AZ-Filmkritik "Happy Family": Eine ganz normale Familie

, aktualisiert am 24.08.2017 - 09:46 Uhr
Die Familie Wünschmann nach der Verwandlung. Foto: Warner

Auf Augenhöhe mit den US-Animationsfilmen: "Happy Family" von Holger Trappe erzählt actionreich, witzig und modern von Familienpsychologie.

Im Animationsfilm – ohne Zwang zum Realismus – ist alles möglich. Man kann Tiere sprechen und Feen zaubern lassen. Und doch ist auch der Animationsfilm Regeln unterworfen, damit er funktioniert: Er muss seine Fantasiefiguren mit nachvollziehbaren Gefühlen ausstatten, Unsicherheit und Angst ebenso glaubhaft vermitteln wie Freude und Aufgeregtheit.

Das ist Regisseur Holger Tappe ("Die Konferenz der Tiere") in seinem "Happy Family" vorbildlich bildhaft gelungen in der Familiengeschichte, von David Safier, der auch die gleichnamige Buchvorlage dazu lieferte: zwischen Coming of Age und Midlifecrisis.
Hier muss eine Art "Erika Mustermann" als Familienmutter und berufstätige Ehefrau alle Bälle in der Luft halten. In "Happy Family" heißt sie Emma Wünschmann und versucht ihren kriselnden Buchladen, den Haushalt, zwei motzige Teenie-Kinder und einen überarbeiteten Schluffi-Ehemann zu organisieren. Bis sie gefrustet ist, dass sie sich für die anderen aufarbeitet und außer pampigen Pubertier-Sprüchen nichts zurückkriegt.
Einfach abhauen?! Da kommt ein reicher Gentleman-Graf gerade recht, der Emma umgarnt und ihr das Gefühl gibt, schön, gewollt und einzigartig zu sein.

Und hier sind wir schon mitten in der Geschichte, denn zuvor ist die Familie Wünschmann durch einen Zwischenfall auf einer Kostümparty verwunschen worden: Aus der Teenietochter ist eine Mumie geworden, der nerdige Schlauberger-Sohn bekam ein werwölfisches Aussehen und der schlaffe Ehemann

Frank wurde zu Frankensteins Monster. Die drei Familien-Schreckgestalten sind hilflos ohne Mutti, die sich ein Herz fasst und die Familie aus dem Rausch der Verwandlung retten will – und das sehr actionreich! Denn der böse Drahtzieher, Graf Dracula, eine Mischung aus Batman und transsilvanischem James Bond, ist hinter der flüchtenden Familie her.
So vereint "Happy Family" witzige Familienpsychologie und knallige Krawallszenen, die in perfektem Animationslook wirken, wie das US-Vorbild von Pixar "Die Unglaublichen". Da gehts auch um die Midlifecrisis des Patriarchen. Das deutsche Animationsstudio Ambient Entertainment (siehe Interview) ist da aber noch einen Emanzipationsschritt weiter gegangen: Krise muss es für beide Geschlechter geben und "Happy End" auch.


Kino: Cinemaxx, Solln, Leopold, Royal, Mathäser (auch 3D) Regie: Holger Tappe (D, 93 Min.)

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