AZ-Filmkritik "Einmal bitte alles": Münchner Geschichte

, aktualisiert am 20.07.2017 - 10:26 Uhr
Isi (Luise Heyer) hat kein Geld, keinen Plan und keine Lust, die Sexgeräusche ihrer besten Freundin zu hören. Foto: filmschaft maas & füllmich

Regisseurin Helena Hufnagel erzählt in ihrem Kinodebüt „Einmal bitte alles“.

"Ois easy", sagt man in München, wenn’s läuft. Aber easy ist bei Isi gar nichts. Sie lebt mit ihrer besten Freundin in einer WG, mag ihre Freiheit, hätte aber auch nichts gegen einen regulären Job. Mit ihren 27 Jahren kann sie ja nicht ewig Praktikantin bleiben.

"Theoretisch habe ich noch das ganze Leben vor mir", findet Isi – irgendwo im Niemandsland zwischen Hoffen und Bangen der sogenannten aktuell halbjungen Generation Y. Groß sind dort die Träume, aber genauso groß sind die Sorgen der Mittzwanziger, die sich einerseits mit aller Macht selbst verwirklichen wollen, anderseits aber ein großes Bedürfnis nach Sicherheit haben.
"Einmal bitte alles" hat Regisseurin Helena Hufnagel ihr Kinodebüt genannt, ein trefflicher Titel für ihre von einfühlsamer Komik getragenen Beschreibung des Lebensgefühls einer ganzen Generation.

Obwohl Isa, wunderbar glaubwürdig von Luise Heyer gespielt, ihr Diplom in der Tasche hat, muss sie sich von Praktikum zu Praktikum hangeln. Wenn sich die Illustratorin irgendwo bewirbt, ist sie entweder überqualifiziert oder hat zu wenig Berufserfahrung. Die Chance, sich als Kaffeeträgerin im Büro für höhere Aufgaben zu empfehlen, ist allerdings gering. Dafür fehlt Isi die Bereitschaft zu buckeln.

Sie träumt lieber von der Veröffentlichung ihrer eigenen Graphic Novel zu Motiven aus F. Scott Fitzgeralds "Die Schönen und Verdammten": Weil die jungen Leute vor 100 Jahren schon die gleichen Probleme wie heute hatten. "Sie können was gut und haben keine Chance", wie Isi dem Ur-Münchner Klausi (Maximilian Schafroth) erklärt. Und dann hat die beste Freundin kurze Zeit später einen Job bei einem hippen Vegan-Magazin, ist verliebt in einen Italiener und guter Hoffnung. Das stürzt Isi in eine mittlere Sinnkrise.Auch wenn ihrem Film etwas mehr Spannung und Dramatik gutgetan hätten, macht Helena Hufnagel Isis grundsätzlichen Lebenskonflikt sehr gut nachvollziehbar.

Die Kinodebütantin ist eine wunderbare, weil empathische Beobachterin, die ihre Szenen wirklichkeitsnah gestalten kann. Nichts hängt an der großen Glocke, und gerade deshalb kann man teilhaben an Isis Leben, in dem zwischen all ihren Gefühlsausbrüchen, zwischen tiefer Verzweiflung und unbändigem Jubel, immer Platz ist für den Witz, den man braucht, um irgendwie durch den chaotischen Alltag zu kommen.


Zur heutigen Premiere im Monopol Kino kommen die Filmcrew, Hauptdarsteller und Sunnyi Melles: Schleißheimer Str. 127, 20.30 Uhr, 9 Euro,Telefon: 38 888 493

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