CSU-Stadtrat Marian Offman wird immer wieder von Neonazis attackiert – und zeigt weiter Mut.

 

AZ: Herr Offman, ist die rechte Szene in München derzeit mobiler als sonst?

MARIAN OFFMAN: Ich weiß aus den Daten, dass die Zahl der rechtsextremen Straftaten im vorigen Jahr erheblich angestiegen ist. Außerdem sind Neonazis und die Parteien „Pro Deutschland“ und die „Freiheit“ derzeit im Straßenbild sehr präsent mit Infoständen und Veranstaltungen

. Sie engagieren sich stark gegen rechte Umtriebe. So protestieren Sie etwa bei Veranstaltungen gegen die Partei „Freiheit“, die Unterschriften gegen die geplante Moschee sammelt. Sind Sie deshalb Angriffen aus der Szene ausgesetzt?

Keinen körperlichen Attacken, aber verbalen. Sobald ich an den Infostand der „Freiheit“ komme, stellt der Landeschef Stürzenberger mich vor als „jüdischen Stadtrat von der CSU“. Dann kommt immer die Argumentation: Wie könne ich als Jude für den Islam sein? Ich müsse doch an Israel denken. Vor Wochen hat er gesagt, ich trüge Mitschuld daran, dass Raketen von der Hamas israelische Kinder töten, wenn ich hier nicht massiv gegen den Islam agierte. Seine Leute vor Ort beschimpfen mich auch als „Verräter“.

Kennen Sie Michael Stürzenberger noch aus dessen Zeit als CSU-Pressesprecher?

Er war nur kurz in der CSU. Ich hatte zu dieser Zeit einen Fachausschuss Integration, in dem es auch viele CSU-Mitglieder islamischen Glaubens gab. Darin haben wir uns auch für die vom Stadtrat gewünschte Moschee ausgesprochen. Stürzenberger hat damals schon versucht, diese Treffen zu stören und seine Politik überlaut durchzusetzen. Wie heute.

Wie oft protestieren Sie gegen die „Freiheit“?

Fast jeden Samstag.

Warum tun Sie sich das eigentlich an?

Um zu zeigen, dass ich zu unserem Grundgesetz stehe. Und um zu zeigen, dass ich keine Angst vor denen habe. Der Neonazi Karl Richter hat mich im Stadtrat mal als „ängstlichen und jammernden Juden“ bezeichnet – ein Stereotyp, das schon zur NS-Zeit verwendet wurde. Das möchte ich widerlegen.

Fürchten Sie, das von der Freiheit initiierte Bürgerbegehren gegen das „Zentrum für Islam in Europa München“ könnte Erfolg haben?

Es darf grundsätzlich nicht sein, dass ein Bürgerbegehren gegen eine Religion betrieben wird. Mir selbst ist der Glaube wichtig, und ich bin der Meinung, dass die monotheistischen Weltreligionen weiter bestehen sollen in unserer Gesellschaft. Egal welche dieser Religionen angegriffen wird: Das ist dann auch ein Angriff auf die anderen Religionen.

Wie oft bekommen Sie Hass- und Schmähmails?

Immer dann, wenn über mich und mein Engagement in einem rechtspopulistischen Internetforum oder der Presse berichtet wird, trudeln diese Mails über zwei bis drei Tage ein. Pro Tag sind es bis zu fünf. Danach ebbt es wieder ab.

Was steht da drin?

Einer hat geschrieben, dass er mir in die Fresse schlagen will, wenn es so weit kommt, dass seine Kinder einen muslimischen Religionsunterricht besuchen müssen. Andere nennen mich einen Verräter, benutzen NS-Terminologie und verdrehen meine Argumente. Gerade habe ich auch ein Paket zugeschickt bekommen, in dem Pralinen waren – und Hassbeiträge über den Islam und Koran.

Die Pralinen sollten Sie wohl besser nicht essen.

Ich habe überlegt, ob ich sie an den Verfassungsschutz weitergebe. Ich bin sehr froh, dass der Stürzenberger vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Und ich bin dankbar, dass bei den Veranstaltungen immer eine Vielzahl an Polizisten ist, die ein hohes Maß an Sicherheit gewährleisten.

Wie stark belasten Sie die Schmähungen?

Das setzt mir schon zu, aber auf der anderen Seite bestärkt es mich darin, erst recht weiterzumachen. Angst habe ich keine. Ich gehe auch zu den Neonazi-Aufmärschen, obwohl mich die alle kennen.

Haben Sie die Hassmails an die Polizei weitergeleitet?

Die bedrohlichen und beleidigenden Mails schon. Die Polizei kann aber wohl wenig machen, weil die Mails oft an der Grenze zum Justiziablen sind.