Daniel Martínez ist Guardiola-Biograph. Im AZ-Interview verrät er, wie der Trainer tickt – und wie gnadenlos Pep Guardiola ist. Er beleuchtet die Fälle Ibrahimovic, Eto'o und Ronaldinho.

 

Daniel Martínez ist Kolumbianer. Der 45-Jährige schrieb die Biographie „Pep Guardiola – so geht moderner Fußball“ und betreibt den Blog „Fútbol alemán“.

AZ: Herr Martínez, Sie haben für Ihre Biographie „Pep Guardiola – so geht moderner Fußball“ viele Gespräche mit Weggefährten und Profis geführt, die unter dem früheren Barcelona-Coach gespielt haben. Wie kommuniziert der Bayern-Trainer intern mit seinen Spielern? 

DANIEL MARTÍNEZ: Nicht mehr als notwendig, wurde mir berichtet. Guardiola sei so ehrgeizig, dass er in jedem Gespräch etwas erreichen will. Oberflächlich bewerten sie ihn als sehr nett, doch im Hinterkopf habe er immer ein bestimmtes Ziel. Dabei trenne er Berufliches und Privates ganz strikt, privaten Kontakt lasse er kaum zu, da wolle er unerreichbar bleiben. Wenn er keine engere Bindung zu den Spielern eingeht, kann er sie auch einfacher fallen lassen.

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Wie vermittelt es Guardiola einem Spieler, wenn er mit dessen Leistung nicht mehr einverstanden ist?

Nicht direkt. Wenn er das Gefühl hat, mit einem bestimmten Spieler keinen Erfolg mehr zu haben, lässt er ihn „verhungern“. Der Fall Ibrahimovic ist ein gutes Beispiel.

Der Schwede kam 2009 zum FC Barcelona, da hatte Guardiola ein Jahr als Barca-Trainer hinter sich.

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Zlatan wollte der große Star sein. Doch neben Pep können keine großen Stars wachsen, wenn sie nicht ausschließlich auf dem Platz glänzen – siehe den braven Messi, da funktioniert es. Ein glamouröses Leben außerhalb des Fußballs akzeptiert Guardiola nicht. Es ist Tatsache, dass Ibrahimovic mehrmals den Kontakt gesucht hat, doch Pep ihn ignorierte. Es gab irgendwann kein persönliches Gespräch mehr. Zlatan war Luft für ihn, er hat ihn lediglich geduldet, immer seltener eingesetzt, weil er auch seiner Idealtypus eines Stürmers nicht entsprach – wie später auch Samuel Eto’o.

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Wie geduldig erklärt Guardiola, was er von seinen Spielern verlangt?

Er erteilt Anweisungen, sagt, was er von ihnen erwartet – ein Mal. Wenn die Profis es falsch machen, bekommen sie Korrekturen. Wenn Pep dann das Gefühl hat, dass dies nichts bringt und keinen Erfolg verspricht, lässt er den Spieler fallen – unabhängig davon, ob er ihn als Mensch charakterlich toll findet. Er ordnet alles dem Erfolg unter.

Er scheut nicht vor unpopulären Entscheidungen zurück.

Siehe Juni 2008. Bei seiner Vorstellung als neuer Barça-Trainer sortierte er die Superstars Ronaldinho, Eto'o und Deco aus – knallhart. Ronaldinho machte kein Spiel mehr, ging zu Milan. Übrigens: In der Öffentlichkeit spricht Pep immer nur positiv von seinen Spielern, selbst von dem, den er für den schlechtesten hält.