Armut, Schmutz, Drogen Brennpunkt Hauptbahnhof: Das sind die elf Lösungen der SPD

, aktualisiert am 07.11.2017 - 16:51 Uhr
Wenn es dunkel wird rund um den Bahnhof, wird es mitunter ungemütlich. Foto: dpa

Verkommt die Gegend um den Hauptbahnhof zu einem Problemviertel? Die SPD sieht offenbar dringenden Handlungsbedarf und möchte mit einem Elf-Punkte-Plan die Notbremse ziehen.

Ludwigvorstadt/Maxvorstadt - Zu dunkel, zu trist und vor allem: ein Treffpunkt für Trinker und Kleinkriminelle. Der Münchner Hauptbahnhof war in den vergangenen Monaten immer wieder Gegenstand hitziger Debatten. Nun hat die Rathaus-SPD einen Elf-Punkte-Plan zur Verbesserung der Situation vorgestellt.

"Uns ist schon klar, dass das Bahnhofsviertel kein Villenviertel ist", sagt Fraktionschef Alexander Reissl. Trotzdem gebe es einige heikle Entwicklungen, über die man sich Gedanken machen müsse - die Gegend rund um den Hauptbahnhof zählt zu Münchens drei Kriminalitätsbrennpunkten.  Heller, schöner und auch sicherer soll der Hauptbahnhof werden – und das noch vor dem anstehenden Neubau. Die AZ erklärt den Hauptbahnhof-Plan der SPD.

1. Eine Trinkstube: Nachdem wegen der Baustelle für die zweite Stammstrecke das berühmte "Schwammerl" am Bahnhofsvorplatz zugestellt ist, lungern viele Trinker mittlerweile an den Eingängen zum Bahnhof herum. Viele Reisende fühlen sich dadurch belästigt.

"Mit repressiven Maßnahmen alleine kommen wir da aber nicht weiter", sagt Christian Müller, der Sozialexperte der Rathaus-SPD. Die Stadtratsfraktion fordert deshalb eine Möglichkeit für "Konsum im kontrollierten Rahmen". Sprich: Eine Trinkstube soll her. Ob die das Alkohol-Problem lösen wird, da ist man sich selbst in der SPD nicht sicher. "Wir werden’s einfach ausprobieren müssen", so Müller.

2. Eine Sozialberatung: Wer nicht nur an der Flasche hängt, sondern größere Probleme hat, obdachlos ist oder drogenabhängig, für den fordert die SPD noch eine andere Lösung: Eine soziale Einrichtung soll Beratung und Betreuung anbieten. "Uns ist schon klar, dass wir da auf Menschen stoßen, die Hilfe auch oft verweigern", sagt Fraktionschef Alexander Reissl. Aber nur mit einem solchen Angebot könne man die Sicherheit am Bahnhof verbessern, heißt es in dem SPD-Papier.

3. Ein Sicherheitskiosk: Am Bahnhofsvorplatz soll zudem ein Info-Kiosk entstehen. Dort soll man sich in erster Linie Auskunft über Fahrpläne einholen können. Der Kiosk soll aber auch Er kann auch eine zentrale Anlaufstelle für den neuen Sicherheitsdienst KAD sein. Er könnte ein Zufluchtsort für Leute werden, die sich angegriffen, verfolgt oder belästigt fühlen.

Ein solcher Kiosk würde "ein deutliches Plus an Sicherheitsgefühl" bringen, sagt Christian Vorländer, der sicherheitspolitische Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion.

4. Ein neues Lichtkonzept: Finstere Ecken sollen im Hauptbahnhof der Vergangenheit angehören. Niemand soll sich irgendwo unwohl fühlen, nur weil es dort zu dunkel ist. Die SPD fordert deshalb ein innovatives Beleuchtungskonzept. Es geht dabei jedoch nicht nur um Sicherheit, es soll auch was fürs Auge sein. So setzt setzt sich die Rathaus-Fraktion zum Beispiel auch für eine zentrale Lichtkunst-Installation ein. Kommt da also bald der Riesen-Kronleuchter für die Bahnhofs-Halle?

5. Eine Müllstrategie: Überfüllte Mülleimer und dreckige Fußböden sind nun wahrlich nichts, was zu einem besonderen Wohlgefühl beitragen würde. Die SPD setzt sich deshalb für ein gepflegtes Straßenbild rund um den Hauptbahnhof ein. So soll zum einen eine Strategie zur Müllvermeidung erstellt werden. Und der Müll, der trotzdem entsteht, soll andererseits schnell verschwinden.

6. Eine Grün-Offensive:  Das Bahnhofsviertel ist eher urban, keine Frage. "Aber so, wie es jetzt ist, ist es auch ein bisschen trist", sagt Verena Dietl, Vize-Chefin der Stadtratsfraktion. Die SPD will die Gegend um den Bahnhof deshalb ergrünen lassen. Die Stadtverwaltung soll ein Konzept für die Bepflanzung des Viertels erstellen. Konkret denkt die SPD dabei an bemooste Hauswände und Blumenhochbeete.

Von einem "Wohlfühlfaktor" spricht Dietl. Deshalb sollen auch für den neuen Hauptbahnhof gleich genügend Grünflächen mit eingeplant werden.

Lebensqualität sinkt durch Spielhallen

7. Eine Spielhallen-Quote: Die Gegend um den Hauptbahnhof ist ein wahres Glücksspiel-Eldorado, das (mitunter illegale) Geschäft blüht. Die SPD bedauert das, weil durch die Spielhallen Restaurants oder Läden aus dem Viertel verdrängt werden.

Die Hoffnung ruhte bislang auf dem neuen Spielhallen-Gesetz, "aber das entfaltet leider noch nicht die erhoffte Wirkung", sagt Fraktionschef Alexander Reissl. Seine SPD fordert deshalb, dass die Stadt nun ihrerseits die Spielhallen-Dichte reguliert.

8. Ein Open-Air-Konzert: Kulturell ist das Bahnhofsviertel ein bisschen abgehängt. Man sollte es bei Veranstaltungen wie der "Langen Nach der Musik" oder dem Stadtgründungsfest künftig deshalb besser ins Programm einbinden, findet die SPD. Aber auch neue Formate seien denkbar, sagt Klaus Peter Rupp, der kulturpolitische Sprecher. Gedacht ist etwa an ein Open-Air-Konzert am Bahnhof oder ein eigenes Straßenfest.

Schluss mit dem Verhau

9. Eine Baustellen-Aufsicht: Auch der Verhau bei Baustellen rund um den Bahnhof stört die SPD. Dass es mal irgendwo staubt, wird man kaum verhindern können. Nach Vorstellung der Rathaus-Fraktion soll das Baureferat mit Bauherren aber verbindliche Regeln festlegen: Es sollen keine schlecht einsehbaren Räume entstehen, eine klare Absprache über Zufahrtswege geben und auch eine ordentliche Gestaltung der Baustelle wünscht sich die SPD.

10. Eine Verkehrsordnung:  Autos, Fußgänger, Radler, Trambahn – rund um den Hauptbahnhof ist viel Bewegung. Wenn in ein paar Jahren dem Neubau des Hauptbahnhofs begonnen wird, befürchtet die SPD aber den Stillstand.

Die Stadtratsfraktion beantragt deshalb schon jetzt ein Mobilitätskonzept. Dieses soll sicherstellen, dass der Verkehr auch dann fließen kann, wenn am neuen Hauptbahnhof gewerkelt wird.

11. Eine Arbeitsgruppe: Die SPD-Fraktion ist sich bewusst, dass sie den Hauptbahnhof nicht im Alleingang retten kann. Deshalb soll eine Arbeitsgruppe eingerichtet werden. In der soll der Stadtrat vertreten sein, aber auch Polizei, Bahn, Lokalpolitiker und Vertreter der Anwohnerschaft und der örtlichen Geschäfte. 

"Wir wollen einen intensiven Dialog", sagt Stadtrat Christian Vorländer. Keiner der Betroffenen soll das Gefühl haben, nicht gehört zu werden, so Vorländer. Nur im Austausch könne man zu guten Lösungen kommen.

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