AZ-Interview Hitzfeld: "Bei Goretzka musste Bayern einfach zugreifen"

"Transfers wie der von Goretzka passen zur Philosophie von Bayern", sagt Ottmar Hitzfeld (rechts). Foto: firo/Augenklick, dpa, AZ-Kombo

Ottmar Hitzfeld spricht im AZ-Interview über den Wechsel des Schalkers, über Jupp Heynckes und über die Chancen gegen Besiktas: "Undenkbar, dass der FC Bayern da nicht weiterkommt."

Ottmar Hitzfeld (69) trainierte den FC Bayern von 1998 bis 2004 und 2007 bis 2008. Dabei gewann er die Champions League (2001) und holte fünf Mal die Meisterschaft sowie drei Mal den Pokal.

AZ: Herr Hitzfeld, der FC Bayern trifft am Samstag auf Schalke 04 – und damit auch auf Leon Goretzka, den künftigen Münchner. Darf man Bayern zu diesem Deal gratulieren?
OTTMAR HITZFELD: Bei Goretzka musste Bayern einfach zugreifen. Das war ein hervorragender Schachzug. Man hat rechtzeitig Kontakt aufgenommen und Goretzka das Interesse signalisiert. Mit Goretzka macht man nichts falsch. Er hat sich schon in jungen Jahren zum Leistungsträger bei Schalke entwickelt. Er gehört zu den jungen, deutschen Spielern, die viel Hoffnung machen für die nächsten Jahre. Ich glaube, Deutschland hat noch nie eine solche Auswahl an hochbegabten, jungen Spielern gehabt.

Sie kennen Uli Hoeneß ja sehr gut. Sein Traum vom FC Bayern Deutschland scheint immer realistischer zu werden.
Transfers wie der von Goretzka passen zur Philosophie von Bayern. Ich sehe es positiv, dass viele junge, deutsche Spieler geholt werden. Diese Spieler haben langfristig eine andere Identifikation mit dem Verein.

Im Sommer stößt aus Hoffenheim dann auch Serge Gnabry zu den Bayern. Wie sehen Sie seine Perspektiven?
Bayern macht das sehr geschickt. Gnabry kann in Hoffenheim Spielpraxis sammeln und sich weiterentwickeln. Er wird bei Bayern ab dem Sommer eine Chance kriegen, im Kader Fuß zu fassen.

"Jupp Heynckes führt die jungen Spieler heran"

Wie bewerten Sie den Umbruch, der bei Bayern gerade schon stattfindet?
Man ist auf einem sehr guten Weg, was die Verjüngung des Kaders angeht. Jupp Heynckes macht es gut mit der Rotation, er gibt vielen Spielern Einsatzzeit. Und er führt die jungen Spieler heran wie Joshua Kimmich, Niklas Süle oder Kingsley Coman. Er schenkt ihnen viel Vertrauen.

Hat Coman die Voraussetzungen, um irgendwann das Niveau von Franck Ribéry und Arjen Robben zu erreichen?
Er entwickelt sich sehr positiv. Wenn Coman spielt, ist er immer sehr gefährlich. Aber er ist ein anderer Spielertyp als Ribéry und Robben. Man sollte die Spieler nicht immer vergleichen, jeder hat andere Stärken. Coman hat eine unglaubliche Schnelligkeit auf den ersten Metern. In diesem Punkt erinnert er natürlich schon an Ribéry und Robben, die ebenfalls enorm beschleunigen.

Apropos: Sollte Bayern noch mal verlängern mit Ribéry und Robben?
Es ist keine einfache Entscheidung. Ich finde, sie können auch in der nächsten Saison noch Leistung bringen auf Topniveau. Sie sind weiter außergewöhnliche Spieler. So viele Weltklasse-Spieler gibt es nicht auf dieser Position. Beide haben über Jahre bewiesen, dass sie zu den Besten der Welt gehören. Sie waren unglaublich konstant. Mein Gefühl sagt mir, dass beide noch ein Jahr dranhängen. Ich würde mich auf jeden Fall freuen. Beide sind Sympathieträger.

"Wagner hat sich über die Jahre hochgearbeitet"

Das gilt auch für Sandro Wagner, der aus Hoffenheim gekommen ist. Eine sinnvolle Verpflichtung?
Jupp Heynckes kann Robert Lewandowski jetzt auch mal schonen. Bei Bayern ist es wichtig, dass man zu jedem Zeitpunkt eine schlagkräftige Mannschaft hat. Auch wenn mal fünf oder sechs Spieler verletzt sind, muss man die Erwartungen erfüllen. Und das bedeutet: gewinnen. Man hat auf der Position im Sturmzentrum gehandelt, es ist jetzt einfacher für Heynckes. Wagner kennt das Umfeld, er ist in München groß geworden. Er hat also keine Probleme bei der Eingewöhnung. Mir gefällt außerdem seine positive Ausstrahlung. Wagner hat bei seinen Klubs bewiesen, dass er Qualität hat. Er hat sich über die Jahre hochgearbeitet.

Wie sehen Sie die Titelchancen der Bayern in der Champions League?
Top-Favorit sind die Bayern nicht, aber sie gehören zu den Mitfavoriten. Es kommt auch immer auf die Auslosung an. Im Viertelfinale kann es sein, dass es ein Hammerlos gibt. Bis jetzt war die Auslosung aber gut. Real und Paris sowie Barcelona und Chelsea treffen ja bereits im Achtelfinale aufeinander.

Kann gegen Besiktas im Achtelfinale überhaupt irgendwas schiefgehen?
Man muss vor jeder Mannschaft Respekt haben, auch vor Besiktas. Aber für mich ist es undenkbar, dass Bayern da nicht weiterkommt. Ich habe nicht den Eindruck, dass Bayern irgendeinen Gegner unterschätzt.

Uli Hoeneß versucht seit Monaten, Jupp Heynckes von einer weiteren Saison als Bayern-Trainer zu überzeugen. Nachvollziehbar, dass Hoeneß nicht locker lässt?
Es zeigt die Wertschätzung, die man Heynckes entgegenbringt. Es wäre ja ein Fehler, wenn man sich als Bayern nicht um eine Weiterbeschäftigung bemühen würde. Heynckes hat großartige Leistungen gebracht. Er hat das Umfeld beruhigt, viele Menschen bei Bayern glücklich gemacht, im Verein und auch bei den Fans. Er hat eine hohe Akzeptanz. Da werden die Bayern schon die richtige Lösung finden, die passende Option ziehen.

Sie waren insgesamt mehr als sieben Jahre Bayern-Trainer. Was ist die wichtigste Qualität, die man für diesen Job haben muss?
Das Wichtigste für einen Trainer sind die Fachkompetenz und die Persönlichkeit. Sprache und Kommunikation sind ebenfalls wichtig. Auch als ausländischer Trainer kann man bei Bayern großen Erfolg haben – das hat Pep Guardiola gezeigt.

Lesen Sie hier: Lewy fordert - Keinen Druck auf Heynckes machen

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