Alteingesessene berichten Müllerstraße: Szenemeile mit Fixpunkten

Gebrauchte DVDs, Filmposter und Autogramme in Hülle und Fülle gibt es in Dieter Hofmanns Laden "Film Oldies" – und das schon seit über 20 Jahren. Foto: Daniel von Loeper

Die Müllerstraße ist im Wandel, doch nicht alles ändert sich – wir haben mit alteingesessen Unternehmern über ihre Straße gesprochen.

Isarvorstadt - Wenn Dieter Hofmann, Geschäftsführer von Film Oldies, von den Anfängen seines Ladens an der Müllerstraße 46 erzählt, braucht man einiges an Vorstellungskraft, um die Geschichten mit dem Blick aus dem Fenster zusammen zu bringen: "Als ich vor 21 Jahren hierher kam, war die Müllerstraße wesentlich ruhiger", erzählt der 56-Jährige, "auch Gastronomie gab es bei weitem nicht so viel".

Und noch eine Anekdote, die frisch Zugezogene wohl zumindest ein bisschen wehmütig machen dürfte, hat Hofmann auf Lager: "Ich bin damals eher zufällig hier gelandet. Als ich den Laden entdeckte, stand der schon länger leer und war relativ günstig." Leerstand und günstige Mieten, das sind zwei Dinge, die man in der heutigen Müllerstraße länger suchen muss. Denn die Straße und das gesamte Gärtnerplatzviertel erfreuten sich in den vergangenen Jahren wachsender Beliebtheit. Inzwischen ist die Müllerstraße vor allem für ihre Cafés, Bars und das Nachtleben bekannt. Doch dazwischen gibt es sie noch, die alteingesessenen Traditionsläden. Sie sind die Fixpunkte auf einer Meile im Wandel.

 

Bunte Mischung von früher ist passé

Da gibt es zum Beispiel auch das Modegeschäft von Friedlinde Ecker. Seit 38 Jahren residiert das an der Müllerstraße 50. Die Inhaberin erinnert sich an Zeiten, als die Loretta Bar noch ein Blumenladen war, und der Basic-Bio-Supermarkt ein Möbelgeschäft. "Als ich hierher kam, war die Müllerstraße noch Teil eines gewachsenen, bunt gemischten Wohnviertels" erzählt sie. "Inzwischen kommt und geht hier Vieles." Die bunte Mischung von früher, die vermisst Ecker in den letzten Jahren etwas: "Inzwischen ist das Publikum sehr schick. Man muss sich die Straße schon leisten können."


Friedlinde Ecker (rechts) mit ihrer Tochter und Aushilfe Sabine Burmester. Foto: Daniel von Loeper

Die Wandlung der Müllerstraße hat man auch im Ausstellungsraum "Kunstbehandlung" beobachtet. "Die Straße hat sich schon sehr verändert, wir sind hier inzwischen die Dinosaurier", erzählt Martin, einer der Verantwortlichen, der sich selbst aber lieber als "Hausmeister", bezeichnet. Die Galerie, die auf Männerakte spezialisiert ist, zog vor 20 Jahren an die Müllerstraße 50. "Früher galt die Straße noch als der schwule Boulevard", erinnert sich Martin. "Inzwischen hat die junge Szene andere Möglichkeiten. Von früher 50 Schwulenkneipen gibt es vielleicht noch eine Hand voll."

Schöne Erinnerungen an früher

Diese Entwicklung fällt auch anderen auf. Dieter Hofmanns Laden lag schon immer direkt gegenüber des Schwulenclubs Bau. Bis auch der Anfang des Jahres für immer zumachte. "Früher war der Laden berühmt berüchtigt", erinnert sich Hofmann, "heute würde es so etwas hier sicher nicht mehr geben".


Die "Kunstbehandlung" gibt es hier seit 20 Jahren. Foto: Daniel von Loeper

Doch trotz einer gewissen Wehmut verbinden die Alteingesessenen auch viele schöne Erinnerungen mit ihrer Müllerstraße. So zeigt der "Hausmeister" der Kunstbehandlung stolz den Hinterhof des Ausstellungsraums, in dem es sich in lauen Sommernächten wunderbar zusammensitzen lässt. Und für Filmfreund Hofmann hat die unmittelbare Nachbarschaft zu einem Filmstudio zu vielen spannenden Begegnungen geführt. Veronica Ferres und Michaela May durfte er so schon kennenlernen und die US-Schauspielerin Julia Parrish gab in seinem Laden einst Autogramme: "Über so etwas freut man sich schon sehr", sagt Hofmann, bevor er von einem Stammkunden unterbrochen wird. Der stimmt sogleich einen schwärmerischen Lobgesang auf den Laden an. Die Begeisterung des Mannes – noch so ein Beweis, dass die Münchner ihre Fixpunkte auf der Müllerstraße nach wie vor schätzen.

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