AZ-Hintergrund Wieso es bei M94.5 vs Rock Antenne nur Verlierer gibt

Münchner Radio-Duell M94.5 gegen Rock Antenne: Am Ende gibt es nur Verlierer. Foto: dpa

Eigentlich sollte man meinen, dass es ein gutes Zeichen sei, wenn sich in der festgefahrenen bayerischen Radiolandschaft etwas bewegt. Dass nun aber dem Münchner Ausbildungssender M94.5 die Abschaltung droht, sorgt eher für Entsetzen, als für Freude.

München - Seit 20 Jahren ist M94.5 Ausbildungsstätte, Spielwiese und Experimentallabor junger Nachwuchs-Moderatoren, Nachrichtensprecher und Redakteure. Zahlreiche Stimmen, die man aus dem Radio kennt, haben dort das richtige Sprechen gelernt. Erst vor wenigen Monaten, im Sommer 2016, waren die Politik und die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) beim 20. Geburtstag des Ausbildungskanals daher voll des Lobes für dessen unschätzbare Verdienste um den Journalisten-Nachwuchs. Warum also jetzt die Kehrtwende?

Das Problem: Radioempfang wie Anno dazumal

Das Problem liegt in den mittlerweile fast schon antiquarischen Sendestrukturen des deutschen Radios: Während in anderen Ländern seit Jahren flächendeckend digital gefunkt wird, empfängt der deutsche Hörer sein Programm auch im 21. Jahrhundert noch so, wie es schon im 19. verbreitet wurde: Über Radiowellen, die von einem Sender ausgestrahlt und einer klassischen Antenne aufgefangen werden. Das Problem dabei ist, dass die Anzahl der Frequenzbänder, auf denen man so senden kann, sehr limitiert ist. Wenn zwei Sender auf benachbarten oder gar gleichen Frequenzen senden, überlagern sich die Signale und beim Empfänger kommt nichts mehr an.

Deshalb gibt es in Deutschland so gut wie keine bundesweiten Sender und immer nur wenige überregionale. Denn die Frequenzen werden oft  für ganz enge lokale Gebiete vergeben. So empfängt man beispielsweise auf der 100,4 bei Aschaffenburg Radio Primavera, am Ammersee hingegen sendet auf dieser Frequenz BR Klassik. Eben weil diese Frequenzen so limitiert sind, sind in Deutschland seit Jahrzehnten alle Bänder längst vergeben. Wer also mit seinem Sender in ein neues Empfangsgebiet expandieren will, kann das nur, wenn eine vorher belegte Frequenz frei wird. Also entweder, wenn ein Sender Pleite geht, oder wenn er die Lizenz für diese UKW-Frequenz entzogen bekommt.

Ist die Rock Antenne plötzlich BLMs Liebling?

Damit wären wir dann bei der Rock Antenne. Das kleine Schwesterchen des großen Antenne Bayern war jahrelang nur in Augsburg per UKW empfangbar, dann folgten (nach der Pleite eines Lokalsenders) Erding, Freising und Ebersberg rund um München. Der Weg in die Landeshauptstadt selbst blieb der Rock Antenne jedoch stets versperrt. Die Verantwortlichen des Senders bemühen sich zwar seit Jahren um neue Frequenzen in größeren Städten, aber selbst wenn etwas frei wurde, wurden sie meistens mit Verweis auf die überregionale Frequenz des "Mutterschiffs" Antenne Bayern übergangen. Eigentlich kam die Rock Antenne bislang immer nur dann zum Zug, wenn niemand anders eine Frequenz haben wollte.

Umso erstaunlicher ist es, dass die BLM nun anscheinend ihren Rock-Antenne-unfreundlichen Kurs komplett umkehrt und dem Sender nicht nur eine Frequenz im gefragtesten Ballungsraum des Freistaats geben will, sondern auch bereit ist, dafür auch einen anderen, bestehenden Sender zu opfern.

 

München bräuchte beide Sender!

Und genau das ist der Kern des Problems: Die Rock Antenne und M94.5 sind sich gewissermaßen ähnlich. Beide Sender spielen Musik abseits des üblichen "Die besten Hits der 80er, 90er und der heißeste Scheiß von heute"-Gedudels und beide werden in Zeiten des komplett durchgeplanten Formatradios erfrischend locker, wenn nicht teilweise sogar regelrecht anarchisch, gestaltet. Beide sind eine Bereicherung für die im wahrsten Sinne des Wortes eintönige Radiolandschaft.

Dass es nun auf ein "Duell" dieser beiden Sender hinausläuft, kann am Ende nur zu zwei Verlierern führen: Sollte M94.5 seine Frequenz verlieren, wäre der Sender für den Großteil der Münchner nicht mehr empfangbar und würde vermutlich über kurz oder lang vor dem endgültigen Aus stehen. Mit ihm ginge dann auch eine der wichtigsten Ausbildungsstätten der Branche verloren. Sollte der Sender seine Frequenz hingegen behalten dürfen, würde die Leidensgeschichte der Rock Antenne weitergehen und ihr wohl auch die nächsten Jahre der Sprung nach München verwehrt bleiben.

Eigentlich bräuchte München beide Sender. Und dass dies heute nicht möglich ist, liegt am Versagen der Politik und der großen Funkhäuser, die es bis heute nicht geschafft haben, den völlig anachronistischen UKW-Empfang durch DAB+ zu ersetzen. Ursprünglich hätte die Ultrakurzwelle schon 2010 abgeschaltet und durch den Digitalfunk DAB ersetzt werden sollen. Der bietet nicht nur ein Vielfaches an Frequenzen, sondern zugleich auch noch bessere Audio-Qualität. Aber mittlerweile ist bereits die Weiterentwicklung DAB+ im Einsatz und von einem Termin für die UKW-Abschaltung längst ist keine Rede mehr. Dass nun die beiden Radiosender M94.5 und Rock Antenne im Kampf um eine der wertvollen UKW-Frequenzen gegeneinander antreten müssen, ist eine direkte Folge dieser Inkonsequenz und zugleich eine Bankrotterklärung für den Radiostandort Bayern.

 

JETZT LESEN

7 Kommentare