AZ-Interview Ringlstetter und Zinner: Es geht auch ohne Erdogan

Wir wissen nicht, ob diese beiden Herren den gleichen Friseur kontaktieren, einen ähnlichen Humor aber haben Hannes Ringlstetter (links) und Stephan Zinner auf jeden Fall. Foto: Heiko Dietz

Zwei Kabarettisten, die sich als Musiker fühlen: Hannes Ringlstetter und Stephan Zinner gehen wieder gemeinsam auf die Bühne.

Sie sind beide Musiker, Kabarettist, Schauspieler, Buchautor, Geschichtenerzähler und gemeinsam auf d er Bühne natürlich doppelt unterhaltsam. Stephan Zinner (42) und Hannes Ringlstetter (46) treten am Montag im Circus Krone auf. Die AZ hat mit den Kabarettisten gesprochen:

AZ: Herr Zinner, Herr Ringlstetter, Sie stehen seit fünf Jahren gelegentlich gemeinsam auf der Bühne. Wie kam es zur Zusammenarbeit, war es Liebe auf den ersten Blick?
RINGLSTETTER: Nein, Liebe auf den ersten Blick war es nicht, wir haben und ein bisschen beobachtet und für gut befunden. Der Stephan ist halt ein komischer Typ und es hat auch ein bisschen gedauert, bis er sich erweicht hat, mit mir im Vereinsheim aufzutreten.
ZINNER: Na, das hab ich vorgeschlagen, dass wir mal zusammen auf die Bühne gehen, weil ich so gerne Du-Abende mache.

Es gibt große Gemeinsamkeiten, Sie sind beide Musiker mit Wortprogramm.
ZINNER: Da möchte ich schon deswegen nicht widersprechen, weil ich das Gefühl, Musiker zu sein, so gerne mag.
Ringlstetter: Die einen in unserem Beruf, die aus der Musik kommen, die haben ein anderes Timing, die denken in Grooves, auch wenn sie sprechen. Tja und dann gibt es da noch diese Lehrertypen, die halt eine Message haben und was zu sagen, aber gar nicht auf den Rhythmus achten, sondern auf Inhalt. Da sind wir natürlich eher unterversorgt.
ZINNER: Das stimmt nicht, den Inhalt haben wir auch, im einzelnen wie im duettischen.
RINGLSTETTER: Klar, aber das, was uns am meisten verbindet, ist doch die Musik.

Herr Zinner, dass Herr Ringlstetter eine eigenen Show hat und Sie nicht, das macht Sie doch sicher wahnsinnig eifersüchtig?
ZINNER: Ich finde es super, dass ich die Sendung nicht hab’. Ich bin schon manchmal neidisch auf Kollegen, aber in dem Fall: null. Ersten könnte ich es nicht und zweitens würde mich die wöchentliche Taktung fertig machen.

Herr Ringlstetter, haben Sie die Arbeit für die TV-Show „Ringlstetter“ unterschätzt?
RINGLSTETTER: Na, es ist genau so anstrengend, wie ich es mir vorgestellt habe. Aber ich wollte es halt ausprobieren. Ich lerne auch sehr viel dabei.

Sie sind ja beide Menschen, die auf der Bühne kreativen Freiraum brauchen, improvisieren Sie viel?
ZINNER: Es kann bei uns auch vorkommen, dass sich eine Nummer so einspielt, dass wir sie genau so wiederholen, aber der Bühnenabend selbst ist natürlich viel wichtiger als das Einstudierte. Wir bleiben auf jeden Fall spontan. Es zeichnet uns auch aus, dass wir das können. Es ist halt immer ein einmaliger Abend – und das merken die Leute auch.
RINGLSTETTER: Letzte Woche haben wir in Wien gespielt, da kamen nach der Show Leute, die haben gesagt: Das ist echt krass, dass ihr den ganzen Abend ohne Programm macht. Das stimmt natürlich nicht, aber ich finde es cool, wenn es so wirkt.

Sie touren beide mit ihren Soloprogrammen, der gemeinsame Abend ist aber nicht die Hälfte von jedem Programm, oder?
ZINNER: Überhaupt nicht, das fand ich schon immer komisch bei Kollegen, die ein Doppelprogramm machen, was dann nur ein zusammengeschustertes „Best of“ von beiden ist. Die meisten unserer Stücke sind neu und haben sich aus Festabenden in niederbayerischen Wirtshaussälen entwickelt.

Ist Österreich in für Sie einfacher als Norddeutschland?
ZINNER: In Norddeutschland war ich noch gar nicht. Das Nördlichste, wo ich je gespielt habe, war Düsseldorf. Und dann auch noch im Kom(m)ödchen, das ja ohnehin so eine Insel ist.
RINGLSTETTER: Norddeutschland geht schon, aber ich fühle mich in Österreich wohler, weil unsere Art, Humor zu produzieren, dem österreichischen doch viel näher ist. Wir machen weder politisches Kabarett noch klassisches bayerisches Typenkabarett, wir erzählen Geschichten.Stephan, hast Du das gewusst? Im Hinterhoftheater stand immer ein Schweinderl, da musste man 5 Mark reinschmeißen, wenn man einen Hausmeister auf der Bühne gespielt hat. Der Grünwald hat immer bezahlt, aber gerne.
ZINNER: Das habe ich nicht gewusst, aber ich bin eine Hausmeisternummer.
RINGLSTETTER: Ich habe viel im Norden gespielt, in Berlin beim Quatsch-Comedy-Club. Da kommt dann der Stand-Up-Comedian und haut alle dreißig Sekunden einen Gag raus. Bei uns kommt vielleicht nach zwei Minuten einer, wenn man Glück hat, und manchmal lachen die Leute, weil eben gar kein Gag kommt. Das ist einfach ein anderes Humortiming, was in Österreich sofort verstanden wird.

Ist der Circus Krone etwas Besonderes für Sie?
ZINNER: Das ist ein großartiger Saal, aber man muss sich ein bisschen umstellen, auch wenn wir uns schon ein bisschen an die Größe herangespielt haben.
RINGLSTETTER: Alle sagen, im Krone rieche es nach Elefantendung – und dann riecht man es tatächlich. Aber nur Backstage, nicht im Saal. Wenn man die Kleinbühnen kennt, wundert man sich immer, wie lange eine Reaktion im großen Saal dauert: Vorne kommt die Reaktion schon, aber es dauert, bis die Welle nach hinten geschwappt ist, da muss man das Timing ein wenig ändern. Die große Kunst ist, dass man es im Kopf beim Spielen trotzdem intim belässt.

Spüren Sie eine Erwartungshaltung der Leute?
ZINNER: Wenn ich jetzt denke, ich mache das Programm so, dass es funktioniert, weil ich weiß, was die Leute von mir erwarten, dann funktioniert das nicht. Für mich ist der Druck auch nicht größer geworden. Am Anfang, wenn Du so vor 30 Leuten spielst, die auch selbst denken, mei, da sind aber nicht viel Leute gekommen, ist das überhaupt was? Da ist der Druck groß.

Die Welt spielt politisch verrückt. Sind Sie froh, darauf nicht reagieren zu müssen, weil Sie nicht als politische Kabarettisten bekannt sind?
ZINNNER: Das ist aber keine Planung, denn ich war nie ein großer Fan vom politischen Kabarett, deswegen bin ich aber nicht unpolitisch. Ich habe auch alltagspolitische Bobachtungen im Programm, aber nicht die große politische Bühne. Ich bin noch nie in die Bredouille gekommen, dass ich jetzt sage würde: Mist, ich muss bis Montag noch Erdogan und Nordkorea ins Programm einarbeiten.
RINGLSTETTER: Ich finde auch nicht, dass sich die Welt besonders verändert, die Hysterie hat einfach zugenommen. Die Welt verändert sich immer, sie war auch vor zwanzig Jahren nicht klarer als jetzt. Das ist auch eine Wahrnehmungsfrage. Wir sind ja nicht deswegen flach, weil wir uns nicht nur um die Tagespolitik kümmern. Und dass wir eine Haltung haben, das bekommt das Publikum auch so mit. Was ich übrigens beim Stephan immer schon so gut fand, ist seine Art, vom Mikrokosmos in die große Welt zu gehen und nicht umgekehrt.


Zinner und Ringlstetter live im Circus Krone, Montag, 24. April, 20 Uhr

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