AZ-Interview Dominik Krause: "Wenn Nazis sowas sagen, gibt es einen Aufschrei"

Das Eine-Welt-Haus an der Schwanthalerstraße. Foto: AZ-Montage/AZ-Archiv/privat

Immer wieder gab es den Vorwurf, dass das Eine-Welt-Haus Gruppen Raum biete, die antisemitisch seien. Jetzt verlassen langjährige Unterstützer das Haus.

München - Hier organisiert sich auch der Verein "Salam Shalom", dem vorgeworfen wird, bei seinen Veranstaltungen zum Nahost-Konflikt antisemitische Thesen zu verbreiten. Grünen-Stadtrat Dominik Krause erklärt, warum er den Beirat des Hauses verlässt. Er ist seit 2014 Grünen-Stadtrat und gehört zum linken Parteiflügel.

AZ: Herr Krause, ist das Eine-Welt-Haus ein linkes Projekt?
DOMINIK KRAUSE: Es ist auf jeden Fall einer der wenigen links-alternativen Räume, die es in der Stadt noch gibt. Und es ist gut, dass es das Eine-Welt-Haus gibt. Nur heißt das nicht, dass man sich nicht mit antisemitischen Äußerungen von Mitgliedern auseinandersetzen sollte.

Viele linke Projekte haben sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Warum halten Sie das hier nicht mehr für möglich?
Man tut sich in vielen linken Häusern schwer. Man ist eben sehr kritisch mit Regierungen, traditionell auch mit der israelischen. Aber es werden hier viele Grenzen überschritten, bei denen man nicht mehr sagen kann: Das ist eine legitime Kritik, die selbstverständlich möglich ist. Es geht um Antisemitismus.

Wo wurden Grenzen überschritten?
Wenn gesagt wird, die jüdischen Opferzahlen im Holocaust werden übertrieben, um den Juden in Amerika Geld zu bringen. Oder wenn dem demokratischen jüdischen Staat das Existenzrecht abgesprochen und von der zionistischen Weltverschwörung schwadroniert wird. Wenn das Neonazis sagen, gibt es einen Aufschrei und klare Konsequenzen.

Und wenn das im Eine-Welt-Haus gesagt wird?
Dann gelten solche Aussagen für viele plötzlich als eine differenzierte Kritik, weil Antisemitismus, solange er nicht von Nazis kommt, leider nach wie vor weit verbreitet ist. Es handelt sich bei den Beispielen übrigens nicht um Einzelfälle. Aus Reihen des Vereins Salam Shalom und eingeladener Referenten gab es unter dem Deckmantel einer Kritik an israelischer Politik immer wieder antisemitische Aussagen. Das darf nicht sein.

Erhoffen Sie sich durch Ihren Abgang einen Kurswechsel?
Wir hatten im Beirat eine Empfehlung ausgesprochen, dem Verein bis zu einer klaren Distanzierung keine Räume mehr zur Verfügung zu stellen. Später gab es noch den Kompromissvorschlag, das zumindest für sechs Monate zu beschließen. Der Beirat hat Äußerungen als klar antisemitisch angesehen.

Aber?
Aber die Mitgliederversammlung hat beschlossen, ihnen weiter Räume zu geben.

Fürchten Sie, mit Ihrem Abgang jene zu stützen, die das Eine-Welt-Haus abwickeln wollen?
Ja, die CSU hat – übrigens mit den Stimmen der SPD – erst vor Kurzem das Haus mit der Roten Fahne geschlossen und sich offen darüber gefreut, ein linkes Projekt zu schließen. Aber dem gebe nicht ich Wasser auf die Mühlen.

Sondern wer?
Diejenigen, die sich weigern, sich mit Antisemitismus auseinanderzusetzen, und sogar den Kompromiss verweigert haben.

Was ist der Ausweg?
Den sehe ich gerade nicht, deswegen verlasse ich den Beirat.


Asyl-Aktivisten: Warum die Karawane weiterzieht

Nicht nur Dominik Krause geht. Gestern Abend erklärte auch CSU-Stadtrat Marian Offman, den Beirat des Eine-Welt-Hauses zu verlassen. Als Grund nannte er "unerträglichen Antisemitismus" im Eine-Welt-Haus.

Und auch die Flüchtlings-Unterstützer der Karawane gehen. Sie waren mehr als zehn Jahre Mitglied im Trägerkreis, trafen sich wöchentlich dort.

Die Gruppe problematisiert, dass der Verein "Salam Shalom" Fördermitglied bleiben darf und Räume bekommt, kritisiert in einer Erklärtung aber auch "die Haltung" weiterer Mitgliedsgruppen im "Umgang mit Antisemitismusvorwürfen".

Die Gruppe betont, dass sie das Haus weiter für "unschätzbar wervoll" halte und es vor "Angriffen von der Stadt und konservativen Politikern" geschützt werden müsse. Dem Vernehmen nach will sie sich d künftig im "Bellevue di Monaco" treffen.

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