Eine Psycho-Gratwanderung im Niemandsland eines schwer geschädigten Bewusstseins zwischen Trauma und Realität mit dem Zuschauer als Voyeur - die AZ-Kritik zum Tatort-Krimi "Rebecca".

München - Der vorletzte „Tatort“-Krimi für Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) und ihren fleißigen Assi Perlmann (Sebastian Bezzel) erinnerte in Spurenelementen an den Wiener Entführungsfall Kampusch: Ein Kind, das jahrelange Kellergefangenschaft bei einem Psychopathen übersteht. Mit dem Unterschied, dass es hier psychisch weitaus schwereren Schaden genommen hat.

Und so wird in diesem Tatortkrimi „Rebecca“ (Buch: Marco Wiersch, Regie: Umut Dag, ARD/SWR) Blums Assi Perlmann zur Schlüsselfigur: Das verstörte Entführungsopfer Rebecca (Gro Swantje Kohlhof) sieht in Perlmann einen neuen „Erzieher“, und er muss schnellstens herausfinden, ob es noch ein weiteres Kind in dem Entführungskeller gab. Eine Psycho-Gratwanderung im Niemandsland eines schwer geschädigten Bewusstseins zwischen Trauma und Realität.

Der Spannungs-Sog dieser Geschichte mit dem lautlosen Sadismus eines kriminellen „Erziehers“ im Hintergrund ist wie ein Schattenriss unter irdischer Bedrohung: Ein Angst-Krimi des nicht Greifbaren, einer Hölle im Kopf.

Als Zuschauer wird man zum Voyeur – und Teilnehmer an einem Gruselbesuch im Unterbewusstsein. Die Anspannung übertrifft so manchen Bodensee-„Tatort“ um etliche grau-gruselige Nebelschwaden.