Milan Nedeljkovic ist der neue Leiter des Standorts. Was er neben dem Sitzen ohne Stuhl noch so alles vor hat.

München - Das Namensschildchen für die blaue Werksjacke von Milan Nedeljkovic ist ordentlich gestickt, er redet ohne mit der Wimper zu zucken vom „Pulsieren eines Autowerks“, als er die Grafik mit den Produktionszahlen der vergangenen Jahre zeigt, die mitunter sehr schwanken. Kein Wunder, improvisiert oder kurzfristig ist hier nichts passiert. Schon am 1. Dezember hat Nedeljkovic als neuer Werksleiter das BMW-Werk München übernommen. Vorher ist der 46-Jährige verantwortlich für die Fahrzeugmontage im BMW-Werk in Leipzig gewesen, und auch seinen ersten Job in einer Führungsposition hat er 1999 bei dem bayerischen Unternehmen gehabt, im Presswerk in München.

Nun ist er wieder hier und will weiterführen und weiterentwickeln, was sein Vorgänger 2014 begonnen hat: Unter Hermann Bohrer hatte BMW ein großangelegtes Investitionsprogramm für das Münchner Werk mit seinen mehr als 7750 Mitarbeitern beschlossen. 700 Millionen Euro werden bis zum Jahr 2018 in den Standort investiert – das meiste in die Fertigungskomplexe für Karosserie (220 Millionen) und die neue Lackiererei (ebenfalls 220), die umweltfreundlicher und ressourcenschonend sein soll. „Diese Investitionen ermöglichen uns neue, technologische Sprünge“, sagt Nedeljkovic.

Der gebürtige Serbe, der in Wuppertal aufgewachsen ist, war an dieser Strukturentscheidung freilich noch nicht direkt beteiligt, „aber 2014 war es schon klar, dass ich herkomme, da habe ich mich natürlich dann auch schon mit dem Thema Strategieprozesse für das Werk beschäftigt“. Was dabei herausgekommen ist, ist ein Konzept, das alle mehr als 250 Führungskräfte des Standortes einbinden soll, inklusive der Meister aus den Werkstätten. In 12er- bis 15-er-Gruppen treffen die sich ab sofort regelmäßig alle zwei Wochen für vier Stunden, um sich zu verschiedenen Themen Gedanken zu machen.

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Da geht es beispielsweise um die Verschlankung von Prozessen, Mitarbeitermotivation, zukunftsfähige Gebäude oder auch den Komplex Werte und Kultur.

Sein Vorgänger Bohrer entwickelt derweil gerade einen neuen Werkstandort in San Luis Potosi in Mexiko, für den das Stammwerk in München eine Art Patenrolle übernehmen wird: Da für das Werk, das 2019 an den Start gehen soll, jetzt schon Mitarbeiter geschult werden müssen, arbeiten bereits 80 Mexikaner in München, die so in die Prozesse integriert werden sollen. „Bis 2017 werden das insgesamt 500 sein, die wir hier qualifiziert haben, auch für Logistik, Planung und Verwaltung“, sagt Nedeljkovic. Welche Fahrzeuge dort gefertigt werden, darüber will er aber noch nichts verraten.

Was er aber sehr freigiebig herzeigt und erklärt, sind besonders zwei technische Innovationen, die keine inhaltliche Innovation für die Marke BMW sind, sondern vor allem den Mitarbeitern in München die Arbeit erleichtern sollen: der Smart Glove und der Chairless Chair – ein Handschuh mit integriertem Scanner, damit die Menschen in den Werkstätten nicht immer einen Scanner aufnehmen und wieder ablegen müssen. Und eine Art Exoskelett, dessen Einzelteile an der Hinterseite von Ober- und Unterschenkel zu einer Art Hockervorrichtung werden, sobald man in die Knie geht. Beides soll Ende 2016 in Serie gehen.