Clubs, Polizei und Jugendamt gehen gegen die Zunahme der Gewaltdelikte vor – mit Plakaten, Handzetteln und Streetworkern, die sich entlang an der Sonnenstraße um Betrunkene sorgen

München - Schläger und Brutalos sollen es künftig schwerer haben auf der Feiermeile in der Innenstadt, auf der an Wochenenden nachts oft mehr als 10.000 Menschen unterwegs sind.
Nach dem beunruhigen Anstieg von Gewaltdelikten zwischen Sendlinger Tor-Platz, Stachus und Maximiliansplatz und der lebensgefährlichen Prügelattacke im Wilhelm-Herzog-Park am vergangenen Wochenende stellten David Süß, Geschäftsführer vom Club „Harry Klein“, KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle, Polizeivizepräsident Robert Kopp und Jugendamtsleiterin Maria Kurz-Adam gestern ihr gemeinsames Projekt vor: „Cool bleiben – friedlich feiern in München“. Mit Streetworkern, Betretungsverboten, Plakaten und Flyern wollen sie die Feiermeile sicherer machen. "Feiern ist schön, Leute. Bitte reißt's Euch zusammen", appellierte David Süß als Sprecher aller Clubbesitzer auf der Feiermeile ans Partyvolk. 

Ab heute Nacht werden die Besucher der 23 Clubs an der Partymeile sehr oft an einem der gelben Farbkleckse vorbei kommen, auf denen ein weißes Peace-Zeichen prangt. Es ist das Logo der Aktion. Insgesamt 40.000 blaue Flyer und 2000 Plakate haben die Clubbetreiber drucken lassen.  „Mach mit oder bleib daheim“, lautet die Botschaft an die Gäste.

Ab kommender Nacht werden sich auch erstmals Streetworker von Condrobs im Auftrag des Stadtjugendamtes unters Partyvolk mischen. Der überkonfessionelle Verein hilft seit 40 Jahren Suchtgefährdeten und -kranken. Jeweils ein Mann und eine Frau werden am Freitag und Samstag sowie vor Feiertagen von etwa 1 Uhr bis 5 Uhr auf der Sonnenstraße und in den Innenstadt-Parks unterwegs sein. Sucht-Experten deshalb, da die Polizeistatistik ständig belegt, dass viele Gewaltdelikte unter Alkoholeinfluss geschehen. „Wir haben das auf der Wiesn schon getestet, jetzt gehen wir in Echtbetrieb“, sagte Condrobs-Bereichs-Geschäftsführer Frederik Kronthaler zur AZ.

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Auf dem Oktoberfest waren die Streetworker unter anderem damit beschäftigt, betrunkene Mädchen, die unter der Bavaria lagen, davor zu beschützen, sexuell belästigt oder bestohlen zu werden.
Auf der Partymeile werden sich die Streetworker durch Jacken und Taschen mit entsprechenden Schriftzügen zu erkennen geben. Sie sollen unter anderem Ansprechpartner sein für Partygänger, die nicht gleich zur Polizei gehen wollen, wenn ihnen etwas auffällt. „Sie helfen aber auch, wenn jemand nicht mehr weiß, wie er nach Hause kommt“, sagt Maria Kurz-Adam. Sie würden Suchtgefährdete erkennen und schwer Alkoholisierte ins Krankenhaus begleiten.

Eine weitere Maßnahme, die Schläger abschrecken soll, ist das so genannte Betretungsverbot. Wer im Bereich zwischen Sendlinger-Tor-Platz, und Maximiliansplatz durch „Rohheitsdelikte“ auffällt, bekommt vom KVR ein Verbot für die Sonnenstraße und alle Clubs auf der Feiermeile. „Es gilt für ein Jahr von 22 Uhr bis 7 Uhr. Wer dagegen verstößt, riskiert ein Zwangsgeld von 500 Euro“, so der KVR-Chef.

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Vier solcher Verbote wurden seit August bereits ausgesprochen. Eines gilt einem 20-Jährigen, der im April einem anderen Partygänger mit der Faust ins Gesicht schlug und – als der am Boden lag – auf ihn eintrat. Die Betretungsverbote kann die Stadt erlassen, noch bevor es ein rechtskräftiges Urteil gibt.  

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