Sternekoch Alfons Schuhbeck ist stinksauer: Unbekannte verbreiten im Internet böse Gerüchte über die Art, wie er seine Gäste behandele. So würden Gäste, die einander vom Teller probieren lassen, per Brief in der Rechnungsmappe aufgefordert, seine „Südtiroler Stuben“ nicht mehr aufzusuchen. „Totaler Schmarrn“, sagt Schuhbeck. Er geht in die Offensive: Wer ihm einen Rausschmiss-Brief plus Rechnung zeigt, erhält 5000 Euro Belohnung

München - Er ist stinksauer. Alfons Schuhbeck – sonst bekannt als gemütlicher Zeitgenosse – gerät richtig in Fahrt, als wir ihn mit Gerüchten konfrontieren, die im Internet und auch durch Mund-zu-Mund-Propaganda Kreise ziehen.

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Angebliche Gäste behaupten nämlich, dass der Starkoch, der am Platzl Sterne-prämierte Gerichte serviert, sich nicht nur die erlesenen Zutaten für seine Speisen aussucht, sondern auch die Kundschaft seiner Südtiroler Stuben. Wer nicht ins stilvolle Ambiente passe, werde diskret, aber deutlich hinauskomplimentiert. Üble Nachrede – oder geläufige Praxis?

Tatsächlich kursiert in einschlägigen Internetforen, in denen sich User über Rezepte und Restaurants austauschen, immer wieder ein ähnlicher Erfahrungsbericht – von unterschiedlichen Absendern verfasst. So schreibt jemand unter dem Pseudonym Casandra1234 auf der Seite tripadvisor.de – keine Internet-Klitsche, sondern immerhin das weltgrößte Portal für Reisebewertungen – über einen Besuch in den Südtiroler Stuben, der im Februar stattgefunden haben soll: „Jetzt kommt der Hammer: Als wir gezahlt haben, lag in der Rechnungsmappe ein Schreiben mit den Worten: Bitte nehmen Sie Abstand von weiteren Reservierungen in unserem Haus!“. Der Grund: Man habe von den Tellern der Anderen genascht und das werde nicht toleriert.

„Das ist totaler Schmarrn! So etwas hat es noch nie gegeben“, entrüstet sich Alfons Schuhbeck auf Nachfrage der AZ. „Der Gast ist bei uns König. Ich wär doch bescheuert, wenn ich so etwas machen würde.“ Nur einmal in 30 Jahren habe er einen Gast auf sein Benehmen ansprechen müssen, weil dieser betrunken gewesen sei.

Der Spitzenkoch vermutet, dass „irgendein Kasper“ das in die Welt gesetzt habe – „und jetzt verbreitet sich das Ganze wie ein Virus“.

Auffällig ist, dass die Userin Casandra1234, die angeblich von Schuhbeck Hausverbot bekam, eigentlich nicht wie eine typische Online-Unruhestifterin wirkt. In insgesamt 53 Beiträgen argumentiert sie auf tripadvisor.de recht sachlich, rezensiert Restaurants in München, Rom oder Berlin. Was hat Casandra1234 bei Schuhbeck wirklich erlebt? Eine Anfrage bleibt unbeantwortet.

„Das ist Rufschädigung, aber was will man machen?“, sagt ein verzweifelter Alfons Schuhbeck. „Ich kann Anzeige gegen Unbekannt stellen, aber was bringt mir das?“

Schuhbeck ärgert sich auch über ein anderes Gerücht: Angeblich stelle er teure Weinberatungen in Rechnung, wenn der Gast ihn gefragt habe, welchen Tropfen er zu dem Gang empfehlen könne. „Das ist lächerlich, das tut er nicht“, bezeugt Zafer Basaran, Personalchef in Schuhbecks Gastronomie-Unternehmen.

Fest steht, dass Schuhbeck nicht der einzige Sternekoch ist, dem die Rausschmiss- und Weinabzocke-Praxis nachgesagt wird. Auch sein Spezl Johann Lafer ist betroffen. „Vorher war’s der Lafer, jetzt sind wir dran“, meint Basaran.

„Niemand hat mir bisher dieses Schreiben mit dem Hausverbot zeigen können“, ärgert sich Schuhbeck. Und will jetzt in die Offensive gehen: Ab heute setzt er 5000 Euro Belohnung aus – für denjenigen, der ihm dieses Schreiben samt Rechnungsnachweis vorlegt. Ob sich jemand meldet?

 

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