AZ-Interview CSU-Mann Peter Ostenrieder: Schwul und schwarz

Peter Ostenrieder (41) kandidiert auf Platz 31 der Oberbayern-Liste für den Landtag. Er ist CSU-Fraktionschef im Gemeinderat in Peiting. Foto: ho

Peter Ostenrieder könnte der erste offen schwule CSU-Abgeordnete im Landtag werden. Die AZ hat vor der Wahl mit ihm gesprochen.

 

AZ: Herr Ostenrieder, Sie könnten der erste CSU-Landtagsabgeordnete werden, der offen schwul lebt. CSU und Homosexualität – das passt für Sie zusammen?

PETER OSTENRIEDER: Ja! Ich würde mich übrigens freuen, wenn man nicht homosexuell sagt, sondern schwul.

Warum?

 

Homosexuell hört sich so wissenschaftlich an, wie ein technischer Begriff. Schwul ist dagegen menschlich.

Gut, dann die Frage: Passt schwarz und schwul sein für Sie zusammen?

Das widerspricht sich gar nicht. Es ist nur eine Frage der Gewichtung. Ich trete für dieselben Ziele wie die CSU ein. Der familiäre Bereich ist nur ein Baustein in der CSU-Politik – und selbst dort werden ja andere Lebensformen berücksichtigt. Sie werden in keiner Partei einen Politiker finden, der in allem mit der Partei hundertprozentig übereinstimmt. Wirtschaft, Finanzen, Bildung – diese Themen sind für die Bevölkerung viel wichtiger als die Frage, welche Sexualität man hat.

Trotzdem ist es Ihr CSU-Generalsekretär Dobrindt gewesen, der Schwule zuletzt als „schrille Minderheit“ bezeichnet hat. Sind Sie schrill?

Ich würde mich nicht als schrill bezeichnen. Und viele meiner Freunde auch nicht.

Schmerzt Sie so etwas?

Natürlich schmerzt das in dem Moment. Daher habe ich auch das Gespräch mit Alexander Dobrindt gesucht. Das Thema ist für uns erledigt. Ihm ist einfach der verbale Gaul durchgegangen. Er hat mir versichert, dass es nicht als Beleidigung gedacht war. Und das nehme ich ihm ab, weil ich ihn lange kenne. Mein Freund und ich waren sogar auf seiner Hochzeit.

Angela Merkel hat im TV gerade noch mal Vorbehalte gegen ein Adoptionsrecht für Schwule und Lesben geäußert. Wie stehen Sie dazu?

Wenn zwei sich liebende Menschen einem Kind eine Heimat geben wollen, dann sollte man ihnen die Chance dazu geben. Ich bin sicher, das wird kommen. Studien zeigen, dass es Kindern nicht schadet, bei Schwulen oder Lesben aufzuwachsen. Warum auch?

Merkel argumentiert aber genau mit dem Kindswohl. Haben Sie nie Zweifel, in der richtigen Partei zu sein?

Ich komme unterm Strich zu dem Ergebnis, dass ich in der CSU richtig bin. Ich kann nicht von jedem erwarten, dass er denkt wie ich. Und Frau Merkel erwartet auch nicht, dass jeder denkt wie sie.

Wollen Sie im Landtag insbesondere schwule Themen vertreten?

Ich sehe mich nicht als Schwulenrechtler, obwohl ich schwul bin. Genauso wenig wie sich Angela Merkel als Frauenrechtlerin sieht, obwohl sie Frau ist. Der Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Lage im ländlichen Raum. Es darf nicht alles in die großen Städte abwandern, das Land darf nicht hinten runter fallen.

Kennen Sie andere in der CSU, die ihr Schwulsein nicht so offen leben?

Sie verzeihen mir wahrscheinlich, wenn ich dazu nichts sage. Was ich aber sagen kann: Die CSU wird immer so dargestellt, als hätte man in ihr als Schwuler keine Überlebenschance. Und das nehme ich seit vielen Jahren anders wahr.

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