Nach dem Fund einer amerikanischen Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg und einer aufwändigen Evakuierung am Mittwochmorgen und - vormittag wurde die Bombe am Nachmittag erfolgreich entschärft.

München - Es war gegen 15 Uhr, als die Bauarbeiter am Dienstag rostiges Metall im Erdreich freilegten. Sofort schlugen die Arbeiter Alarm. Wenig später wurde der erste Verdacht bestätigt: Es handelt sich um eine Fliegerbombe. Seitdem ruhen die Arbeiten auf der Baustelle im Bereich an der Adams-Lehmann-Straße und der Petra-Kelly-Straße südlich des Olympiaparks.

Dabei handelt es sich um eine 226 Kilogramm schwere US-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg.

Vor Ort entschieden Einsatzkräfte und den Kampfmittelräumdienst, dass noch am Abend in der Georg-Birk-Straße eine Teilevakuierung stattfinden sollte. Unter den 140 betroffenen Anwohnern befanden sich sechs Pflegepatienten. Die Leitstelle der Berufsfeuerwehr organisierte für diese Personen eine geeignete Unterkunft.

 

Kurz nach 16 Uhr: Fliegerbombe wurde erfolgreich entschärft

 

Um 15.37 Uhr haben die Sprengmeister mit der Bombenentschärfung angefangen, nach einer halben Stunde konnte dann Entwarnung gegeben werden: Die Schwabinger Fliegerbombe wurde erfolgreich entschärft - die Sprengmeister konnten den Zünder entnehmen.

Nun wird die Bombe abtransportiert, auch die Straßensperren wurde eine halbe Stunde nach der erfolgreichen Entschärfung aufgehoben. Der Verkehr in Schwabing kann also wieder fließen. Wie die Feuerwehr bekanntgab, können die Bewohner ab jetzt wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Das Betreuungsangebot in der Olympiahalle ist während der Maßnahmen von lediglich 290 Personen in Anspruch genommen worden.

 

 

 

Evakuierung am Mittwoch ab 10 Uhr morgens - Entschärfung gegen 15.30 Uhr

 

Die Entschärfung der Fliegerbombe ist, wenn alles nach Plan läuft, für Mittwochmorgen geplant. Zuerst hieß es in einer Mitteilung der Feuerwehr, dass die Evakuierungsmaßnahmen gegen 8 Uhr morgens beginnen würden – mit Warndurchsagen wurde die Bevölkerung auf die geplante Entschärfung hingewiesen. Die Vorbereitungen zogen sich hin, die Evakuierung konnte nicht, wie geplant, um 8 Uhr stattfinden. Um 9.15 Uhr gab die Feuerwehr über Twitter bekannt, dass die Evakuierung des betroffenen Areals um 10 Uhr beginnen würde.

Für die Anwohner ist in der Olympiahalle eine Betreuungstelle eingerichtet, der Zugang erfolgt über den nördlichen Eingang. Um die Betroffenen sicher dorthin zu bringen, wurde von der Feuerwehr ein Shuttle-Service zur Olympiahalle eingerichtet. Der Bus hält an folgenden Stationen: Ackermannstraße, Elisabeth-Kohn-Straße sowie Winzerer Straße, Schwere-Reiter-Straße. Laut Feuerwehr haben sich gegen 11.50 Uhr lediglich 30 Personen in der Halle eingefunden. Der AZ-Reporter vor Ort sprach gegen 13 Uhr von etwa 50 Personen in der Olympiahalle – größtenteils ältere Personen, oder Kinder, deren Eltern in der Arbeit sind. (Stand: 13 Uhr)

 

 

 

150 Feuerwehrmänner und 200 Polizisten vor Ort

 

Nach AZ-Informationen sind aktuell rund 150 Einsatzkräfte der Feuerwehr und etwa 200 Polizisten im Einsatz. Die Münchner Polizei spricht insgesamt von rund 400 Polizisten und Feuerwehrmännern. Die Evakuierung des Gebiets stellt sich als sehr aufwändig dar – ca. 7.500 bis 8.000 Menschen müssen aus dem Areal gebracht werden. Auch das Arbeitsgericht und das Zentralfinanzamt liegen im betroffenen Bereich.

Nach Informationen vor Ort ist die Evakuierung mittlerweile "weitgehend abgeschlossen" – die Einsatzkräfte gehen davon aus, dass die Entschärfung gegen 15 Uhr stattfinden kann. Mittlerweile werden auch Verkehrssperren errichtet, so dass keine Fahrzeuge mehr in den entsprechenden Bereich fahren können. Komplett abgeschlossen sollen die Maßnahmen gegen 13 Uhr sein. Obwohl vermutlich schon alle Personen ihre Wohnungen verlassen hatten, mussten sich die Einsatzkräfte durch Klingeln versichern, dass sich niemand mehr im betroffenen Gebiet befindet – deswegen dauerte die Evakuierung mehrere Stunden an.

Gegen 14.25 Uhr flog ein Polizeihubschrauber über das Sperrgebiet, um ein letztes Mal das Areal zu überprüfen. Die Polizei gab grünes Licht, die Einsatzkräfte haben sich nochmals zusammengesetzt und die Bombe begutachtet. Um 15.25 Uhr gab die Feuerwehr über Twitter bekannt, dass alles glatt gelaufen ist und die Fliegerbombe in den nächsten Minuten entschärft werden kann.

 

 

 

Feuerwehr: Rückkehr in Wohnungen gegen 19 Uhr

 

Ein Polizeisprecher erwartete am Mittwochmorgen, dass sich die Evakuierung des Gebiets über Stunden hinziehen könnte. Jeder Bewohner muss den Absperrbereich verlassen haben, bevor mit der Entschärfung der Bombe begonnen werden kann. Die Feuerwehr geht davon aus, dass die Bewohner erst "in den frühen Abendstunden" wieder in ihre Wohnungen zurückkehren könnten. Mittlerweile wurde die Feuerwehr konkreter – als Zeitpunkt wurde 19 Uhr genannt.

Allerdings könnte es bei Problemen auch zu seiner Sprengung der Bombe kommen. Wolfgang Behr von der Münchenr Polizei zum "BR": "Falls der Sprengmeister bei einer genauen Begutachtung der Fliegerbombe feststellt, dass die Schrauben, mit denen der Zünder befestigt ist, rostig oder stark verschmutzt sind, und sich deshalb nicht einfach lösen lassen, muss man die Bombe sprengen."

 

Der betroffene Absperrradius ist eingekreist. Foto: Berufsfeuerwehr München

 

Sperrgebiet und Bürgertelefon für Anwohner

 

Der Absperrradius rund um den Fundort beträgt 500 Meter. Es sind folgende Straßen davon ganz oder teilweise betroffen (siehe Grafik): Georg-Birk-Straße, Elisabeth-Kohn-Straße, Centa-Herker-Bogen, Agnes- Neuhaus-Straße, Ackermannstraße, Lissi-Kaeser-Straße, Petra-Kelly-Straße, Adams-Lehmann-Straße, Schwere-Reiter-Straße, Elisabethstraße, Barbarastraße, Gustav-Landauer-Bogen, Felix-Fechenbach-Bogen, Therese- Studer-Straße, Rosa-Aschenbrenner-Bogen, Deidesheimer Straße, Saarstraße, Hildeboldstraße, Winzererstraße, Mitterwieserstraße, Teilbereiche der Clemens-, Herzog- und Hohenzollernstraße.

Alle Personen, die sich am Mittwoch, den 23. März 2016 im Sperrgebiet aufhalten, werden aufgefordert, dieses um 8.00 Uhr zu verlassen, bzw. ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu betreten.

Die Münchner Feuerwehr hat ein Bürgertelefon eingerichtet: Unter der Rufnummer 089/2353-5555 können sich betroffene Anwohner über die aktuelle Lage informieren.

 

 

 

MVG-Einschränkungen aufgehoben

 

Nach der Entschärfung der Bombe gab die Polizei via Twitter bekannt, dass die Busse und Trambahnen wieder fahren würden.

Zuvor gab es folgende Einschränkungen: Linien 12 und 53: Die Fahrzeuge befahren den Abschnitt zwischen Leonrodstraße und Nordbad ohne Halt, die Haltestellen Infanteriestraße und Barbarastraße können in beiden Richtungen nicht angefahren werden. Die Busse der Linie 59 enden bereits am Nordbad, die Haltestellen Barbarastraße, Infanteriestraße, Elisabeth-Kohn-Straße, Spiridon-Louis-Ring, Ackermannbogen und Saarstraße entfallen. Laut MVG werden die Behinderungen wohl bis etwa 22.00 Uhr andauern.

 


Der Fundort der Fliegerbombe (roter Kreis) in Schwabing. Karte: Google Earth

 

Der Fund weckt Erinnerungen an die "Schwabinger Fliegerbombe", die im August 2012 gefunden worden war. Rund 2500 Anwohner mussten damals bei Bekannten oder in Notunterkünften übernachten. Weil der Blindgänger nicht wie geplant entschärft werden konnte, wurde er von Spezialisten kontrolliert gesprengt.

Sehen Sie hier: Bombenfund in Schwabing 2012 - die Bilder

Die Explosion, die in der ganzen Stadt zu hören war, beschädigte einige umstehende Häuser.