Alte Akademie Umbaupläne präsentiert: Außen Historie, innen Luxus

, aktualisiert am 25.04.2016 - 17:41 Uhr
Gute Nachricht: Die Fassade zur Fußgängerzone hin bleibt, wie sie ist. Dahinter wird sich aber einiges ändern. Foto: Morger und Partner

Der Siegerentwurf für die Alte Akademie steht fest: Die Fassade bleibt großteils, so wie sie ist. Dahinter halten Geschäfte Einzug.

München - Wenn in der Altstadt saniert werden soll, dann breitet sich, schon bevor die Architekten die ersten Skizzen umreißen, eine unwohles Gefühl bei den Münchnern aus. Wird wieder eine historische Fassade Opfer ihrer hervorragenden Geschäftslage?

So war’s auch bei der Alten Akademie. Zu einem gruseligen Schauer wurde das Gefühl, als aus einigen Büros Entwürfe kamen, die die Arkaden nicht mehr vorsahen. Jetzt hat sich die Jury für einen Entwurf aus Basel entschieden und eines sei gleich gesagt: So schlimm werd’s ned.

Die Fassaden bleiben erhalten, auch auf die Arkaden müssen die Passanten in Zukunft nicht verzichten. Zumindest großteils: Im zuvor vieldiskutierten Eckbereich wird dichtgemacht. An der Ostseite wird es statt zwei, nur noch einen zentralen Torbogen geben, der dann in die mit dem Verschluss neu entstehende Verkaufshalle führt.

 

Stararchitekt David Chipperfield sitzt der Jury vor

 

Der Säulengang entlang der Neuhauser Straße wird außerdem schmaler, weil die Schaufensterfronten der Geschäfte deutlich nach vorne rücken sollen. "Allerdings nur so weit, dass der Arkadengang noch zum Durchlaufen genutzt werden kann", versichert Susanne Ritter, Direktorin der Stadtplanung.

Auch der innen gelegene Schmuckhof soll nicht völlig verfremdet werden: Säulen und Boden bleiben, wie sie sind. Dafür entstehen am Dach einzelne, recht klotzige Gauben, die Fenster im Erdgeschoss gehen künftig bis zum Boden runter – als Terrassentüren für Gastrobetriebe.

Der Architekt Sir David Chipperfield, der der Jury vorsaß, verkündete gestern offiziell den Sieg der Schweizer "Morger und Partner". Über die drei in die engere Wahl gekommenen Entwürfe sei heftig debattiert worden.

Lesen Sie hier: Am Marienhof: EHC-Bus checkt Taxi

Am Ende war’s wie im Märchen von "Goldlöckchen und die drei Bären": Ein Entwurf war zu kalt – der Bewerber aus England war der Jury dann doch zu vorsichtig. Der Vorschlag des zweiten Basler Bewerbers war zu heiß, also zu weit weg vom bestehenden Bauwerk. Und die Pläne der Morger-Architekten waren eben genau richtig.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk betont, dass „sich die Jury des historischen Erbes der Stadt München sehr bewusst war und mit dem Zuschlag eine hohe Verantwortung im Umgang mit der Bausubstanz bewiesen hat“.

Der Außenbereich mag also in Einzelteilen ein Grummeln auslösen, ein Verlust der Nachkriegsarchitektur ist aber nicht zu befürchten. Doch wie schaut’s innen aus?

 

Ein Mix aus Wohnungen und Ladenfläche

 

Etwa zwei Drittel der 22 000 Quadratmeter Fläche werden an Geschäfte und Gastronomie vermietet. „Keine Schnäppchenläden, wie gegenüber, aber auch kein Luxus“, kündigt Christoph Stadlhuber, Geschäftsführer des Investors, der österreichischen Signa Holding, an.

Für den Gastrobereich stelle man sich ein ähnliches Konzept wie im kürzlich eröffneten Eataly vor. In den Seitenflügeln des Schmuckhofes sind auf 4400 Quadratmetern Wohnungen geplant – im „der Lage entsprechenden“ Preissegment freilich. In den restlichen Räumen entstehen Büroflächen.

Lesen Sie auch: Denkmal-Haus: Üble Entmietungs-Masche?

Im nächsten Schritt wird es nun in die Detailplanung gehen. Bis zum Baustart dauert es also wohl noch mindestens ein Jahr. Abschluss der Arbeiten? "Irgendwann 2019", prognostiziert Stadlhuber. Der Bau war im 16. Jahrhundert Zentrum der Gegenreformation, dann zog das Jesuitenkolleg ein.

Nach schweren Bombenschäden wurde die Alte Akademie nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut, dabei entstanden auch die Arkaden. Ein geschichtsträchtiger Bau also.

Äußerlich wird dem noch Rechnung getragen. Alles Weitere wird sich wohl zeigen, wenn die Österreicher sich überlegen, welche zahlungskräftigen Mieter die Investition – bisher schon 240 Millionen Euro für die 65 Jahre Erbbaurecht – wieder reinbringen sollen.

JETZT LESEN

12 Kommentare

Kommentieren

  1. null