Architekturgalerie: SOM aus Chicago, die Meister des internationalen Hochhausbaus, stellen in München aus

München streitet um 75 Meter, den geplanten Klotz am nördlichen Hauptbahnhof, dem Starnberger Bahnhof. In Dubai geht es um 828 Meter – ohne Streit. Aber zugegeben: die Umgebung ist architektonisch nicht ganz so sensibel wie die Münchner Innenstadt.
In Schwabing stehen sie stramm wie Soldaten und der Länge nach aufgereiht wie Orgelpfeifen – allerdings im handlichen Format im ersten Raum der Architekturgalerie: die Miniaturen der höchsten Häuser der Welt, gebaut von SOM (Skidmore, Owings, Merril), dem Architekturbüro aus Chicago. Abschreiten wie eine Parade darf dann der Besucher die niedlich wie Spielzeuge wirkenden „Riesen“ aus Modellpappe, die kaum mehr als einen Meter hoch in den Himmel der ganz weiß gestrichenen Galerie ragen.

Das Büro ist 80 Jahre, die Architektur eine von morgen

Keine andere Architekturschmiede hat mehr und regelmäßig die höchsten Supertalls auf diesem Globus erdacht, geplant, konstruiert und realisiert – und das seit Jahrzehnten. Das Büro ist glatte 80, wirkt aber lange noch nicht wie im Rentenalter.
Groß mit dabei, aber nur fast am Ende der Phalanx, ist der „Burj Khalifa“ in Dubai, derzeit mit 828 Metern architektonischer Höhen-Rekordhalter. Es folgen der einem Baseballschläger nachempfundene „Aspire“ Turm und der vergleichsweise schlichte „Desert Crystal“, die beide 2009 entworfen wurden, für Jeddah geplant waren, aber (noch) nicht realisiert sind. Ihre Höhe: jeweils etwa 1000 Meter, was ein neuer Rekord wäre. Weitere Highlights: das einst richtungsweisende John Hancock Center in Chicago (1967/457 Meter), der ebenso berühmte Sears Tower (1974/527 Meter) ebenda und lange das höchste Haus in unserem Sonnensystem. Auch das neue One World Trade Center in New York und das Yin Mao Building in Shanghai wurde von SOM entworfen.

Warum gibt es diese Ausstellung in München?

Warum aber das Ganze gerade in München? SOM hat in Deutschland außer ein paar (niedrigen) 50er-Jahre Gebäuden in amerikanischem Auftrag– Konsulate, Wohn- und Amerikahaus in Bremen, Düsseldorf, Frankfurt – nichts gebaut. Es spielte auch keine Rolle, dass das erste Legende gewordene Gebäude von SOM - das ín den 50ern gebaute Lever Building in Manhattan, vom Bauhaus-Meister Ludwig Mies van der Rohe inspiriert wurde. Der einfache Grund: SOM hat gerade im Münchner Detail-Verlag ein Architektenbuch mit dem Titel „SOM Structural Engineering“ herausgegeben und mit der Präsentation eine Ausstellung verknüpft.
Im Buch finden sich nicht nur schöne Bilder von hohen Häusern, sondern vor allem Abhandlungen über die konstruktiven und wirtschaftlichen Grundlagen der Supertalls. Man erfährt – wie auch in der Ausstellung – wie erdbebensicheres Bauen solcher Häuser heute funktioniert und dass diese im Ernstfall meterweise hin- und herschwanken und sich sogar verdrehen können, ohne Schaden zu nehmen.
Das passiert auch schon bei starkem Wind. Diese Gebäude sind ja so hoch, dass man in den oberen Geschoßen ein ganz anderes Wetter hat als unten am Eingang. Vorstellen kann man sich das etwa so: Unten wie in Garmisch, oben wie auf der Zugspitze.
Für Laien, die sich nicht zu architektonischen Spezialisten des Wolkenkratzerbaus weiterbilden wollen, ist die rein englischsprachige Schau vor allem eines: schön zum anschauen.   

Architekturgalerie: bis 4. März, Türkenstraße 30 über Buchhandlung Werner, Eintritt frei,
Mo – Mi 9.30– 19 Uhr,
Do und Fr 9.30– 19.30,
Sa 9.30– 18 Uhr.
Das Buch kostet 49 Euro - und es gibt kostenlos, eine A5-Broschüre (40 Seiten) mit den wichtigsten Modellfotos: „SOM - the engineering of architecture“