Immer, wenn 1860 in der Tabelle einen großen Schritt nach vorne machen kann, versagen den Spielern seit Jahren die Nerven. Dennoch glaubt Schmidt, dass der Aufstieg noch immer möglich ist

MÜNCHEN Ein mentales Problem? Nein, nein. Bloß nicht. Meinen die Löwen „Hört mir damit auf”, meint Daniel Bierofka. Und auch Trainer Alexander Schmidt sieht „kein Kopfproblem” bei seinen Sechzgern. Fest steht aber: Immer dann, wenn 1860 die Chance auf einen großen Sprung nach vorne hat, scheinen sie zu versagen. Das jüngste Beispiel ist das 1:1 gegen Dynamo Dresden am Sonntag. Nicht nur Meister-Löwe Fredi Heiss dürfte das Spiel am Sonntag ein wenig fassungslos gemacht haben. „Unfassbar, so eine Chance zu versäumen”, meint er. Tatsächlich: Ein Sieg gegen die keineswegs starken Sachsen und die Löwen hätten auf Platz vier überwintert, mit nur drei Zählern Rückstand auf Rang drei und der Chance im ersten Heimspiel des neuen Jahres gegen den direkten Konkurrenten Kaiserslautern auf den Relegationsspiel zu klettern. Konjunktiv, der Modus der Verlierer. Diesen musste der TSV 1860 in der Vergangenheit häufiger verwenden.

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Letzte Saison ging den Löwen die Puste aus, als sie in der Rückrunde erst in die oberen Tabellenregionen stürmten – und in der entscheidenden Phase dann plötzlich vier Spiele ohne Sieg folgten. Oder in der Saison davor. Und in der vorvorherigen. Und der vorvorherigen. Kurz gesagt: Immer dann, wenn sie die Chance hatten, einen Rückstand bedeutend aufzuholen – oder auch nur vor voller Kulisse die Fans zu begeistern – versagten ihnen die Nerven. „In den letzten Jahren war es wirklich auffällig, wie häufig sie in wichtigen Momenten gescheitert sind. Das ist richtig schade. Vielleicht fehlt am Ende der letzte Wille”, sagt Heiss.

Und so endeten die Aufstiegsträume der Löwen, jedes Jahr zu Saisonbeginn mehr als nur präsent, immer vorzeitig mit einem bösen Erwachen im Mittelmaß der Liga zwei. Wie in einer Dauerschleife des Abschenkens.

Auch in dieser Saison klafft zwischen Wunsch und Wirklichkeit eine Lücke, die mehr als nur fünf Punkte Rückstand auf den dritten Platz beträgt.

Dennoch wollen sie sich noch nicht aufgeben. „Es ist noch alles drin”, sagt Bierofka. Auch Trainer Schmidt meint: „Fünf Punkte bis zu den Spitzenplätzen sind machbar.”
Grundsätzlich bestimmt. Fünf Punkte kann man mit einer guten Rückrunde immer aufholen. Aber können die Löwen das wirklich schaffen? Schmidt darf sich zwar freuen, dass er bis Saisonende Trainer bleiben darf. Doch ein irgendwie geartetes Siegergen hat auch Schmidt den Löwen noch nicht verpasst. Eher ein Remis-Syndrom. Fünf Spiele, ein Sieg, vier Unentschieden, so lautet die Bilanz unter dem 44-Jährigen bisher.

Und eine spielerische Offenbarung waren die Partien auch nicht gerade, abgesehen davon, dass sich die Mannschaft kaum Chancen erspielt. Nun soll es in der Winterpause ein neuer Stürmer richten. Oder auch nicht. „Ich habe bereits einige Stürmer im Auge”, sagt Schmidt. Olivier Occean (Greuther Fürth) oder Mikael Poté (Dynamo Dresden) wären zwei, die Schmidt gefallen würden. Und wenn die nicht wollen? Schmidt: „Es darf kein mittelmäßiger Spieler sein, sonst holen wir lieber gar keinen.”
Und so erweist sich Präsident Dieter Schneider als der vielleicht momentan einzige Realist beim TSV 1860. „Im Märchen geht alles von alleine nach oben. Die Realität ist aber, dass wir uns Schritt für Schritt nach oben arbeiten müssen", sagt er.
 

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