlich nicht nur an einer Person festzumachen. Jedoch hat Bundestrainer Christian Prokop wohl den größten Anteil am Turnier-Aus Deutschlands.

Prokop sorgt für Unverständnis

Schon vor der Handball-EM sorgte Prokop mit seiner Kadernominierung für Aufregung und teilweise Unverständnis: Die beiden Europameister von 2016 Finn Lemke und Rune Dahmke mussten zuhause bleiben, stattdessen nahm der Trainer die international völlig unerfahrenen Bastian Roschek und Maximilian Jahnke mit nach Kroatien.

Die Kritik an der Entscheidung war groß – Prokop schien sich dadurch jedoch nicht verunsichern zu lassen. Zumindest von außen betrachtet. Dass es im Inneren wohl ganz anders aussah, zeigt die Entscheidung, Lemke und Dahmke im Laufe des Turniers doch noch nachzunominieren. Roschek und Jahnke waren plötzlich nur noch Zuschauer. Die anfangs felsenfest getroffene Entscheidung: Über den Haufen geworfen! Prokops Autorität ebenso.

Reibereien im DHB-Team

Dass es zwischen der Mannschaft und dem Trainer nicht passt, hat man während des Turniers mehr als einmal gemerkt. Spieler verdrehten in der Auszeit während der Ansagen Prokops die Augen. Hendrik Pekeler gab offen zu, dass die Spieler untereinander entschieden hätten, ein anderes Abwehrsystem zu spielen, als das vom Trainer vorgegebene.

Oder Patrick Wiencek, der mit dem Trainer während des Dänemark-Spiels aneinandergeraten war, ihn angeschrien und eine mehr als deutliche Ansage gemacht hatte. Dass derartige Gräben in Zukunft überwunden werden können, spätestens im nächsten Jahr bei der Heim-WM, ist unwahrscheinlich.

Totalausfall gegen Spanien

Bisheriger Höhepunkt der Diskrepanzen: Einem Bild-Bericht zufolge soll Prokop die Trainingseinheit am Tag des Spanien-Spiels vorzeitig verlassen haben. Der Trainer flüchtete vor der alles entscheidenden Partie –, dass die Mannschaft dann verunsichert ins Spiel geht, ist verständlich.

Es folgte der Totalausfall. In der Auszeit, bei noch zu spielenden 20 (!) Minuten, dann an die Mannschaft zu appellieren, "das Ding mit Respekt, und nicht respektlos, zu Ende zu bringen", sind mit Sicherheit nicht die Worte, die die Spieler in einer solchen Situation motivieren. Dass die Verunsicherung von taktisch äußerst fragwürdigen Entscheidungen (Stichwort: Siebter Feldspieler) herrührte, schien Prokop nicht zu interessieren.

Prokop soll bleiben? Der falsche Weg!

Dass die DHB-Verantwortlichen um Vizepräsident Bob Hanning weiter an Prokop festhalten, ist der falsche Weg.

DHB-Präsident Andreas Michelmann macht es sich nach dem Scheitern vielmehr zu leicht, wenn er das Turnier als "Testlauf" für Prokop bezeichnet. Immerhin sind die "Bad Boys" als amtierender Europameister und Olympia-Dritter nach Kroatien gereist.

Fakt ist: Der Bundestrainer erreicht die Mannschaft nicht – das ist bei der Handball-EM 2018 mehr als deutlich geworden. Die Risse im Vertrauensverhältnis sind nicht mehr zu kitten – das Experiment Christian Prokop beim DHB ist als gescheitert anzusehen.

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