64. Bayerische Meisterschaft Fingerhakln: Übern-Tisch-Ziehen mit Tradition

64. Bayerische Meisterschaft im Fingerhakln. Die Bilder. Foto: Thomas Gaulke

Zwei Männer, ein Ring und ganz viel Kraft: Am Wochenende lebte eine bayerische Tradition mal wieder auf – in Draxlham wurden die Meister unter den Fingerhaklern ermittelt.

Draxlham - Es ist ein Jahrhunderte alter Wettkampf, ein Kraftsport für gscheite Mannsbilder: Den Körper in Tracht gewandet, die Hände in Talkum gewendet nehmen die Wettkämpfer gegenüber voneinander Platz und versuchen anschließend, sich sprichwörtlich über den Tisch zu ziehen. Nicht selten sind ernsthafte Finger-Verletzungen die Folge.

Es sieht archaisch aus, manchmal sogar anarchisch, aber auch beim Fingerhakeln gibt es feste Regeln: So hat der Haklertisch, an dem die Kämpfe bestritten werden, besondere Maße: Tischlänge 109, Breite 74, Höhe 79 Zentimeter. Das gilt auch für die Hocker: Sitzfläche 40 mal 40, Höhe 48 Zentimeter. Um ein zu tiefes Eindrücken der Knie zu vermeiden, muss unterhalb der Tischplattenkante eine Polsterung angebracht sein.

Erst wenn die Hakler am Tisch sitzen, bekommen sie vom Schiedsrichter den Haklerring zum Einhängen im Mittelfinger. Die lederummantelte Schlaufe aus mehreren Wicklungen Paketschnur ist circa zehn Zentimeter lang und bis zu acht Millimeter dick. Hinter jedem Hakler muss ein Auffänger sitzen, um seinen Vordermann festhalten zu können, sollte dessen unterlegener Gegner loslassen. Der Auffänger darf selbst nicht in den Kampf eingreifen, auch nicht durch Zurufe.

Frauen dürfen nicht teilnehmen

An Bayerischen, Deutschen und Alpenländischen Meisterschaften können nur Männer teilnehmen. Die Kämpfe werden in einem erweiterten K.o.-System ausgetragen. Der jeweils Unterlegene scheidet erst nach zwei Niederlagen aus. Es gibt acht Alters- und sechs Gewichtsklassen. Zu Kampfbeginn heißt es dann: "Beide Hakler fertig – zieht!"

Als das Kommando am 16. Juli für die 64. Bayerische Meisterschaft im Fingerhakeln in der Festhalle der Weilers Draxlham erschallte, saßen sich junge Männer bis Senioren gegenüber und schenkten sich nichts. Am Ende triumphierten die Fingerhalker vom Gau Auerberg: drei erste Plätze, zwei Mal Silber und drei dritte Plätze lautete die beeindruckende Vereinsbilanz. Der Wanderpokal geht damit in den Landkreis Weilheim-Schongau. Und in einem Jahr wird dann ermittelt, ob die starken Kerle ihn im wahrsten Sinne des Wortes festhalten können.

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