Das Video, in dem mehrere Männer andere Fahrgäste in der Münchner U-Bahn angehen, verbreitete sich am Montag rasend schnell. Jetzt äußert sich die Polizei erstmals zu dem Vorfall. Das ist der aktuelle Ermittlungsstand.

München - Ein Student in der U-Bahn filmt mit seinem Handy, wie mehrere Männer andere Fahrgäste angreifen. Die Münchner Polizei spricht von "arabisch aussehenden Personen", die mehrere Fahrgäste "aggressiv bedrängen". Der kurze Ausschnitt zeigt, wie ein älterer Herr mit Brille geschlagen und in den Schwitzkasten genommen wird. Danach wird noch ein weiterer Mann angegangen, die Situation in der U-Bahn eskaliert. Nach etwa einer halben Minute ist das Video vorbei, etliche Fragen bleiben offen.

Am Montag wurde das Video über die sozialen Netzwerke verbreitet, einen Tag später äußert sich die Münchner Polizei zu den tumultartigen Szenen. Auf AZ-Anfrage bestätigt sie, dass sie seit Sonntag von dem Vorfall weiß, der sich am 30. Januar zwischen 18.10 Uhr und 18.15 Uhr zugetragen haben soll.

Wie die Situation endete und vor allem, wie es überhaupt zu den Angriffen gekommen ist, ist der Polizei noch unklar. Die Polizei sagt dazu: "Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch keine Auskunft zum genauen Ablauf der Auseinandersetzung gegeben werden." Der Student Tom R., der den Vorfall gefilmt hat, spricht in der Beschreibung unter dem Video von "Asylbewerbern" – noch ist aber noch unklar, ob es sich bei den Tätern wirklich um Flüchtlinge handelt. Auf AZ-Anfrage sagte die Polizei jedoch, dass ihnen die Aussagen von Tom R. "glaubwürdig" vorkommen würden. Er selbst distanziert sich klar von rechter Hetze, er sagt: "Ich wollte lediglich öffentlich zeigen, was passiert ist."

 

Aktueller Ermittlungsstand der Polizei

 

Nach den U-Bahn-Angriffen ermittelt die Münchner Polizei aktuell in mehreren Fällen von Körperverletzung. So hat auch der angegriffene Rentner bei der Grünwalder Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Tumulte an sich, und auch die Vorfälle, die sich vor dem Video ereignet haben könnten, sind laut Polizei strafrechtlich nicht zu verfolgen. Da der Angriff in einer der älteren U-Bahnen stattgefunden hat, kann die Polizei auch auf keine Videoaufnahmen aus dem Waggon zurückgreifen. Allerdings gibt es Aufnahmen vom Bahnsteig, die nun von den Ermittlern überprüft werden.

Die Polizei berichtete, dass 24 Stunden nach Bekanntwerden bei der Polizei insgesamt vier Personen eindeutig identifiziert werden konnten. Bei den Identifizierten handelt es sich um drei Täter und Tom R., den Macher des Videos. Die drei Männer kommen alle aus Afghanistan und sind 19, 20 und 23 Jahre alt. Die drei Afghanen sollen am Mittwoch zur Sache vernommen werden. In den Vernehmungen soll der Sachverhalt, der jeweilige Personenstatus und die Tatbeteiligungen ermittelt werden. Der Filmersteller ist bereits zum Sachverhalt befragt worden.

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Zudem bittet die Polizei, sich direkt über den Notrufknopf in der U-Bahn oder direkt per Telefon bei der Polizei zu melden. Laut Polizei waren zum Tatzeitpunkt 170 Polizeistreifen in München unterwegs, die schnell hätten eingreifen können. So ist der Vorfall nun aber nicht mehr direkt zu rekonstruieren, was die Ermittlungen zusätzlich erschwert. Die Polizei gab am Dienstagnachmittag folgenden Hinweis heraus: "Ihr habt eine starke Polizei an eurer Seite. Aber in solch einer Situation nicht den Notruf 110 zu wählen, erschwert uns die Arbeit und gefährdet eure Sicherheit."

Die Polizei ist auf der Suche nach der Frau, die ebenfalls in der Beschreibung von Tom R. erwähnt und dringend als Zeugin benötigt wird. Diese soll von einem der Männer beleidigt und am Rücken berührt worden sein. Danach soll es dann zu den Angriffen auf die beiden Männer gekommen sein. Falls sich die Frau bei der Polizei meldet, könnte sie die Ermittlungen weitgehend vorantreiben.

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