AZ-Interview Max Raabe: "Ein komischer Vogel"

„Der perfekte Moment“: Max Raabe mit Krähe. Foto: Gregor Hohenberg / Universal Music

"Der perfekte Moment" heißt die neue CD von Max Raabe. Aber für seine Tour hat er das Publikum gefragt, was ihm noch gefehlt hat.

Mit ihrem Programm "Das hat mir noch gefehlt" kommen Raabe und sein Palast Orchester Ende des Monats ins Gasteig – inklusive einiger Songs aus dem gerade erschienenen Album "Der perfekte Moment... wird heut verpennt".

AZ: Herr Raabe, sind Sie im falschen Jahrzehnt geboren oder hätte sich die Leidenschaft für Ihr Genre nicht entwickelt, hätten Sie in den 1920ern gelebt?
MAX RAABE: Ich kann heute wie ein Raubvogel über die gesamte Wiese der Kompositionen schweben und auf die Filetstücke niedersausen, die mir gefallen und in mein Nest holen. Ich habe das gesamte Kaleidoskop aller deutsch-, englisch-, französisch-, und italienischsprachigen Kompositionen aus den 20er, 30er-Jahren vor mir und suche mir aus, was mir gefällt. Diese Möglichkeit hätte ich damals nicht gehabt. Was hätte Ihnen damals besser gefallen als heute? Ich könnte sagen, die Autos gefallen mir ästhetisch gesehen besser, jedoch stinken die mehr und haben einen katastrophalen CO2-Haushalt. Aber ehrlich gesagt verreise ich lieber mit einem modernen Auto als mit einer alten, wenn auch eleganten, Kiste mit Kotflügeln.

Apropos elegant: Sie haben mal gesagt, Sie besitzen keine Jogginghose. Stehen Sie dann in Ihrem Frack in der Küche und bereiten sich eine Mahlzeit zu?
Der Frack ist meine Arbeitsuniform. Nach Konzerten bin ich ganz normal unterwegs, ich würde sagen ich habe mir einen mitteleuropäischen Kleidungsstil zugelegt. Trotzdem finde ich, Sportkleidung sollte man anziehen, wenn man Sport treibt. Und da ich nicht dauerlaufe, ziehe ich auch keine Dauerlaufhose an.

Ihre Texte sind humorvoll, Sie treten jedoch stets ernst auf. Kommt es mal vor, dass Sie lauthals losprusten müssen?
Oh, doch! Wenn irgendetwas passiert, bin ich der erste, der lacht. Ich habe wirklich viel Spaß und kann gut über mich selbst lachen. Auf der Bühne finde ich es allerdings merkwürdig, wenn Künstler über ihre eigenen Witze lachen. Das muss das Publikum schon von selbst tun, denn ich kann doch die Zuschauer nicht unter Druck setzen, indem ich mir auf die Schenkel klopfe.

Wer hat Sie in Ihrem Humor inspiriert?
Ich kenne das so aus meiner Verwandtschaft: Meine Onkel saßen mit ihren Anzügen und Westen immer sehr würdevoll am Kaffeetisch und haben aber den größten Blödsinn erzählt. Das fand ich wahnsinnig komisch. 2005 haben Sie auf der Hochzeit von Schockrocker Marilyn Manson gespielt, der sagte "Entweder Max Raabe und das Palast Orchester – oder gar keine Musik."

War das der kurioseste Auftritt Ihrer Karriere?
Am Ende dann doch gar nicht so sehr. Die Hochzeit fand in einem großen Schloss statt und das Publikum war zwar wahnsinnig schräg, jedoch auch wahnsinnig nett. Bis auf das ganze Drumherum hätte man meinen können, es sei eine Hochzeit in Westfalen gewesen.

Marilyn Mansons Hochzeit war wie eine normale Hochzeit in Westalen?
Ein bisschen wilder natürlich schon. Aber seine damalige Frau Dita von Teese war sehr liebenswürdig, und auch er selbst ist ein wahnsinnig sensibler Mensch, das war mir vorher schon klar. Darum hatten wir auch keine Bedenken, dahin zu gehen.

Was erwartet die Münchner Zuschauer am 24. November in der Philharmonie?
Der Titel des Programms "Das hat mir noch gefehlt" kommt von Willy Berking aus den 30er Jahren – und wir haben den Anlass dazu gefunden, das Publikum zu fragen, was sie denn mal wieder von uns hören möchten? Der Gedanke dahinter war, dass es vielleicht noch den einen oder anderen Schatz gibt, an den wir gar nicht mehr denken aber jemand aus dem Publikum den gerne mal wieder gespielt sehen möchte. Wir waren also sehr neugierig und haben das Ergebnis dann in unser Programm eingeflochten.

War da auch ein Song dabei, bei dem Sie sich dachten: "Oh nein!"?
Wir sprechen ja hier von einem Repertoire von über 500 Liedern. Ich hatte die Befürchtung, dass wir nach 15 Jahren wieder einmal "Kein Schwein ruft mich an" spielen müssen. Aber die größte Verblüffung war ein Titel, den wir in Deutschland noch nie aufgeführt haben – und zwar "La Mer" von Charles Trenet.

Was hätte Ihr 10-jähriges Ich zu dem heute 54-jährigen Max Raabe gesagt?
Was für ein komischer Vogel!


Max Raabe und sein Palast Orchester:

Freitag, 24. November, 20 Uhr,

Philharmonie, Karten unter 54 81 81 81, ab 50 Euro

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