Die Note „Sehr gut“ im Pflege-Tüv macht natürlich Eindruck. Aber wie diese Bewertungen zustande kommen können, ist umstritten. Wie Sie das richtige Heim finden.

München - Sie kommen unangemeldet. Picken sich Bewohner heraus – und schauen, wie die Pfleger mit ihnen umgehen. Acht Stunden lang sind die Prüfer da. Und am Schluss kommt fast immer eine Bestnote raus.

Wer mit Hilfe des Pflege-Tüvs ein gutes Heim für sich oder seine Angehörigen finden will, hat’s schwer. Im Internet findet man die Tests unter anderem auf www.aok-pflegeheimnavigator.de. Wer sich da umschaut, merkt schnell: Die meisten haben eine 1 vorm Komma. Die bedeutet nicht, dass alle Heime Spitze sind. Sondern nur, dass die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllt wurden.

Nadine-Michèle Szepan, Leiterin der Abteilung Pflege im AOK-Bundesverband, sagt: Schulnotensystem gaukeln Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen etwas vor: „In der Schule muss ein Schüler in der Regel für ein ‚Sehr gut‘ eine herausragende Leistung erbringen. Für eine Eins im Transparenzbericht reicht es, wenn die Pflegeeinrichtung überall die Mindeststandards erfüllt. In der Schule bekäme der Schüler dafür allenfalls ein ‚Ausreichend‘, also eine Vier.“ 

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Was auch nicht gerade hilft: Pflegeheime können gute Noten erhalten, indem sie Akten ausführlich führen oder wenn das Essen in Ordnung ist – und damit Mängel ausgleichen. „Wenn ich aber in der Gesamtbeurteilung häufiges Wundliegen mit einem guten Schnitzel oder einem schönen Gartenfest ausgleichen kann, dann ist das Instrument gescheitert“, sagt der Bundespatientenbeauftragte Wolfgang Zöller.

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Neue Regeln seit dem 1. Januar 2014 ändern da wenig: Es soll zwar weniger Bestnoten geben, und Angehörige sollen besser erkennen können, wie eine Einrichtung in Kernbereichen abschneidet – etwa bei der Abwehr von Druckgeschwüren und Flüssigkeitsmangel. Unwichtige Prüffragen wie „Veranstaltet das Pflegeheim Feste?“ wurden gestrichen. Antworten auf wichtige Fragen werden besser gekennzeichnet, und es werden mehr Betroffene bei den Prüfungen einbezogen.

Schlechte Noten bei wichtigen Punkte führt laut der Chefin des Verbands der Ersatzkassen, Ulrike Elsner, aber weiterhin nicht zur Abwertung eines Heims.

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Noch stehen im Pflege-Tüv die alten Noten – jedenfalls für Heime in München. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) prüft fünf Kategorien: Pflege und medizinische Versorgung im Umgang mit demenzkranken Bewohnern, Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung, Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene und Zufriedenheit der Bewohner.

 

Am wichtigsten für Betroffene ist „Pflege und medizinische Versorgung“, sagt Ottilie Randzio vom MDK. Es kommt aber nicht nur auf die Note an. Sie sollten sich immer selbst ein Bild machen.

 

Fragen und Vergleichen: Tipps für die Heim-Suche

 

Die AZ will Ihnen die Auswahl für ein gutes Pflegeheim erleichtern. Wir haben in einer Tabelle alle Einrichtungen im Umkreis von 20 Kilometer aufgelistet, die die Gesamtnote 1,0 haben.

Das ist schon mal ein Anfang. Um sicher zu sein, das Sie wirklich das passende Heim gefunden haben, reicht das jedoch nicht. Wir haben deshalb auch aufgeführt, welche Zusatzleistungen die Einrichtungen anbieten - und was der Eigenanteil je nach Pflegestufe für 30 Tage kostet.

Wichtig: Zu diesem Eigenanteil kommen noch tägliche Investitionskosten, die je nach Pflegeheim unterschiedlich sind - und die können leicht mehrere hundert Euro ausmachen. Wie viele Investitionskosten ein Pflegeheim verlangt, können Sie im AOK-Pflege-Navigator selbst unter "Weitere Preisinformationen" einsehen.

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Am Ende aber müssen Sie sich selbst ein Bild vom Heim machen. Die Leiterin der externen Qualitätsprüfung beim MDK, Heike Franzen-Krapoth, sagt, wie Sie das am besten anstellen:

*Jedes der fünf Hauptkriterien hat Dutzende Unterpunkte – die sind sehr wichtig: Ein Heim kann eine gute Note bei der Pflege haben, bei wichtigen Themen wie Flüssigkeitsversorgung, Dekubitus oder Sturzrisiko aber schlecht abschneiden. Diese Kriterien können Sie im Pflege-Tüv einsehen. Klicken Sie auf das Heim und scrollen Sie zur Grafik mit den Gesamtnoten. Unter jedem Bereich steht ein „i“ für „Info“ – klicken Sie das an, können Sie alle weiteren Kriterien samt Note sehen. Gehen Sie persönlich in die Einrichtung, rät Franzen-Krapoth – auch unangemeldet.

*Besuchen Sie Heime eher am Nachmittag. Sie sind meist weniger gut besetzt als im Frühdienst. Prüfen Sie: Werden die Bewohner beschäftigt? Wie sitzen sie da?

*Stellen Sie Fragen – direkt an den Pflegeleiter oder den Heimleiter.

*Besuchen Sie das Heim mit allen Sinnen, rät Franzen-Krapoth: Riecht es angenehm? Was sagen die Bewohner oder deren Angehörige?

Jede Einrichtung bekommt vom MDK einen Prüfbericht, der nicht veröffentlicht wird. Der ist viel detaillierter als der Transparenzbericht, der im Internet steht. Die wichtigsten Aussagen stehen auf den ersten 20 Seiten, sagt Franzen-Krapoth. Fragen Sie den Heimleiter, ob Sie ihn lesen können. Wenn er ihn rausrückt, ist das schon mal ein gutes Zeichen.