Ausnahmespringer im Vergleich Stoch vs Freitag: Das Duell der Überflieger

Respektvoller Umgang: Freitag (l.) und Stoch auf dem Podium. Foto: dpa

Polens Kamil Stoch und der Deutsche Richard Freitag werden den Gesamtsieg bei der Tournee wohl unter sich ausmachen. Von Erfolgen bis Popularität: Die AZ vergleicht die beiden Ausnahmespringer.

Ausschlafen, ausspannen. Am einzigen freien Tag dieser Vierschanzentournee konnte Richard Freitag kurz durchschnaufen. Ein Fahrsicherheitstraining auf Eis, ansonsten: Kraft tanken für die zweite Tourneehälfte mit den Springen in Innsbruck am Donnerstag und in Bischofshofen am Sonntag. Für das Duell der Überflieger mit Polens Star Kamil Stoch, dem Sieger von Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen.

11,8 Punkte trennen den Sachsen Freitag nach seinen beiden zweiten Plätzen in der Gesamtwertung von Stoch, umgerechnet rund sechseinhalb Meter. "Kein Pappenstiel", findet Bundestrainer Werner Schuster, aber: "Im Moment ist alles offen. Richard hat nach wie vor einige Trümpfe in seiner Hand, er kann Stoch jederzeit unter Druck setzen."

Freitag selbst sagte nach dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen: "Auch Kamil ist ja nicht perfekt. Wenn er so springt wie heute, dann ist es natürlich schwer, aber niemand ist unschlagbar. Ich hoffe, dass es bis zum letzten Sprung in Bischofshofen spannend bleibt."

Vor dem Wettbewerb in Innsbruck am Donnerstag (14 Uhr/ZDF) vergleicht die AZ die beiden Ausnahmespringer, die die Tournee derzeit beherrschen und den Gesamtsieg wohl unter sich ausmachen werden.

Karriere: Stoch, der aus dem südpolnischen Wintersportort Zakopane in der Hohen Tatra stammt, ist mit seinen 30 Jahren ein Routinier im Skispringen. Er startet seit 2005 im Weltcup, wartete aber lange auf seinen Durchbruch. Erst 2011 gelang ihm sein erster von 17 Weltcupsiegen.

Freitag debütierte Ende 2009 im Weltcup, seine einzigen Olympischen Spiele bestritt er 2014 in Sotschi. Dass der 26-Jährige aus dem Erzgebirge Talent hat, ließ er immer wieder aufblitzen, etwa bei seinem Tournee-Sieg in Innsbruck 2015. Wirklich Konstanz brachte er aber erst in dieser Saison (zuletzt sieben Podestplätze in sieben Springen) in seine Leistungen.

Erfolge: Als einer von nur fünf Skispringern - neben Espen Bredesen, Thomas Morgenstern, Matti Nykänen und Jens Weißflog - hat Stoch alle wichtigen Wettbewerbe gewonnen. Er holte den WM-Titel (2013), zweimal Olympia-Gold (2014), gewann die Vierschanzentournee (2016/17) und den Gesamtweltcup (2013/14). Immer wenn's drauf ankommt, zeigt Stoch seine beste Leistung. "Er ist mit allen Wassern gewaschen, ein Ausnahmesportler", lobt Bundestrainer Schuster.

Freitag hingegen wartet noch auf seinen ersten großen Einzel-Erfolg. Bislang stehen ein WM-Titel im Mixed-Wettbewerb (2015) sowie eine Silbermedaille mit dem Team bei der Weltmeisterschaft 2013 auf seiner Erfolgsliste. Als die deutschen Skispringer 2014 Olympia-Gold im Team holten, wurde der Sachse nicht nominiert.

Form: "Kamil Stoch ist in wirklich sehr, sehr guter Form, aber ich denke nicht, dass er in besserer Form als Richard Freitag ist. Ich denke, dass Richard ihn aus eigener Kraft schlagen kann", analysierte Schuster. Stoch habe bislang die etwas besseren Verhältnisse gehabt. "Und dann ist er einfach ein gnadenloser Killer." Sowohl in Oberstdorf (137 Meter) als auch in Garmisch (139,5 Meter) stand der Pole im zweiten Durchgang den weitesten Sprung des Tages.

Technik: Beide Rivalen sind absprungstark, können mit schwierigen Windverhältnissen umgehen und setzen auch noch bei großen Weiten sicher ihren Telemark. "Ich bin happy und ich bin sehr zufrieden mit meinen Sprüngen", sagte Stoch, der als Perfektionist gilt.

Popularität: Stoch (931.000 Fans bei Facebook), der von seiner Ehefrau Ewa Bilan gemanagt wird, ist in Polen ein Superstar und steht längst auf einer Stufe mit dem großen Adam Malysz. Im Sommer wurde er bei Ehrungen und TV-Auftritten so lange herumgereicht, bis sein Trainer Stefan Horngacher auf die Bremse trat. Der 30-Jährige hat sogar seine eigene Bekleidungslinie.

Freitag (61.000 Fans auf Facebook) hat eine neue Skisprung-Begeisterung in Deutschland ausgelöst, erreicht aber noch nicht die Beliebtheitswerte von Martin Schmitt oder Sven Hannawald. Ein Sieg bei der Vierschanzentournee könnte das freilich ändern.

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