Als Alternative zu Pflegediensten Stadt will armen Senioren Haushälter spendieren

Der geplante Pflegedienst der Stadt soll armen Münchnern im Haushalt helfen. Foto: dpa

Putzen, kochen, einkaufen: Damit die Münchner auch im Alter noch selbstbestimmt zu Hause wohnen können, will die Stadt kostenlos Hilfe anbieten.

München - München ist eine verhältnismäßig reiche Stadt. Allerdings: Es gibt hier auch eine zunehmende Altersarmut. Um die 15.000 Senioren gelten mittlerweile als bedürftig. Denen will die Große Koalition im Rathaus nun aber tatkräftig unter die Arme greifen.

Die Stadt will eine Art kommunalen Pflegedienst gründen. Das haben SPD und CSU nun gemeinsam beschlossen. Der neue Dienst soll ärmeren Menschen im Haushalt kostenlos zur Hand gehen: Putzen, kochen einkaufen – wer im Alter da Unterstützung braucht, für den sollen die Haushaltshilfen der Stadt da sein.

Pflegedienste haben keine Kapazitäten – oder verlangen viel Geld

Die Stadtregierung will auf diese Weise sicherstellen, dass ältere Münchner auch ihren Lebensabend selbstbestimmt zu Hause verbringen können. Wer will schließlich ins Heim, wenn es nicht absolut notwendig ist? Natürlich niemand. Deshalb will die Stadt nun Pflegekräfte auf Hauswirtschafts-Tour schicken.

Ein vergleichbares Angebot gibt es in München bislang nicht. Wer Pflegestufe 1 hat, bekommt im Monat zwar 125 Euro für hauswirtschaftliche Hilfen. Dieses Geld kann man allerdings ausschließlich bei ambulanten Pflegediensten einlösen. Die wiederum haben jedoch oft keine Kapazitäten für einfache Hilfestellungen im Haushalt – oder sie verlangen dafür abstrus hohe Preise.

Wer sich das nicht leisten kann und auch in der Familie oder dem Bekanntenkreis niemanden hat, der im Haushalt mit anpacken kann, ist in der Regel deshalb auf sich alleine gestellt. "Es fehlen einfach die entsprechenden Hilfsstrukturen", sagt Christian Müller, der sozialpolitische Sprecher der Rathaus-SPD.

Die Stadtspitze will daran jetzt grundlegend etwas ändern. Wenn man ambulant helfen könne, sei das allemal deutlich besser als stationär, sagt Marian Offman, der Sozialexperte der CSU-Fraktion. "Deshalb müssen wir auch dafür sorgen, dass wir bei den betroffenen Leuten zu Hause ein geeignetes Umfeld schaffen", so Offman. Wie der kommunale Pflegedienst im Detail funktionieren soll, ist noch nicht geklärt. So ist beispielsweise auch die Frage offen, bis welchem Einkommen genau Senioren den Service in Anspruch nehmen dürfen. Und auch wo die Pflegekräfte herkommen sollen, ist noch unklar.

Hilfen auch in der Alten- und Servicezentren

Sollte sich Personal finden lassen, würden SPD und CSU gerne auch für die demnächst 35 Alten- und Servicezentren (ASZ) der Stadt Haushaltshilfen einstellen. Nicht in jedem ASZ gibt es bislang nämlich einen warmen Mittagstisch. Allerdings seien die Portionen im Supermarkt nicht für Ältere gemacht, sagt SPD-Stadträtin Constanze Söllner-Schaar. "Da ist oft schon ein Salatkopf zu viel", sagt sie. Deshalb wäre ein flächendeckender Mittagstisch überaus sinnvoll.

Was die Stadt in den Pflegedienst investieren muss, lässt sich noch schwer abschätzen. Eine hauswirtschaftliche Hilfskraft kostet im Jahr bis zu 30.000 Euro. Alleine für die Servicezentren dürften sich die Kosten also auf etwa eine Million belaufen. Insgesamt wird die Stadt aber deutlich mehr Geld aufbringen müssen.

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