AZ-Interview EHC-Star Aucoin und der Meister-Kater

Keith Aucoin, mittlerweile beim EHC, spielte in der Vergangenheit in der amerikanischen Eishockey-Liga NHL. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der 38-Jährige vom EHC München ist momentan der Topscorer in der DEL. Vor dem Duell gegen Nürnberg spricht er in der AZ über Motivation, Massagen und die Angst um einen Freund in Las Vegas.

München - Die AZ hat mit Keith Aucoin gesprochen. Der Ex-NHL-Star (38) wechselte 2015 zum EHC München, mit den Red Bulls holte er jeweils den Titel. Am Freitagabend (19:30 Uhr) geht es für den EHC zum Duell mit Spitzenreiter Nürnberg.

AZ: Herr Aucoin, am Freitag geht es für Sie mit dem EHC gegen die Nürnberg Ice Tigers, die im Moment von der Tabellenspitze auf die Konkurrenz und damit auch München herunterblicken können.
KEITH AUCOIN: Ja, und das wollen wir ändern. Nürnberg ist eine sehr starke Mannschaft, vor allem in der Offensive. Wir dürfen sie nicht mit unseren Fehlern füttern, sonst schlagen sie unbarmherzig zu.

Ihr Teamkollege Yannic Seidenberg hat gerade erst konstatiert, dass der EHC in dieser Saison noch nicht in der Form der beiden vergangenen Meister-Spielzeiten ist, dass die Konstanz fehlt. Widerspruch?
Nein. Er hat recht. Wir haben es bisher in erst wenigen Spielen geschafft, wirklich über 60 Minuten unser Spiel aufzuziehen und dem Gegner aufzuzwingen. Mal verschlafen wir den Start, mal lassen wir den Gegner am Ende wieder vollkommen unnötig ins Spiel zurückkommen. Wir wissen, wir müssen besser spielen. Da führt kein Weg dran vorbei. Am besten fangen wir am Freitag damit an. Denn wenn wir unser Spiel wirklich durchziehen, dann kann uns kaum je- mand standhalten. Aber wir haben jetzt schon öfter, als es uns lieb war, erfahren müssen, dass es bestraft wird, wenn wir nachlassen.

Coach Don Jackson nannte es eine Frage der Motivation. Ist es schwer, sich zu motivieren, wenn man zwei Mal hintereinander den Titel geholt hat?
Ich denke, dass man nach einer gewonnenen Meisterschaft schon mal zum Anfang der nächsten Saison ein bisschen einen Kater hat. Aber wie der Coach sagte, es ist eine Motivationssache. Und damit eine Einstellungssache. Und damit ist es korrigierbar. Das ist das Gute. Und wir arbeiten schon hart daran, es zu korrigieren. Wir sind eben keine unzerstörbaren Maschinen, die gewinnen, was auch immer passiert. Wir sind gut, aber wir müssen auch dafür kämpfen, alles in die Waagschale werfen. Das ist der einzige Weg, der Erfolg garantiert. Und es ist auch unser Weg. Das war er, seit ich hier bin, das wird er wieder sein.

Das Duell München gegen Nürnberg ist auch das Duell der besten Torjäger der DEL-Historie: Michael Wolf gegen Patrick Reimer.
Ja, die beiden sind fantastische Spieler. Sie sind sich sehr ähnlich. Egal wo sie sich auf dem Eis befinden, sie sind immer für ein Tor gut. Wer sie jemals aus dem Auge lässt, wird das definitiv bereuen, denn sie bestrafen dich mit Treffern. Wolf ist ein fantastischer Spieler, er hat alles, was man braucht. Ich denke, dass er, wenn er in Nordamerika aufgewachsen wäre, eine sehr gute Chance gehabt hätte, es in die NHL zu schaffen. Er hat das Können, das Talent, die Einstellung.

Schade, dass das Thema für ihn mit seinen 36 Jahren durch ist. Sie selbst sind sogar 38. Springen Sie in den Jungbrunnen – oder wie halten Sie sich mental und physisch fit?
Das Mentale ist nicht das Problem, ich tue das, was ich liebe. Ich darf den Job, von dem ich als Kind geträumt habe, mit 38 immer noch ausüben. Der physische Teil ist schwieriger. Mein Körper braucht immer mehr Massagen. Aber ich habe das Glück, dass ich das Gespür dafür habe, wann ein Check kommt. Ich spüre, dass etwas kommt, bevor es einschlägt, daher hat mein Körper in meiner Karriere nicht so viel abgekriegt wie der von anderen Spielern in meinem Alter.

War es eigentlich leicht für Sie und Ihre Familie, sich in München einzuleben?
Eigentlich schon. Hier spricht jeder Englisch. Ich war ja davor ein Jahr in der Schweiz, da war das ganz anders, da haben wir uns nicht so integriert gefühlt. Hier ist das anders.

Trotzdem werden Sie als Amerikaner wahrscheinlich gebannt vor dem Fernseher gesessen sein, als die Bilder von dem Massenmord in Las Vegas um die Welt gingen.
Natürlich. Ich war auch schon in Las Vegas, kenne die Gegend rund um den Tatort. Es war furchterregend. Speziell, weil ich wusste, dass ein guter Freund von mir in Las Vegas ist. Ich habe mir große Sorgen gemacht. Zum Glück hat er am nächsten Tag auf meine Nachricht geantwortet. Aber es war schrecklich. Er war im Hotel gleich daneben, hat alles mitangehört. Es ist eine furchteinflößende, verrückte Welt da draußen.

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