AZ-Interview mit Elisabeth Merk Das sagt die Stadtbaurätin zum neuen Hauptbahnhof

Kleiner, historischer – und vor allem ohne Turm (rechtes Bild): So stellt sich das Denkmalnetz den neuen Hauptbahnhof vor. Foto: Denkmalnetz Bayern/Auer und Weber/AZ

Was wird aus dem Neubau des Münchner Hauptbahnhofs? Stadtbaurätin Elisabeth Merk über die neuerlich aufgeflammte Bahnhofsdebatte und die Höhe des geplanten Büroturms.

München - Das Denkmalnetz Bayern hat Anfang der Woche einen Gegenentwurf zum viel kritisierten Neubau des Hauptbahnhofs gemacht. Die AZ hat mit Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) darüber gesprochen, was sie von dem Vorschlag hält.

AZ: Haben Sie sich den Gegenentwurf zum neuen Hauptbahnhof schon angeschaut.

Elisabeth Merk: Ja, klar.

Und wie gefällt er Ihnen?

Nicht sonderlich. Ich schätze das Denkmalnetz zwar sehr, ich finde auch gut, dass die sich mit solchen Planungen auseinandersetzen. Aber ich kann nicht erkennen, dass deren Vorschlag weniger wuchtig wäre als der Entwurf von Auer und Weber.

Dem Denkmalnetz geht es ja auch vor allem um den Erhalt von historischen Bestandteilen, den Bürklein-Bauten etwa oder dem Starnberger Flügelbahnhof.

Der Hauptbahnhof ist ein riesiger Bau, wo die Frage natürlich schon berechtigt ist: Hätte man mit so einzelnen Elementen nicht anders umgehen können?

AZ-Kommentar: Neuer Hauptbahnhof und Denkmalschutz - "München 21"

Und Ihre Antwort?

Ich muss sagen, wenn ich heute ganz neu vor der Aufgabe stünde, mich mit diesem Hauptbahnhof zu beschäftigen, könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass man einen Wettbewerb auslobt, der zur Aufgabe hat, auch mit solchen Zeitzeugen besser umzugehen.

 

Stahl und Glas für den neuen Hauptbahnhof

 

Sie wären also für deren Erhalt?

Wir waren kürzlich in London, da gibt es ein sehr prominentes Beispiel für einen Bahnhof, wo das sehr gut gelungen ist: King’s Cross. Da wurde ein recht gut erhaltener Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert überbaut und integriert in eine moderne Stahl- und Glasarchitektur. So etwas fände ich auch in München spannend.

Warum wird es dann nicht gemacht?

Wir haben es in München mit einem Bahnhof zu tun, der schon auch schöne Momentaufnahmen aus den 50er Jahren hat. Aber der Hauptbahnhof ist schon so oft umgebaut und überformt worden – vor allem in den 80er Jahren mit den Einbauten von Stahl und Glas – so dass man insgesamt nicht sagen kann, dass das eine Bahnhofsarchitektur ist, bei der es gerechtfertigt wäre, sie insgesamt eins zu eins zu erhalten.

Lesen Sie hier: Neuer Hauptbahnhof - Hässliches Hochhaus?

Auch den Bürklein-Anteil oder den Starnberger Flügelbahnhof nicht?

Der Bürklein-Anteil ist so klein und ja auch nicht mehr original. Als die Planung für den neuen Bahnhof 2002 begonnen hat, stand der Hauptbahnhof ja auch noch gar nicht unter Denkmalschutz – auch der Starnberger Flügelbahnhof nicht. Was unter Denkmalschutz stand, ist diese große, freitragende Halle über den Gleisen. Die wird ja auch erhalten.

Dem Denkmalnetz oder auch den Altstadtfreunden ist das zu wenig.

Ich akzeptiere, dass es Leute gibt, die sagen: Wir müssen den Versuch wagen, die Altbauten zu integrieren. Aber wir müssen auch eine hochschwierige Planung im Untergrund abwickeln. Jetzt kann man sich natürlich hinstellen, und sagen: Das darf keine Rolle spielen. Tut es aber. Der Bahnhof ist ein Ingenieursbauwerk, das sich mit extrem vielen Funktionen über mehrere Etagen in die Tiefe erstreckt. Da braucht es an der Oberfläche eine großzügige Linienführung, unter der alle nötigen Bauwerke geordnet werden können. Den Bürklein-Anteil so zu integrieren, wie es das Denkmalnetz vorschlägt, halte ich jedenfalls nicht für eine gute Strategie.

Also muss man bei den Planungen von Auer und Weber bleiben?

Ich sehe mich dem Stadtrat, der Bahn, aber auch Auer und Weber gegenüber schon verpflichtet, an den Planungen festzuhalten. Ich hielte es auch nicht für zielführend, die Debatte jetzt noch einmal aufzumachen. Kleiner wird der Bahnhof dadurch nämlich nicht werden, die Dinge müssen alle irgendwo untergebracht werden. Wo ich allerdings schon der Meinung bin, dass man darüber noch einmal diskutieren kann, ist die Qualität des Büroturms.

 

Stadtbaurätin über den Bahnhofs-Turm

 

Den Turm hält das Denkmalnetz auch für bedenklich.

Ich frage mich, warum sich mit den Planungen jahrelang niemand auseinandersetzen wollte. Wir haben ja viele Veranstaltungen gemacht, nicht erst in den vergangenen Monaten. In der Geschichte der Bahnhofsplanung hätte es jedenfalls deutlich bessere Momente gegeben, diese Bedenken zu äußern.

Sie sind also für den Turm?

Man muss natürlich schon die Auswirkungen bedenken, die ein solcher Hochpunkt hat. Beeinträchtigt er vielleicht das Altstadtensemble, werden Sichtachsen verstellt? Ich halte den Bahnhof allerdings für einen besonderen Ort, da kommt immerhin die ganze Welt an. Ein markantes Zeichen an dieser Stelle der Stadt, halte ich städtebaulich deshalb schon für wünschenswert. Ob der Turm dann wirklich 70 Meter hoch sein muss...

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... was für eine Höhe fänden Sie denn optimal?

Da über die genaue Meterzahl zu reden, das würde ich für eher kleingeistig halten. Ob der Büroturm jetzt 40, 50, 60 oder mehr Meter hat – da kommt es eher darauf an, wie man diesen Körper plastisch gut gestaltet. Vielleicht sind die Visualisierungen, die wir jetzt haben, da noch nicht überzeugend genug.

Da wird also noch dran gebastelt?

Natürlich, die Fassade zum Beispiel ist auch noch gar nicht beschlossen. Ich glaube allerdings nicht, dass wir den Hauptbahnhof behutsam weiterentwickeln können. Dazu sind die technischen Eingriffe, die wir da vornehmen müssen, schlicht zu massiv. Man muss sich jetzt einfach dazu bekennen, dass da eine große Infrastrukturmaßnahme ansteht

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