Auch 2016 werden kleine Kinder auf dem Münchner Oktoberfest und der Auer Dult beim Ponyreiten ihren Spaß haben - dem Tierschutz zum Trotz.

München - Für Kinder ein Spaß, für Tierschützer ein Unding: Ponyreiten auf dem Münchner Oktoberfest oder der Auer Dult. Was für die einen zur Volksfestkultur dazugehört, ist für die anderen Tierquälerei. Bereits im vergangenen Jahr forderte die SPD-Fraktion im Münchner Stadtrat daher ein Verbot der Attraktion. Die CSU-Fraktion forderte ihrerseits eine kritische Untersuchung, ob ein generelles Verbot nötig sei.

Am Dienstag war es nun endlich soweit, der Arbeits- und Wirtschaftsausschuss des Münchner Stadtrats setzte sich mit dem Thema Ponyreiten auf städtischen Veranstaltungen auseinander.

 

Status Quo bleibt: Ponyreiten weiterhin erlaubt

 

Das Ergebnis: Das Referat für Arbeit und Wirtschaft sprach sich in der Vorlage des heutigen Wirtschaftsausschusses gegen ein Verbot aus. In der entscheidenen Abstimmung kam es zu einer Pattsituation, daher bleibt der Status Quo erhalten - Ponyreiten ist weiterhin erlaubt!

Wie das Referat für Arbeit und Wirtschaft erklärte, konnte das Veterinäramt keine Anomalien bei den Tieren feststellen. Zudem seien alle tierschutzrechtlichen Vorschriften eingehalten worden. Daher stimmte die CSU-Fraktion gegen das von SPD-Seiten geforderte generelle Verbot.

CSU-Stadtrat Richard Quaas, Sprecher der CSU-Fraktion für die Themen Dulten und Wiesn, zeigte sich zufrieden mit dem Wahlergebnis: "Ich bin froh, dass die Tradition des Ponyreitens auch nächstes Jahr fortgeführt wird.“

Mit Bürgermeister Josef Schmid hatte die Pro-Pony-Fraktion zudem einen einflussreichen Führsprecher in ihren Reihen. Der CSU-Politiker hatte bereits im Vorfeld der Abstimmung erklärt, dass er alle Belange des Tierschutzes gewährleistet sieht.

Lesen Sie hier weitere Meldungen aus München

 

Nun müssen die Eltern entscheiden

 

Anders die Stimmung bei der SPD. Bettina Messinger, tierschutzpolitische Sprecherin der Sozialdemokraten, bedauert den Beschluss: "Wir sind enttäuscht, dass sich keine Mehrheit im Ausschuss gefunden hat, die dem Tierwohl Vorrang einräumen wollte", erklärte die SPD-Politikerin und mahnte anschließend: "Nun ist es an den Eltern selbst, zu entscheiden, ob sie die Plackerei der Ponys auf der Wiesn und der Auer Dult weiterhin unterstützen werden. Wir wünschen uns, dass unsere Diskussion zu dem Thema wenigstens das Bewusstsein geschärft hat, dass Ponykarussells alles andere als artgerecht sind."

Die Kritiker hatten im Vorfeld darauf verwiesen, dass die laute Musik, die Lichteffekte umliegender Fahrgeschäfte und der Besucherlärm zu viel Stress für die Tiere sein. Außerdem könne das ewige im Kreis gehen zu schmerzhaften Gelenk- und Wirbelschäden führen.

Die Tierschutzorganisation Animals United bezeichnete das Patt im Stadtrat als "eine herbe Enttäuschung für Tierfreunde deutschlandweit" und urteilte: München wird seinem selbstgesteckten Motto als "Weltstadt mit Herz nicht gerecht".