Der Medtech-Firma cerbomed aus Erlangen gelingt Nervenstimulation ohne Operation

Depressionserkrankungen nehmen immer mehr zu - mit vermutlich hoher Dunkelziffer. Dramatische Einzelschicksale wie das von Robert Enke konfrontieren die Öffentlichkeit damit. Der Anteil der therapieresistenten Patienten ist sehr hoch und genau hier setzt ein Medizintechnikunternehmen aus Erlangen an. Mit einem innovativen Therapiegerät gelingt es cerbomed erstmals, den Vagusnerv durch die Haut am Ohr und damit weniger belastend und vor allem ohne Operation zu stimulieren.

Das Gerät NEMOS wurde von cerbomed für Patienten entwickelt, die an verschiedenen schwer behandelbaren neurologischen und psychiatrischen Krankheiten leiden. Derzeit kommt es in klinischen Studien vor allem bei Epileptikern mit Pharmakoresistenz - hier schlägt die medikamentöse Therapie nicht oder unzureichend an - zum Einsatz. Der Markteintritt für NEMOS ist für Mitte 2012 geplant. Für die Anwendung bei weiteren Indikationen, wie chronische Migräne, Tinnitus und Schizophrenie, laufen derzeit auch klinische Studien.

Die t-VNS Therapie von cerbomed nutzt die Tatsache, dass Äste des Vagusnervs direkt unterhalb der Haut in spezifischen Regionen der Ohrmuschel verlaufen. Diese können mit elektrischen Impulsen durch die Haut (transkutan) stimuliert werden. NEMOS besteht aus einer Stimulationseinheit und einer Ohrelektrode, die der Patient wie einen Ohrhörer über drei bis fünf Stunden am Tag trägt.

Mit t-VNS hat cerbomed zudem eine höchst attraktive Alternative zur invasiven VNS-Behandlungsmethode, anderen Neurostimulationsverfahren sowie chirurgischen oder pharmakologischen Therapien entwickelt. Diese Therapieansätze sind entweder mit hohen Risiken verbunden oder haben zahlreiche unerwünschte Nebenwirkungen.

Das private Medizintechnikunternehmen wurde 2005 mit dem Ziel gegründet, die unternehmenseigene Technologie zur transkutanen Vagusnervstimulation sowie Geräte für ihren therapeutischen Einsatz zu entwickeln und zu vermarkten. NEMOS Produkte sind die ersten nicht invasiven VNS-Geräte, die eine gezielte Stimulation des Gehirns ermöglichen. Das Unternehmen hat 2010 für NEMOS die europäische Zulassung erhalten.

Dr. Günther Beckstein über cerbomed: „Der Leidensdruck von Patienten, die an schwer behandelbaren Epilepsien leiden, ist enorm. Ich freue mich, dass innovative Unternehmen wie cerbomed diesen Menschen die Chance auf eine wirksame Therapiealternative eröffnen und damit helfen, die Lebensqualität der Patienten und ihrer Angehörigen zu erhöhen. Auch hier zeigt sich wieder die Innovationskraft junger Unternehmen aus Bayern."