"Aktion Kontrolle Grün" Stadt schickt Baumschandis auf Pflanz-Kontrolle

Im September erschüttert der Kahlschlag an der Mauerkircherstraße 65 die Anwohner: Für einen Neubau werden hier 20 Bäume gefällt. Foto: Nina Job

Jährlich verschwinden in München 2.500 Bäume – weil sich Eigentümer vor Nachpflanzungen drücken. Jetzt soll die "Aktion Kontrolle Grün" Druck machen

München - Die Bilder tun weh, immer wieder. Mal verschwinden Alleebäume, wie kürzlich am Dantebad. Mal Wäldchen wie an der Kolbergerstraße, wo eine alte Villa einem fünfstöckigen Neubau weichen muss. Und mal sind es einzelne Garten-Fichten, Linden oder Kastanien, weil sie Häuser verschatten, nicht mehr fest wurzeln oder einem Anbau im Weg stehen.

Münchens Grün, es schrumpft bedrohlich. Jedes Jahr um rund 2500 Bäume, beklagen die Münchner Grünen und der Bund Naturschutz schon lange. Und schauen besorgt auf Münchens Stadtklima. Allein von 2010 bis 2015 sind mehr als 47.000 Bäume im Stadtgebiet gefällt worden, listet nun das Stadtplanungsreferat auf: 5.000 auf öffentlichem Grund, 16.000 weil Neubauten entstanden sind und 26.000, für die die Besitzer Einzelfällungen beantragt hatten.

Und obwohl es eine Nachpflanz-Pflicht gibt (notfalls ein Stückerl weiter weg; wenn das nicht geht, werden Ausgleichszahlungen verlangt), drücken sich immer mehr Grundeigentümer davor, junge Bäume nachzupflanzen. Erfolgreich bislang, denn mangels Personal wurde zu selten kontrolliert.

"Brauchen jeden Baum fürs Stadtklima"

Nun ist klar: Von den 47.000 gefällten Bäumen sind nur gut die Hälfte ersetzt worden. Jetzt macht die Stadt Druck – und hat zusätzliche Baum-Kontrolleure beschlossen. Im Rahmen einer "Aktion Kontrolle Grün" sollen die neuen Baum-Schandis nicht mehr nur Stichproben machen. Sondern bei 60 Prozent aller Fällungen überwachen, ob tatsächlich so viele neue Bäume wie angeordnet nachgepflanzt werden.

Wer sich weiterhin drückt, muss mit Zwangsgeld und Bußgeldverfahren rechnen. Vor allem Privateigentümern werden die neuen Schandis auf die Finger schauen – denn die mogeln besonders gern. Von vier privat gefällten Bäumen seien im Durchschnitt nur drei nachgepflanzt worden, haben die Baumexperten berechnet.

"Wir hätten uns natürlich 100 Prozent Kontrollen gewünscht", sagt Grünen-Stadträtin Sabine Krieger. "Aber es ist immerhin ein Anfang, wir brauchen ja jeden Baum fürs Stadtklima." Zufrieden ist man bei der SPD: "Die verstärkte Kontrolle wird eine klare Signalwirkung auf die Grundstückseigentümer haben", sagt Stadträtin Heide Rieke, "das wird die Bereitschaft, nachzupflanzen, erhöhen."


Leseraufruf: Was sagen Sie dazu?

Gibt es bei Ihnen im Viertel auch Kahlschlag oder Bäume, die unter Baumaßnahmen leiden? Fällt Ihnen auf, dass immer mehr Grün abgeholzt – aber nicht wieder nachgepflanzt wird?

Und was halten Sie nun davon, dass die Stadt künftig Baum-Sheriffs durch die Viertel schickt, um die in vielen Fällen eigentlich vorgeschriebenen Ersatzpflanzungen auch nachukontrollieren?

Schreiben Sie uns: leserforum@az-muenchen.de oder AZ, Garmischer Straße 35 81373 München

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