AZ-Interview Frenzel: "Fahnenträger? Es gibt nichts Schöneres"

, aktualisiert am 09.02.2018 - 09:14 Uhr
"Ich bin wieder in der Spur und kann den Kampf um die Medaillen aufnehmen", sagt Eric Frenzel, der am heutigen Freitag bei der Eröffnungsfeier in Pyeongchang die deutschen Athleten anführt. Foto: Georg Hochmuth/APA/dpa

Eric Frenzel, der Superstar der Kombinierer, trägt bei der Eröffnungsfeier in Pyeongchang die deutsche Flagge. In der AZ spricht er über diese Ehre, die Olympischen Spiele und Völkerverständigung.

Der nordische Kombinierer Eric Frenzel (29) holte bei Olympischen Spielen bisher jeweils ein Mal Gold, Silber und Bronze. Zudem ist er fünfmaliger Weltmeister. Bei den Spielen in Pyeongchang ist er der deutsche Fahnenträger.

AZ: Gratulation, Herr Frenzel, was bedeutet es Ihnen, dass die Wahl des Fahnenträgers auf Sie gefallen ist? Und haben Sie bei der starken Konkurrenz mit Claudia Pechstein, Natalie Geisenberger oder Viktoria Rebensburg eigentlich damit gerechnet?
ERIC FRENZEL: Ich bin einfach überglücklich. Olympia ist ein wahrer Mythos. Als amtierender Olympiasieger werde ich die deutsche Mannschaft bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele hier in Südkorea in das Stadion führen. Es gibt nichts Schöneres.

Ist dies auch eine Auszeichnung für Ihre Sportart? Es gab ja auch zuletzt beeindruckende Werbedeals für Sie...
Wenn Sie so wollen, wird das bestätigt, was als Trend über die letzten Jahre Bestand hat. Die Kombination hat immer mehr Anerkennung bekommen. Die Einschaltquoten haben sich stetig gesteigert, das Bewusstsein bei den Zuschauern hat sich zugunsten unserer Sportart gewandelt. Ein Kombinierer wird Sportler des Jahres, ein anderer Kombinierer wird nun Fahnenträger. Ja, auch in der werbenden Wirtschaft sind wir erfolgreicher. Mein Manager ...

... Stephan Peplies.
Genau. Er hat kurz vor den Olympischen Spielen meinen Auftritt in einer weltweiten Kampagne für Omega-Uhren verhandelt, in Japan bin ich in einem TV-Spot für eine japanische Bank mit meinem Freund Akito Watabe zu sehen. Ja, das hat alles eine ungeheure Dynamik bekommen.

Wie sind denn Ihre Erinnerungen an die Eröffnungsfeiern der Spiele, bei denen Sie dabei waren? Welche Eindrücke nimmt man mit und mit wie viel Stolz schaut man da als Athlet auf den Fahnenträger?
Die Eröffnungsfeier ist ein buntes, teilweise atemberaubendes Fest mit unglaublichen Choreographien. Aber es ist mehr, es ist das feierliche Einziehen der Athleten, die sich in den nächsten Tagen miteinander messen werden, den olympischen Eid schwören; damit beginnt der Mythos Olympia.

Wie wichtig ist der völkerverbindende Gedanke von Olympia in diesen schwierigen Zeiten?
Sehr! Nord- und Südkorea bilden in bestimmten Sportarten Teams, vor dem Hintergrund der Anspannungen ist das für mich ein schönes Zeichen. Wer miteinander antritt, kann gar nicht so verfeindet sein, oder? Olympische Spiele verbinden in der Tat Völker.

Frenzel: "Ich bin wieder in der Spur"

Können Sie die spezielle Faszination von Olympia erklären? Was ist der Unterschied zu anderen Wettkämpfen – etwa Weltmeisterschaften?
Man lebt im olympischen Dorf, schaut sich neben seinen Wettkämpfen die Bewerbe anderer Sportarten an, was im Weltcup ja so nie stattfindet. Die olympischen Rituale wie Eröffnung, Abschlussfeiern, Siegerehrungen sind besondere Elemente. Die Geschichte und der Mythos von Olympischen Spielen sind ein schöner, besonderer Rahmen für die spannenden Wettkämpfe. Einfach wunderbar.

Was erwarten Sie sich ganz persönlich von diesen Olympischen Spielen?
Ich bin wieder in der Spur und kann den Kampf um die Medaillen auf Augenhöhe mit den Führenden im Gesamtweltcup aufnehmen. Es lief ja im Weltcup nicht so gut für mich. Mittlerweile wissen wir, woran das lag. Die Muskeln um beide Knie waren verklebt und haben so nicht mehr richtig gearbeitet. Ich konnte die Anfahrtshocke auf der Schanze nicht mehr in den tiefen Sitz bekommen. Das war der Grund für wenig Weite. Die Verklebungen wurden dann bei dem Potsdamer Spezialisten Dieter Lazik gelöst. Danach konnte ich wieder tief ansitzen, was sofort bessere Sprungergebnisse nach sich zog. Zugleich bin ich auf meine alte Bindung am Sprungski umgestiegen. Beim Lehrgang in Oberstdorf konnte ich dann wieder die Sprünge zeigen, die notwendig sind, um in der Weltspitze mitzuhalten. Die Norweger sind gegenwärtig sehr stark, auch mein Freund Akito Watabe will mit aller Macht auf das Podest, aber ich werde zum ersten Mal in dieser Saison richtig dagegenhalten können. Es wird ein spannender Fight werden! Ebenso in der Staffel, die wir gewinnen wollen!

Wie sehr freut man sich auch auf das Land Südkorea?
Ich habe zu Asien eine ausgesprochene Affinität, ich freue mich auf die Südkoreaner, die ich immer als sehr friedliche und höfliche Menschen kennen gelernt habe.

Lesen Sie hier: Quali-Sieg - Skispringer Wellinger untermauert Medaillen-Anspruch

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