Abschied an Silvester 2017 Optimolwerke: Die letzte Party der Kultstätte naht

Glitzer, House und klar, die Kippe an der Bar: Ende der 90er ist die Milchbar der Ort fürs schöne Feiervolk, nicht nur montags am "Blue Monday". Foto: AZ-Archiv/Martha Schlüter

An Neujahr schließen die Optimolwerke. Es ist das Ende einer Feierkultur, die München über Jahrzehnte geprägt hat – und die eigentlich in Fröttmaning eine Zukunft haben sollte.

Berg am Laim -  Was, die Optimolwerke gibt es noch? Vielen Münchnern zwischen 30 und 50, die hier einst feierten und Flohmarkt-bummelten, dürfte das gar nicht bewusst sein.

Nachdem Clubs wie das Harry Klein und die Milchbar vom Ostbahnhof in die Innenstadt gezogen sind, nachdem die benachbarte Kultfabrik vor einem Jahr endgültig Schluss gemacht hat, sind auch die Optimolwerke aus dem Fokus vieler Münchner geraten.

Aber ja, es gibt sie noch. Es gab sie noch. Denn mit einer großen Silvesterparty wird auch dieses Partyareal beerdigt. Irgendwann am Neujahrsmittag wird der letzte Bass ausgewummert haben.

Ende wurde schon öfter angekündigt

Oft war das Ende schon angekündigt worden. Doch immer ging es weiter seit 2003, als die ersten Clubs (mit Fünf-Jahres-Verträgen) auf das Areal an der Friedenstraße zogen. Nun ist es aber so weit. Etwa 60 Mieter, Clubs wie das Do Brasil oder die Garage, aber auch Fotografen, die hier Studios und Bands, die hier Übungsräume haben, müssen raus.

Es ist auch das Ende einer Feierkultur, die sich in den 90ern etablierte. Politisch gewollt, von den jungen Münchnern begeistert angenommen, wurden große Partys auf aufgegebenen Arealen gefeiert. Wolfgang Nöth, der Münchner Hallenkönig, begann 1992 mit der Feierei auf dem verlassenen Flughafen-Areal in Riem.

Später übernahm er die Industrieflächen hinter dem Ostbahnhof mit dem Kunstpark (ab 1997) und den benachbarten Optimolwerken (ab 2003). Viele Jahre war sein Plan, in Fröttmaning einen Kunstpark Nord zu etablieren, doch 2008 kippte die Stadt das Vorhaben. Stattdessen zogen immer mehr Clubs in die Innenstadt – auch und gerade die renommierteren Namen aus den Optimolwerken. Heute sind Sonnen- und Müllerstraße zu keiner Uhrzeit so voll wie mitten in den Nächten von Samstag auf Sonntag.

Party-Areal fällt Wohnraum zum Opfer

In der immer dichter besiedelten Stadt ist auch kaum vorstellbar, dass noch einmal große Partyareale entstehen, wo einst Industrie war. Zu viel Geld lässt sich schnell verdienen, wenn neue, teure Wohnungen gebaut werden. Zu groß ist auch der Druck auf die Politik, für Wohnraum zu sorgen.

Was den Münchnern von den Partyarealen bleibt, sind lange Partynächte. Denn, so will es die Legende, ohne Wolfgang Nöth gäbe es bis heute die Sperrstunde. Als das Kreisverwaltungsreferat Nöth 1997 die ersten Clubs hinter dem Ostbahnhof genehmigte, hatte es nur einen Hinweis: dass um 1 Uhr Zapfenstreich sei. Nöth sei "voll ausgerastet", erinnerte sich Michi Kern, der im Kunstpark das Ultraschall II betrieb, später: "Er hat rumgebrüllt und den Bürgermeister angerufen. Und dann gab es eine Sperrzeitaufhebung!"

Der Ruf litt im Laufe der Jahre

Was sonst bleibt? Die Erinnerung an Jahrzehnte Münchner Feierkultur, durchaus auch subkulturell und Techno-lastig, mit den Jahren aber auch immer mainstreamiger. Der Ruf litt und litt – und die renommierten Clubs gingen. Das Harry Klein sei einige Zeit noch der Grund gewesen, der eine eingeschworene Gemeinde in die Optimolwerke gezogen habe, schrieb die AZ einmal. "Zwischen Flatrate-Trinktempeln und Be-Sexy-Partys fristete da ein kleiner Club mit Hängematten im Garten sein Dasein, in dem sich alles um eines drehte: minimalistische Musik."

Doch auch das Harry ging, während die Flatrate-Partys blieben. Auf der Homepage der Optimolwerke ist immer noch von "neu eröffneten Clubs" die Rede, sie wurde offenbar seit Jahren nicht mehr aktualisiert.

Am Sonntag gibt es auf jeden Fall einen großen "Silvester Final Rave", nach Veranstalterangaben gab es ein großes Interesse an Tickets. Am Neujahrsmorgen beginnt noch mal eine After Hour. Um 12 Uhr mittags ist dann endgültig Schluss auf dem Gelände. In vier Wochen sollen die Mieter alles geräumt haben. Die Flächen sollen im neuen Werksviertel aufgehen.

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