Arbeit Immer mehr Deutsche arbeiten am Wochenende oder nachts

dpa, 18.02.2013 13:25 Uhr
 

In Deutschland arbeiten immer mehr Menschen am Wochenende, in der Nacht oder im Schichtbetrieb. Grund dafür ist die Ausweitung des Dienstleistungssektors. So waren 2011 ein Viertel oder 25,3 Prozent der Beschäftigten an Wochenenden im Einsatz. 2001 waren es erst 20,6 Prozent.

Berlin - Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, über die die "Süddeutsche Zeitung" (Montag) zuerst berichtete. Demnach arbeiteten im Jahr 2011 etwa 8,9 Millionen Beschäftigte "ständig oder regelmäßig am Wochenende" - nach 6,7 Millionen im Jahr 2001.

Auch bei der Nachtarbeit gab es Zuwachs: Von 7,8 auf 9,4 Prozent der Beschäftigten. Schichtarbeit leisteten zuletzt 15,6 Prozent der Arbeitnehmer - nach zuvor 13,6 Prozent. Die Entwicklung führt das Bundesarbeitsministerium vor allem auf die Beschäftigungszunahme in der Pflegebranche mit ihren Rund-um-die-Uhr-Einsätzen zurück. Ähnliches gelte auch für den Medizinbetrieb und den Sozialsektor, sagte eine Ministeriumssprecherin am Montag in Berlin.

Die Zunahme sei deshalb "nicht direkt verwunderlich". Zum Problem werde die Entwicklung erst, wenn Missbrauch betrieben werde, etwa wenn gegen arbeitsrechtliche Bestimmungen verstoßen werde, Leute ohne Vergütung mehr arbeiten müssten oder Ausgleichsstunden nicht gewährt würden.

In ihrer Antwort merkt die Bundesregierung an, dass für Schichtarbeiter das Risiko von psychischen Belastungen steige "und erhöhte gesundheitliche Risiken bestehen". Auch der Anteil der Nachtarbeit breite sich ebenfalls wieder aus. Bereits im August vergangenen Jahres hatte das Statistische Bundesamt diese Entwicklung beschrieben.

Die Arbeitsmarktexpertin der Linksfraktion im Bundestag, Jutta Krellmann, nannte die Zahlen alarmierend. "Der Psychostress ist eine tickende Zeitbombe in der Arbeitswelt und muss endlich eingedämmt werden." Sie fordert wie die IG Metall eine Anti-Stress-Verordnung im Arbeitsschutzgesetz. Nach Angaben der Regierung ist die Zahl der offiziell registrierten Verstöße seit 2007 um fast ein Drittel gestiegen.