Der Flaneur staunt über die Verschiedenheit der menschlichen Gestalt.

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Heute ist der Tag, das Granteln bleiben zu lassen und unsere Welt zu preisen. Muss auch mal sein. Allein die bunte Vielfalt auf Erden ist enorm. So viele Pflanzen und Tierarten. Respekt! Man muss von einer einfalls- und abwechslungsreichen Schöpfung sprechen. Die verschiedenen Schmeißfliegen, Stechmücken und Nacktschnecken vergessen wir mal. Allein was an netten Blumen wächst und an hübschen Schmetterlingen unterwegs ist, sollte einen jauchzen und frohlocken lassen.

Wer sich eine Geranie oder auch nur ein Basilikum im Topf zulegen will, stellt fest: kein Blatt wie das andere, jedes Pflänzchen ein Individuum. Über eine Million Menschen leben in unserer Stadt. Dass jeder Einwohner ein eigenes Gesicht hat, ist eigentlich keine Selbstverständlichkeit, sondern eine beachtliche genetische Leistung. Gegen so viel Kreativität verblassen die Kreationen der Modemacher, die für Besonderheit sorgen wollen, aber die Leute ziemlich ähnlich aussehen lassen. Um das ganze Spektrum der menschlichen Verschiedenheit zu bewundern, müssen Hüllen fallen.

Auch wenn der Sommer bisher zu wünschen übrig lässt, so ist es doch warm genug, sich an einen See oder ins Freibad zu begeben. Die Originalität der Figuren ist überwältigend. Es gibt ja nicht nur dicke und dünne Menschen, sondern sondern Hunderte von verschiedenen Arten der Korpulenz: stramm, schwabbelig, schlaff, behaart, braun, blass. Den klassischen Dickbauch gibt es in Kombination mit dickem oder auch gänzlich fehlendem Hintern, mit langen schlanken Beinen oder kurzen Stampfern, mit feisten Pfoten oder unerwartet edlen Händen. Es gibt nicht nur Schmerbäuche sondern auch Schmerrücken.

Verschieden auch die Art, wie Unförmigkeit zur Schau gestellt wird: trotzig, wurstig, souverän, schüchtern, und – auch das gibt es: mit Anmut und Würde. Es gibt prall stolzierende Gewichthebertypen oder sich dahinschleppende Fettsäcke. Auch bei den besseren Figuren gibt es einiges auszusetzen: sie sind oft zu ausgemergelt, zu muskulös, zu braun, zu fitnessstudiogeformt, zu tätowiert, um wirklich schön zu sein. Nirgends Vollkommenheit. Vor dem Gesetz sind alle Menschen angeblich gleich. Beim Baden sind sie es nicht. Beruhigend.