AZ-Filmkritik "Fifty Shades of Grey"-Teil 3: Kommerzielle Lieblosigkeit

Über den Dächern von Paris: Christian (Jamie Dornan) und Ana (Dakota Johnson) haben geheiratet und sind in den Flitterwochen. Foto: UPI

Verlustängste und Sex im Regen: Erwartbar öde beendet Regisseur James Foley die "Fifty Shades of Grey"-Trilogie.

Nicht profan über die Türschwelle trägt er seine Angetraute, sondern die Gangway hinauf zum Privatjet – so wie sich das für einen frisch vermählten Milliardär gehört.

Dort, wo andere romantische Unterhaltungsfilme aus guten Gründen aufhören, beginnt Teil 3 von "Fifty Shades of Grey": mit der Traumhochzeit der beiden amourösen Probanden. Die schwierige Kennenlernphase der verhuschten Studentin Anastasia Steele (Dakota Johnson) und des adretten Unternehmers Christian Grey (Jamie Dornan) hatte E.L. James Romanfolge Rekord-Auflagen und den ersten beiden Filmteilen ein Einspielergebnis von 952 Millionen Dollar beschert.

Mit einer ausgewogenen Mischung aus Jane-Austen-Romantik und einer Prise de Sade sorgte die sadomasochistische Erotikschnulze für das notwendige popkulturelle Prickeln. Nun geht es in die Endrunde – und nach der Trauung auch in die Mühen der ehelichen Ebene.

Fließende Grenzen zwischen Beschützerinstinkt und Überwachung

Denn auch mit Trauschein geriert sich Christian als übereifersüchtiger Gemahl, dessen Verlustängste die zur selbstbewussten Frau gereiften Ana immer wieder einengen. Die Grenzen zwischen Beschützerinstinkt und Überwachungswahn sind fließend. Solche Probleme wollen tapfer ausdiskutiert oder später im "Spielzimmer" mit Handschellen und Fußfesseln erotisch verarbeitet werden. Aber schon bald stellt sich heraus, dass Christians manische Sorge auch ihre kriminalistische Berechtigung hat.

Anas früherer Vorgesetzter (Eric Johnson), der wegen sexueller Belästigung vom Verlag gekündigt wurde, tritt einen Rachefeldzug an. Äußerst hilflos wirkt dieser unmotivierte Crime-Plot, der nur dazu dient, das moderat vor sich hin kriselnde Paar wieder fest zusammen zu schweißen.

Solche therapeutischen Fremdeinwirkungen haben die beiden nötig. Denn kaum sind die Flitterwochen absolviert, kommt auch schon die Kinderfrage. "Ich bin noch nicht bereit dich zu teilen – mit niemandem" sagt Christian und versucht die Angelegenheit in weite Ferne zu rücken. Schließlich hat der Mann seine traumatischen Erfahrungen als Waisenkind noch nicht bewältigt und muss erst in die Zeugungswilligkeit hineinwachsen.

Familiengründung als ultimatives Happy End

Aber dafür bleibt keine Zeit. Sie wird schwanger und er rastet aus. Da trifft es sich gut, dass Frau und werdendes Kind in Gefahr geraten, um den unschlüssigen Mann zur Besinnung zu bringen und die Familiengründung als ultimatives Happy End vorantreiben zu können. Um diesen recht konventionellen und mäßig unterhaltsamen Reifungsprozess der Beziehung aufzupeppen, injiziert Regisseur James Foley mit bemerkenswerter Beharrlichkeit Sexszenen in die monotone Dramaturgie.

Im gefühlten 10-Minuten-Takt wird der Popmusik-Teppich ausgerollt für pittoresk inszenierte Fast-Softporno-Einlagen. Im Auto nach bestandener Verfolgungsjagd, unter der Regenwasserdusche, in der Küche unter Zuhilfenahme von Speiseeis und natürlich im gut ausgerüsteten "Spielzimmer" fallen die Liebenden übereinander her, deren Erregung auf Dauer erhebliche voyeuristische Ermüdungserscheinungen freisetzt und nicht über die kommerzielle Lieblosigkeit hinweg täuschen kann.


Kino: Astorlounge, Cadillac, Cinemaxx, Gloria, Royal, Mathäser (auch OV), Museum (OV); Regie: James Foley (USA, 105 Min.)

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