Nach den Verletzungen von Boateng und Martínez legt der FC Bayern in der Verteidigung nach – und holt den Stuttgarter per Leihe. „Er ist in der Lage, uns mit seiner Qualität und Erfahrung sofort zu helfen.“

München - Nun also doch: Der FC Bayern hat am letzten Tag der Wechselperiode auf die Verletzungssorgen in der Defensive reagiert und einen neuen Innenverteidiger verpflichtet: Serdar Tasci, der sieben Jahre für den VfB Stuttgart spielte, wechselt von Spartak Moskau auf Leihbasis zu den Bayern. Das bestätigte der Verein auf seiner Homepage. Die Leihgebühr bis zum Sommer soll 2,5 Millionen Euro betragen, für zehn Millionen kann der 28-Jährige dann fest verpflichtet werden.

„Wir sind froh, dass wir kurzfristig die Möglichkeit bekommen haben, einen Spieler wie Serdar Tasci zum FC Bayern zu holen“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer, „er ist in der Lage, uns mit seiner Qualität und Erfahrung sofort zu helfen.“ Tasci selbst erklärte nach seiner Vertragsunterschrift: „Ich fühle mich sehr gut und freue mich riesig auf die Herausforderung. Ich hoffe, dass ich der Mannschaft weiterhelfen kann.“

Noch am Sonntag hatte sich Karl-Heinz Rummenigge zurückhaltend geäußert. „Es gibt keine guten Spieler, die von guten Vereinen abgegeben werden in der Winterperiode. Das würden wir ja auch nicht machen“, sagte der Vorstandsvorsitzende nach dem 2:0-Sieg gegen Hoffenheim. Einen Tag später änderten die Bayern ihre Meinung.

 

Kurz vor Transferschluss war der Deal perfekt

 

Tasci, der 2007 Deutscher Meister wurde mit dem VfB, war in den vergangenen Tagen mit Schalke 04 in Verbindung gebracht worden. Doch Schalke und Moskau konnten sich nicht einigen. Gut aus Sicht der Bayern, die nun kurz vor Transferschluss diesen Deal realisierten, der eher als Not- denn als Wunschkauf durchgeht. Die Verletzungen von Jérome Boateng, der bis zu drei Monate ausfällt, und Javi Martínez (Rummenigge: „Eine Sache von Wochen“) bewirkten bei der Klubspitze ein Umdenken. Doch Weltklasse wie Boateng oder Martínez verkörpert Tasci freilich nicht.

Bei Spartak Moskau, Tabellenachter der russischen Premier Liga, war der Ex-Nationalspieler gesetzt, absolvierte in dieser Hinrunde 16 von 18 Partien. Seit Ende November hat Tasci allerdings kein Spiel mehr bestritten, die Winterpause in Russland dauert von Anfang Dezember bis Anfang März. Vorteil des Tasci-Deals: Er darf in der Champions League spielen, weil er dort in dieser Saison noch nicht im Einsatz war.

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Ob das allerdings auch den Wünschen von Trainer Pep Guardiola entspricht, bleibt abzuwarten. Tasci ist ein Sicherheitstransfer, um zumindest in der Bundesliga das Saisonziel Meisterschaft zu erreichen. Guardiola hingegen tüftelt wohl schon an einer Taktik für das Champions-League-Achtelfinale gegen Juventus (23. Februar/16. März). Ob Tasci da tatsächlich eine Rolle spielt?

 

Kimmich und Badstuber überzeugten gegen Hoffenheim

 

Gegen Hoffenheim probierte es Guardiola mit Lieblingsschüler Joshua Kimmich in der Abwehrzentrale an der Seite von Holger Badstuber. „Holger ist ein strenger Lehrer“, sagte der 20-Jährige scherzhaft auf AZ-Nachfrage. „Nein, das passt mit ihm, er ist ein Winner-Typ, gibt Kommandos.“ Kimmich und Badstuber lösten ihre Aufgabe souverän, hinterher gab es Lob. „Joshua Kimmich hat es heute super gemacht“, sagte Manuel Neuer.

Guardiola erklärte beinahe verliebt: „Er ist ein süßer, süßer Junge. Joshua hat gut gespielt heute, er hat die Qualität. Er ist ein schneller Spieler, hat ein gutes Kopfballspiel, ist intelligent, vertraut uns. Also haben wir einen neuen Innenverteidiger.“ Nun hat er noch einen.