Auftritt im Augustiner Keller Sigmar Gabriel und die Gute-Laune-Genossen

Launiger Vormittag (v. l.): Außenminister Sigmar Gabriel, Bundestagskandidat Florian Post, Alt-OB Christian Ude und Wirt Christian Vogler. Foto: SPD

Sigmar Gabriel wirbt im Augustiner-Keller mit Leidenschaft für die SPD. Kanzlerkandidat Martin Schulz erwähnt er dabei erstaunlich wenig.

München - Sigmar Gabriel (SPD) kommt etwa eine halbe Stunde zu spät. Die Münchner Genossen warten schon nervös am Eingang: der Bundestagsabgeordnete Florian Post, Parteichefin Claudia Tausend, Alt-OB Christian Ude. Aber was soll man machen: Auch wenn Wahlkampf ist – Gabriel ist in erster Linie halt immer noch Außenminister.

Gerade hat er bei Siemens mit seinem libyschen Amtskollegen einen Vertrag über die Lieferung von Kraftwerkstechnik unterschrieben. Stabile Stromversorgung, wirtschaftlicher Aufbau – das soll in dem bürgerkriegsgebeutelten Land die Motivation für eine Flucht über das Mittelmeer senken.

Die Gespräche bei Siemens haben ein bisschen länger gedauert als eigentlich geplant. Nun aber fährt die gut geschützte Ministerkutsche die Arnulfstraße hoch und biegt ein auf den Parkplatz zum Augustiner-Keller.

Vor drei Jahren war Gabriel schon einmal für einen Wahlkampftermin in München, damals im Theaterzelt "Das Schloss" am Olympiapark. Blasmusik, viel Bier – Gabriel soll sich danach für den nächsten Auftritt etwas "Normaleres" gewünscht haben. Nun also der Augustiner-Keller – noch einmal eine Stufe bayerischer. Unter Genossen kennt man da nichts.

Wieder Blasmusik, wieder viel Bier – der Außenminister trägt’s mit Fassung. Er knabbert an einem Radieschen und freut sich über die vollen Bierbänke. "Bei mir in Niedersachsen würden wir das selbst mit Freibier nicht schaffen", sagt Gabriel. Das Publikum johlt: die Gute-Laune-Genossen!

Gabriel gibt sich staatsmännisch

In seiner Rede gibt der 57-Jährige eher den Staatsmann als den Wahlkämpfer. Angela Merkel (CDU) kriegt für die Trump-Kritik in ihrer Bierzelt-Rede in Trudering einen mit. Ende Mai hatte die Kanzlerin da gesagt, auf die Amerikaner könne man sich nicht mehr wirklich verlassen. "Für solche Polemik ist unser Verhältnis zu den USA aber einfach zu wichtig", findet Gabriel. Dann rüffelt er noch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für dessen harte Griechenland-Politik. So viel zum politischen Gegner. Damit lässt er es dann aber auch schon bewenden.

Den Rest dieses Vormittags beschäftigt sich Gabriel mit dem deutschen Verhältnis zu den USA ("Hätte es sie nicht gegeben, wir würden vielleicht heute noch unter Hitler, Stalin oder einem ihrer Nachfolger leben.") – und vor allem mit Europa.

Es brauche nicht mehr davon, sondern vor allem ein anderes Europa, sagt der Außenminister. "Wir dürfen über die EU nicht wie ein Technokrat nachdenken, nicht kalt und herzlos. Es muss leidenschaftlich sein."

Freilich verzeichnet auch Gabriel derzeit eine Krise der Staatengemeinschaft. Was sich Ungarn oder Polen derzeit erlaubten, "da muss die Höflichkeit auch mal ein Ende haben", so der Vize-Kanzler. Die Vorzüge mitnehmen, aber eine gemeinsame Flüchtlingspolitik blockieren – das gehe nicht.

Europa sei kein Supermarkt, in dem sich jeder nehmen könne, was er wolle – um an der Kasse dann aber auf den anderen zu zeigen, soll der doch die Rechnung übernehmen, sagt Gabriel. Das Geld sollen künftig deshalb vor allem die bekommen, die Verantwortung übernehmen. Wer sich rausnehme, der solle dafür zahlen.

Auch den Namen Martin Schulz lässt Gabriel in diesem Zusammenhang fallen. Der habe auch immer für diese Position geworben. Ansonsten ist der Kanzlerkandidat der SPD an diesem sonnigen Vormittag auffällig unterrepräsentiert. Zum Schluss zapft der Bundestagskandidat Florian Post noch ein Fassl an. Sigmar Gabriel ist da gerade schon wieder abgerauscht: noch ein Wahlkampftermin, der Flieger geht. Und ganz so bayerisch muss es für den Niedersachsen dann vielleicht auch nicht werden.

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