Abwanderung in Ostdeutschland Dem Osten gehen die Frauen aus

Die fünf neuen Bundesländer haben seit der Wiedervereinigung 2,3 Millionen Menschen verloren. Übrig bleiben vor allem: die Männer.

Berlin - Sie telefonieren, mailen und skypen mit ihren Töchtern und Söhnen, die jetzt in Berlin, Frankfurt, München, Hamburg oder Wien leben. In Ostdeutschland muss eine Elterngeneration intensive Fernbeziehungen zu ihren Kindern pflegen.

Denn: In Scharen haben vor allem die Jungen in den 90er Jahren und in einer zweiten Welle um die Jahrtausendwende die fünf neuen Länder verlassen – auf der Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen, nach Zukunft und einem guten Einkommen. Insgesamt sind seither 2,3 Millionen Menschen weggegangen.

Der Männerüberschuss: Weil in den Wendewirren ohnehin wenige Kinder geboren wurden, sprechen Bevölkerungsforscher nun von der halbierten Generation. Und sie verweisen auf ein Phänomen: den Männerüberschuss. „Die ländlichen Räume Ostdeutschlands weisen ein großes Defizit an jungen Frauen auf, das selbst auf europäischer Ebene beispiellos ist“, heißt es in einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zu Ursachen und Folgen der Abwanderung aus den fünf neuen Bundesländern.

In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen gibt es viele Kreise mit bis zu 25 Prozent mehr Männern als Frauen, konstatiert das Bundesinstitut in Wiesbaden.

Man könnte es auch so nennen: Im Osten ist „Not am Mann“. So überschrieb das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung eine Untersuchung, die vor einigen Jahren erstmals auf das Problem und die schlechten Karten gering qualifizierter junger Männer auf dem ländlichen Heiratsmarkt aufmerksam machte.

Die Frauen haben meist die bessere Schulbildung

Schlechte Chancen auf dem Land, gute in den Städten: Im Gegensatz zur Not der Dörfer und Kleinstädte entwickeln sich einige Städte inzwischen wieder zu „Wachstumsinseln“ inmitten der „Schrumpfregion“ Ost. Dazu zählen Jena, Greifswald oder Weimar, aber auch das Umland von Berlin sowie Leipzig, Dresden, Erfurt und neuerdings auch Magdeburg.

Warum die Frauen weggehen: Der Männerüberschuss hat seine Ursache in den besonders mobilen ostdeutschen Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren. Und in ihren im Vergleich zu Männern tendenziell besseren Schulabschlüssen – darin sind sich alle Wissenschaftler einig. Die jungen Frauen packten vor allem in den Regionen die Koffer, die entlang der Landesgrenzen zu Bayern, Hessen oder Niedersachsen liegen.

Von wo es die Frauen wegzieht: Als Gegenden mit Frauenmangel in der Altersgruppe bis 39 Jahren gelten beispielsweise die Region Parchim in Mecklenburg-Vorpommern, das Jerichower Land in Sachsen-Anhalt, die brandenburgische Prignitz, Mittelsachsen oder der Kreis Schmalkalden-Meiningen im Süden Thüringens.

Wo es die Damen hinzieht: Greifswald, das in einer strukturschwachen Region Mecklenburg-Vorpommerns liegt, hat heute den höchsten Frauenanteil an der Bevölkerung der 18- bis 24-Jährigen, hat das Bundesinstitut errechnet.

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