AZ-Interview Yannic Seidenberg und die EHC-Gang

Die EHC-Stars Seidenberg, sonst eher als Familien-Papa bekannt, Kettemer und Flaake (v.r.) auf ihren Motorrädern. Foto: privat

Yannic Seidenberg, Verteidiger des EHC München, spricht exklusiv in der Abendzeitung über seine neue Leidenschaft fürs Motorradfahren, seinen feurigen Charakter und den großen Traum von Olympia.

Der 33-jährige Nationalspieler wechselte 2013 zum EHC Red Bull München, mit dem er in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils den Titel holte. In der Meistersaison 2016/17 wurde er zum MVP gekührt, dem wichtigsten Spieler der Playoffs.

AZ: Herr Seidenberg, Gratulation, Sie sind ja jetzt der Mr. Easy Rider des EHC Red Bull München, Sie haben mit 33 Jahren den Motorrad-Führerschein gemacht.
YANNIC SEIDENBERG: Danke, danke. Aber ich bin ja nicht allein, der Florian Kettemer und Jerome Flaake fahren ja auch. Ich habe mit den beiden dann auch gleich eine schöne Tour gemacht, das ist schon wirklich ein grandioses Gefühl. Man kann den Kopf beim Motorradfahren wunderbar frei bekommen. Wir sind etwa um den Starnberger See gecruist. Ich habe mir dann eine Maschine gekauft, es ist aber keine Rennmaschine, das wäre mir zu gefährlich, denn richtig langsam fahren kann ich nicht.

Die EHC-Gang.
Einen Motorrad-Klub werden wir aber dann doch nicht gründen, so gut mir die Serie "Sons of Anarchy" auch gefallen hat. (lacht)

Eigentlich waren die Pläne ganz klein.
Das stimmt. Geplant war, dass ich mir nur eine Vespa besorge, damit ich in München schneller durch die Staus komme. Die habe ich auch gekauft. Aber dann eben auch noch eine echte Maschine. Meine Frau hat sehr gelacht, weil ich noch eine Woche vorher voller Überzeugung erzählt habe, dass ich mir kein schweres Motorrad kaufen würde.

Zurück zum Eishockey, am Freitag kommt es zum immer hitzigen Duell mit den Augsburger Panthern.
Das sind die Spiele, die ich liebe, wenn gleich Feuer drin ist. Augsburg hat das beste Powerplay der Liga, da müssen wir von der Strafbank wegbleiben und zugleich müssen wir ihr Spiel mit unserem Vorchecking von Anfang an stören.

Sie sprachen das Feuer an, mit Ihren 1,73 Metern sind Sie ja nicht gerade ein Eis-Koloss, aber im Spiel scheinen Sie keine Angst zu kennen, da legen Sie sich mit jedem an - egal, wie groß oder kräftig.
So bin ich, da war ich früher sogar noch deutlich extremer, da habe ich das richtig gesucht.

Heute suchen Sie den Streit nicht mehr - er findet Sie.
(lacht) So könnte man es formulieren. Ein bisschen brauche ich das auch, um die letzten Prozente noch aus mir herauszukitzeln. Es wäre ja sonst ein bisschen langweilig. Aber klar ist auch, wenn ich gegen unseren Steve Pinizzotto spielen müsste, würde ich jetzt nicht als erster die Handschuhe wegwerfen und mich prügeln, weil da hat kaum einer eine Chance. Aber ich bin sicher einer, der sich immer vor die Mannschaft stellt, mit allem, was ich habe.

Wie ist es denn für Sie in dieser Saison, in der Sie erstmals vollkommen Verteidiger und nicht mehr Stürmer spielen?
Im Sommer habe ich mir natürlich so meine Gedanken darüber gemacht. Trainer Don Jackson und ich hatten zuvor darüber gesprochen, dass ich das kann, aber als ich beim ersten Spiel meinen Namen wirklich unter der Rubrik Verteidiger gelesen habe, war ich schon nervös wie ein junger Spieler. Aber das hat sich schnell gelegt, ich habe ja doch fast alle Situationen auf dem Eis erlebt. Es ist aber so, dass ich für mich nach einem Spiel sehr viel Videoanalyse betreibe, um zu sehen, wo ich noch etwas besser machen kann.

Sie sind ja auch beim Deutschland-Cup in Augsburg ab dem 10. November dabei. Auch als Verteidiger?
Ja, Bundestrainer Marco Sturm wird das ausprobieren und danach werden wir schauen, was das Beste für alle ist. Der Deutschland-Cup ist ja in dieser Saison sehr wichtig, damit man sich präsentieren kann, um dann auch möglichst 2018 bei Olympia dabei zu sein.

Ski-Superstar Felix Neureuther überlegt, angesichts der politisch so aufgeheizten Lage auf die Teilnahme an den Spielen im südkoreanischen Pyeongchang zu verzichten. Wie ist Ihre Haltung dazu?
Ich verstehe das sehr gut. Ich bin selber Vater von drei Kindern und natürlich macht man sich Gedanken. Aber so wie ich das sehe, weiß man nie, wo das Schicksal zuschlägt, wie man jetzt wieder in New York sehen musste. Die Ängste dürfen nicht das Leben bestimmen. Der Felix war auch schon mehrmals bei Olympia, ich noch nie. Wenn ich die Chance kriegen sollte, werde ich teilnehmen, da muss schon sehr, sehr viel passieren, dass ich diesen Traum, den ich seit der Kindheit habe, platzen lasse. Und ich denke, wenn es stattfindet, wird es dort genauso sicher sein wie an jedem anderen Ort der Welt.

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