Der Nachbar der Rodel-Legende Schorsch Hackl wurde zu acht Monaten Bewährung verurteilt. Er hatte mit einem 50cm langen Nagel auf den Rodel-Star eingeschlagen. 

Laufen - In einer Strickjacke mit Kapuze erscheint der Ausnahmeathlet zum Prozess. Wie alle anderen Besucher des Gerichtsgebäudes muss er durch eine Sicherheitsschleuse gehen und sich mit dem Scanner abtasten lassen. Vor dem Urteil will er sich vor Journalisten nicht äußern.

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Schnell wird in der von Richter Christian Liegl geführten Verhandlung klar, dass Aussage gegen Aussage steht, was den Tatablauf an jenem Mittag betrifft. Der Angeklagte – ein bisher unbescholtener pensionierter Postbeamter – berichtet, Hackl habe mit der Schneefräse die auf der Terrasse stehende Ehefrau des Nachbarn regelrecht zugeschüttet. „Die sah aus wie ein Schneemann.“

Nachdem er ihn erfolglos aufgefordert habe, das Schneeräumen in seinen Garten einzustellen, habe er den 46-Jährigen mit dem Gartenschlauch nass gespritzt. „Dann hat er eine Stange von seiner Fräse genommen und auf mich eingeschlagen“, sagt der 65-Jährige. Er sei dadurch an der Schulter verletzt worden und habe sich mit dem langen Stahlnagel lediglich gewehrt.

Ganz anders die Version von Hackl, der als Beruf Soldat angab: Er schildert seinen Nachbarn als sehr aggressiv. Als er vom Wasser aus dem Gartenschlauch nassgeworden sei, „dachte ich, nanu, wo kommt das denn her?“ Schnellen Schrittes sei der Nachbar dann auf ihn losgegangen und habe mit dem Nagel zugeschlagen. Über dem linken Ohr erlitt Hackl eine stark blutende Platzwunde – und das, obwohl er bei dem Schlag eine Mütze trug. „Ich habe sofort die warme Brühe gespürt“, schilderte der Rodler, „die Mütze war voller Blut“.

„Damit ich auch was in der Hand habe“, habe er sich schon zuvor mit dem Plastikstock bewaffnet. Er versicherte dem Richter aber mehrfach, den Angeklagten nicht einmal berührt, geschweige denn geschlagen zu haben. „Ich hatte gar keine Gelegenheit zur Gegenwehr.“ Dann flüchtete der Sportsmann ins Haus und sperrte die Tür ab, ehe er Polizei und Sanitäter rief. Die Wunde musste genäht werden.

Es folgten Strafanzeigen beider Streithähne, die Ermittlungen wurden aber eingestellt – bis sich die Mutter von Hackl meldete und die Version ihres Sohnes bestätigte. Das Verfahren wurde wieder aufgenommen, es kam zur Anklage gegen den Nachbarn, während dessen Verfahren bislang eingestellt blieb. Die Aussage der Mutter, die das Geschehen vom Balkon aus verfolgt haben will, gab denn auch bei der Urteilsverkündung den Ausschlag. Der Richter ließ keinen Zweifel, dass er der 66-Jährigen glaubt.

Nach der Urteilsverkündung sagte ein nachdenklicher Georg Hackl, den alle eher als Spaßvogel kennen, er sei zwar froh, dass es dem Angeklagten vor Gericht nicht gelungen sei, die Wahrheit umzudrehen. Er sei aber betrübt darüber, „dass ich meine Mutter nun „neben diesem renitenten Nachbarn zurücklassen muss“. Denn Hackl selbst zieht gerade in ein neu gebautes Haus um.

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