AZ-Kolumne von Martina Ertl-Renz Deutsche Abfahrts-Hoffnungen: Olympischer Tunnelblick

Auf ihm ruhen die deutschen Abfahrts-Hoffnungen: Thomas Dreßen. Foto: Stephan Jansen/dpa/AZ

AZ-Kolumnistin Martina Ertl-Renz über die deutschen Alpin-Hoffnungen und den Start bei den Olympischen Winterspielen.

Was geht nun im Kopf von Thomas Dreßen und Andreas Sander vor? Die Ski-Alpin-Herren sind vor der Saison vorrangig mit der Frage beschäftigt gewesen, auf welchem Weg sie die Qualifikation zu den Olympischen Winterspielen erreichen können.

Parallel zu Verletzungen von Leistungsträgern in der deutschen Mannschaft katapultierte sich die Rumpfmannschaft mit furiosen Ergebnissen in die erweiterte Weltspitze. Der Höhepunkt dieser Erfolgsserie war zweifelsohne der Sieg auf der Kitzbühler Streif durch den Mittenwalder Abfahrer Thomas Dreßen, den ich schon lange als Geheimtipp auf dem Zettel hatte. Aber auch Andreas Sander erzielte herausragende Ergebnisse immer mit Tuchfühlung auf Thomas Dreßen, nicht so sehr im Rampenlicht der Medien, aber mit gleicher sportlicher Klasse.

Jetzt stehen alle vor der Reise nach Pyeongchang und die Entscheidung über olympisches Edelmetall steht in der Abfahrt der Herren und im Riesenslalom der Damen bereits am Anfang der Spiele an. Ich halte das für die Athleten, die nach ihren Erfolgen aufpassen mussten, dass sie nicht vom Medienrummel zu stark eingenommen werden, für den idealen Zeitpunkt.

Man muss sich jetzt auf die olympischen Aufgaben fokussieren; das gelingt meiner Erfahrung nach am Besten , wenn man jetzt keine Zeit zum Nachdenken hat. Das liegt jetzt so. Der Zeitplan ist straff und nach der Anreise begeht man, nachdem man das olympische Dorf bezogen hat, die Eröffnungsfeier. Danach ist man als Athlet schon in medias res: die Strecke wird besichtigt, sie wird im Training befahren und man zieht sich zur Analyse der einzelnen Streckenabschnitte zurück und dann, ja, dann fährt man die olympische Abfahrt.

Deutsche Alpin-Athleten professionell und akribisch

Thomas, Andreas und Vicky (Rebensburg, d. Red) tun nun gut daran, sich mental auf nichts mehr anderes einzulassen. Dieselbe Professionalität und dieselbe Akribie in der Vorbereitung auf die Strecke, wie im Weltcup, sind jetzt abzuspulen. Gerade die Streckenanalyse funktionierte in diesem Winter bestens und unsere Athleten bestachen durch eine gut durchdachte Rennlinie. Darauf muss man sich konzentrieren und darauf kann man auch vertrauen. Man muss sich so in die Aufgabe vertiefen, dass man darüber vergisst, dass das Rennen, das ansteht, das olympische ist.

Ob man es schafft, wie Psychologen es raten, sich im Starthäuschen zu suggerieren, man fährt gleich eine Trainingsabfahrt , wird von den mentalen Fähigkeiten des einzelnen Starters abhängen, aber was die meisten können, ist den Ablauf straff mit gewöhnlichen und vertrauten Dingen zu füllen. Dann wird man auch die gewöhnliche Leistung abrufen können und die war in dieser Saison eine außergewöhnliche.

Ich wünsche den alpinen Athleten den olympischen Tunnelblick, einen guten Flug und den Lohn für ihren Fleiß!

Herzlichst,

Martina Ertl-Renz

Lesen Sie hier: Martina Ertl-Renz analysiert für die AZ den alpinen Skisport

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