Im Münchner Norden wird derzeit das größte transportable Riesenrad der Welt getestet. Die AZ hat eine Probefahrt gewagt.

München - Es ist ein ungewohnter Ausblick. Rundum ein paar Industriebetriebe und Brachflächen, Züge voller nagelneuer BMWs. Ein bisschen weiter weg wird’s dann schon interessanter: Die Allianz Arena taucht auf. Das Olympiazentrum. Hochhäuser. Und weit hinten ist noch die Frauenkirche zu erkennen.

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Ort des Geschehens: Eine von 54Gondeln des größten transportablen Riesenrades der Welt. Es ist angenehm hier drinnen, knapp 80 Meter über dem Frankfurter Ring. Die Kabine mit den acht Plätzen hat einen kleinen Tisch in der Mitte, man könnte auch ein kleines Essen veranstalten. Die Belüftung säuselt, die Heizung ist offenbar noch nicht in Aktion. „Alle Gondeln sind voll klimatisiert“, sagt Maximilian Nenning von Bussink Design. Firmenchef Ronald A.Bussink hat den R80XL entworfen. Gebaut und aufgebaut wurde er in den letzten Wochen beim Systempartner „Maurer Söhne“ in Freimann.

„Unser Riesenrad setzt völlig neue Maßstäbe, was Design, Technik, Komfort und Sicherheit angeht“, schwärmt Nenning. Die Steuerkabine strotzt vor Siemens-Hightech, der Operator muss sich regelmäßig mit Fingerabdrücken auf einem Scanner identifizieren, sonst läuft ein Notfall-Programm an. Die Türen öffnen und schließen automatisch, die Runden dauern 15 bis 30Minuten – je nach Andrang oder Fahrgastwunsch.

Rund 750 Tonnen wiegt das ganze Ungetüm. Dabei wirkt es auch aus der Nähe äußerst elegant, fast filigran. Auf bunt blinkende Jahrmarkt-Lämpchen hat Bussink ganz bewusst verzichtet, die Räder, Gondeln und Streben sind mit 500000 weißen LEDs illuminiert. „Das wirkt einfach und edel“, sagt der Firmensprecher. „Das Riesenrad soll keine typische Jahrmarkt-Attraktion sein. Sondern ein Symbol für eine Stadt oder eine Region.“

Wenn alle Tüv-Tests abgeschlossen sind, wird R80XL wieder abgebaut. Und in Richtung Südamerika verschifft. „Es kommt nach Mexiko in die Region Puebla“, sagt Nenning. Den Kunden mag er noch nicht nennen. Und auch beim Kaufpreis ist er zurückhaltend: „Es ist eine zweistellige Millionensumme – mehr kann ich nicht sagen.“ Nur so viel noch: „Das London Eye war wesentlich teurer.“ Mit 135 Metern allerdings auch ein wenig höher. Aber dafür halt auch nicht transportabel. Zur Orientierung: Das Wiesn-Riesenrad ist 55 Meter hoch.

Die Achter-Kabine, in der die AZ eine erste Testfahrt mit dem Maxi-Riesenrad unternahm, ist natürlich nicht die einzige Ausführung. Die Geschmäcker sind ja verschieden. Und so gibt es noch welche nur mit zwei gegenüber liegenden Bänken, eine Rücken-an-Rücken-Version, eine mit Cocktail-Tischchen. Und eine etwas extravagantere VIP-Ausführung mit nur sechs Plätzen. Bildschirme und Lautsprecher sind in alle Kabinen des Schweizer Lift-Herstellers CWA eingebaut, ein USB-Anschluss ist ebenfalls drin sowie ein Rauchmelder.

Und eine große rote Notfall-Taste an der Decke gehört auch zur Ausstattung. „Im Falle eines Notfalls kann die Kabine dann schnell nach unten gefahren werden“, so der Bussink-Sprecher. Und damit auch niemand nach Betriebsschluss in einer Gondel vergessen wird, gibt es sogar noch einen Bewegungsmelder.

So viel Aufwand bei Entwicklung und Bau nur für ein R80XL wäre natürlich unrentabel. Drum planen die Väter des riesigen Rades eine Kleinserie. Zwei weitere Räder sind bereits in Produktion. Sie sollen Ende 2013 und Anfang 2014 ausgeliefert werden. Und vorher wird R80XL noch im Guinnessbuch der Rekorde landen.