46 Wolfsrudel in Deutschland Zurück in Bayern: Der böse Wolf ?

Der Wolf geht Menschen meist aus dem Weg. Foto: Tierpark Hellabrunn/Fischer, Fencik, Müller

In Bayern siedeln sich die Wildtiere möglicherweise wieder an. In anderen Bundesländern sind sie inzwischen längst heimisch. In Brandenburg hat man längst einen Plan für den Umgang mit dem Tier.

Potsdam - Denny Basigkow schwant Böses: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er auch Menschen angreift." Was nach einer Szene aus einem Hollywood-Thriller klingt, ereignet sich an einem März-Vormittag mitten in Brandenburg. Schauplatz Krahne, Landkreis Potsdam-Mittelmark, eine 508-Einwohner-Gemeinde anderthalb Stunden von Berlin entfernt.

Angst und Schrecken passen hier eigentlich nicht ins Bild: Die Weiden entlang der Hauptstraße sind noch kahl, Vögel zwitschern, an einigen Hecken hängen bunte Plastik-Ostereier. Vor der Metzgerei stehen zwei geparkte Bulldogs. Von weiten Feldern und Wäldern umgeben, schließt sich im Westen auf 166 Hektar das Naturschutzgebiet Krahner Busch an. Und da streift es herum, das Wesen, von dem Basigkow denkt, dass es bald schon Menschen angreift: der Wolf.

46 Wolfsrudel leben in Deutschland, 21 davon in Brandenburg. Die ersten Wölfe kehrten im Jahr 2007 dorthin zurück, zwei Jahre später wurden die ersten Welpen geboren. So weit ist der Wolf in Bayern noch nicht. Derzeit sorgen allein die Sichtungen der Tiere für Aufsehen. So auch Ende vergangenen Jahres, als ein Wolf irgendwo südwestlich von Memmingen vor eine automatische Wildkamera gelaufen ist.

Das unscharfe Schwarz-Weiß-Foto hat Naturschützer und Medien in Hochstimmung versetzt und alle haben sich gefragt: Siedelt sich der Wolf nun, nach über 150 Jahren, endlich wieder im Freistaat an? Ekkehard Kluge hat für diese Euphorie allerhöchstens ein müdes Lächeln übrig. Er arbeitet im brandenburgischen Umweltministerium und hat sich längst an die Anwesenheit von Wölfen gewöhnt. Oft genug hat er mit Canis lupus, wie der Wolf in der Fachsprache heißt, zu tun. Denn er ist Ansprechpartner für das brandenburgische Wolfsmanagement.

Wenn Natur auf Bürokratie trifft: Der Wolf, ein wildes Tier, soll gemanagt werden. "Das Wolfsmanagement versucht die Konflikte, die durch den Wolf entstehen, zu lösen", erklärt Kluge. Wie genau das aussehen soll, steht im 54 Seiten umfassenden "Managementplan für den Wolf in Brandenburg". 

Dabei ist der Wolf vielen nur ein Begriff aus dem Märchen: Der Wolf, der sieben Geißlein fressen will und Rotkäppchens Oma. Und bald schon ein Kind? Davor haben zumindest die Jäger in Krahne Angst. Immer wieder werden Wölfe in der Umgebung gesichtet, nähern sich bis auf einige hundert Meter den Ortschaften. Deshalb haben die Jäger beschlossen, vor den Tieren zu warnen und Schilder im Krahner Busch aufgehängt. In roter Schrift steht auf weißem Grund: "Achtung! Wolf-Streifgebiet. Jäger empfehlen, Hunde anleinen und Kinder beaufsichtigen".

Rein mathematisch spricht allerdings einiges gegen seine These. Die Chance, dass ein Mensch durch einen Wolf zu Schaden komme, sei gering, sagt Wolfsmanager Ekkehard Kluge: "Natürlich kann das niemand ausschließen. Ich kann aber auch nicht ausschließen, dass mir ein Dachziegel auf den Kopf fällt. Das Risiko, dass durch einen Wolf etwas geschieht, ist ähnlich groß."

Ein scheuer Wildhund

Zahlen: Bundesweit gibt es 46 Wolfsrudel sowie einige Paare. Die meisten leben im südlichen Brandenburg. In Bayern gab es seit dem Jahr 2006 immer wieder Wolfssichtungen, ein Rudel hat sich bisher jedoch nicht angesiedelt. Wolfsexperten sind aber der Meinung, dass das nicht mehr lange dauern kann. Zum Vergleich: Der Memminger Wolf ist der zehnte Nachweis eines Wolfs in Bayern seit 2015. In den neun Jahren davor gab es bayernweit nur sechs Nachweise.

Begegnung mit einem Wolf: Seitdem es in Deutschland wieder Wölfe gibt, gab es noch keinen für den Menschen gefährlichen Vorfall mit den Tieren. Gegenüber Menschen sind Wölfe in der Regel scheu, im Einzelfall manchmal naiv-neugierig – besonders unerfahrene Jungwölfe. Wolf und Mensch gehen sich normalerweise aus dem Weg. Mit ihren überaus empfindlichen Sinnen bemerken sie Menschen frühzeitig und suchen in der Regel schon vor einem Zusammentreffen das Weite.

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